DJ Rampa: Ein Freiburger auf Erfolgskurs in Berlin

Anne Lena Mösken

Freiburgs angesagtester Kulturexport hat mit Bollenhüten und Kuckucksuhren nichts zu tun: DJ Rampa ist aus dem Berliner Nachtleben kaum noch wegzudenken. Zusammen mit anderen bekannten DJs hat er das Elektro-Label "keinemusik" gegründet.



Als er seinen Burger bestellt, fragt die Kellnerin zweimal nach: „Ohne Pommes, dafür mit Bacon?“ Sie guckt irritiert.  DJ Rampa schüttelt nur den Kopf. Er ist einer, der genau weiß, was er will. Es ist ein Freitagabend im Burger-Restaurant „The Bird“ in Berlins Szenebezirk Prenzlauer Berg. Am nächsten Tag wird der Freiburger auf einer der wichtigsten Partys des Wochenendes, dem Abschied des Underground-Clubs Scala, auflegen.


Rampa, Wollmütze, Vollbart, heißt eigentlich Gregor Sütterlin, ist 25 Jahre alt und stammt aus Freiburg. Neben ihm sitzen DJ-Kollege André Boadu, 29, alias &ME, Studentin Monja Gentschow, 22, und ein Haufen Freunde. Zusammen sind sie der Kern von keinemusik, einem Label-, Booking- und Partynetzwerk aus Berlin. „Die keinemusik-Clique würde eher ein Barbecue veranstalten als über einen Businessplan zu meditieren“, schreiben sie auf ihrer Website. Also gibt es Arbeitsbesprechungen im The Bird statt im Konferenzsaal.

2006 ist Rampa von Freiburg nach Berlin gezogen. Drei Jahre später führt in der Berliner Clubszene kaum mehr ein Weg an ihm und den anderen DJs von keinemusik vorbei. Sie legen regelmäßig in den angesagtesten Berliner Clubs auf, im Picknick, im Golden Gate, in der Berghain-Kantine oder im Tresor.

Rampas Wurzeln liegen, genau wie die von Eddy Constantin, der neben Rampa, &ME und vier weiteren DJs ebenfalls bei keinemusik ist, in Freiburg. Rampa und Eddy kennen sich von früher, aus der Skateszene, als sie mit 14 auf dem Karlsplatz abhingen. Rampa hörte und machte damals HipHop.

Und irgendwann kam auch elektronische Musik nach Freiburg.  „Wir haben am Anfang vor allem in ranzigen Off-Locations aufgelegt“, erzählt Rampa heute. Geprägt habe ihn diese Zeit. „Und Freiburg ist schon irgendwie meine Heimat“, sagt er.



Wer Musik macht und das gut, der kann das überall, nur einfacher ist es dort,  wo die Szene ist: in Berlin.  DJ-Urgestein Fetisch nahm Rampa bei seinem Label Terranova unter Vertrag. Seine Single „Tanz auf mir“ wurde im vergangenen Jahr zum Elektro-Hit –  ein Sportartikelriese fragte an und ließ sich einen Track von Rampa mischen.

Im Februar dieses Jahres aber gründeten die Musiker ihr eigenes Label. „Alles andere dauert einfach immer so lange, und am Ende ist nichts so, wie man es haben will“, erzählt Rampa. Keinemusik ist ein kreatives Gebilde. Da ruft Rampa Monja an, erzählt ihr, dass der Titel seiner neuen Platte irgendwie mit Mann und Frau zu tun haben soll – und dann setzt sich Monja hin und zeichnet etwas fürs Cover.  Ohne Abgabetermine. „Bei uns gibt es nicht diese typischen Labelstrukturen“, erklärt &ME.

500 Exemplare hat keinemusik bei ihrem ersten Vinyl-Release in den Plattenläden untergebracht: Nach zwei Wochen war &MEs „F.I.R.“ ausverkauft. Für die Sparte elektronische Musik und noch dazu als Vinyl sind das gute Zahlen. Auf ihrer Webseite bloggten die Keinemusikler Bilder von &ME zwischen Pappkartons beim Versenden der Nachpressung. Auch die ist mittlerweile ausverkauft und die Platte nochmals nachgepresst.

In den Charts von Zero und Beatport, zwei Download-Plattformen für elektronische Musik, kletterte die Single auf Platz 1. Und auch namhafte DJs wie Tiefschwarz haben zwischenzeitig „F.I.R.“ auf den ersten Platz ihrer aktuellen Lieblingstracks gewählt, gefolgt von keinemusik-DJ Adam Ports „Boogie Bass“. Kleine Erfolge in Insiderkreisen, die aber alle eine Botschaft tragen: keinemusik macht das, was gefragt ist.

„Auf den keinemusik-Partys  legen wir alle umsonst auf“, sagt Rampa.  Was sie einnehmen, geht in die gemeinsame Kasse – für die nächste Platte.
Manches vermisst Rampa an Freiburg, die gute Luft zum Beispiel. „Und das Essen.“ Umso mehr freut er sich, dort mal wieder aufzulegen, wie am kommenden Samstag.

Mitte Juli soll Rampas nächste Platte erscheinen. Der DJ-Ritterschlag fehlt ihm allerdings noch: Auflegen in der Berliner Panoramabar,  Teil des Berghains, das gerade  zum besten Technoclub der Welt gewählt wurde.

„Das muss jetzt bald kommen“, sagt Rampa und leckt sich genüsslich den Käse von den Fingern.



Mehr dazu:

Was: Verschickt & keinemusik (DJ Rampa und Eddy Conse)
Wann: Samstag, 4. Juli 2009, ab 23 Uhr
Wo: Drifters
Eintritt: bis 23.30 Uhr frei, Studenten kommen sogar bis 1 Uhr umsonst rein