Diskussionsrunde: Wie wichtig ist Dir Öko-Energie?

Vive L'Umwelt-Reporter

Die Energie-Ressourcen auf unserem Planeten sind begrenzt, irgendwann wird es keine Erdöl-, Kohle- und Uranvorkommen mehr geben. Die Alternativen sind da, werden aber oft nicht genutzt. Ein moderiertes Gespräch der deutschen und französischen Master-Studenten, die in der vergangenen Woche für unser Vive l'Umwelt geschrieben haben.

 

Sind alternative Energien für dich persönlich ein Thema, Gaëlle?

Gaëlle: Natürlich ist es ein Thema, es wird viel darüber gesprochen und auch in den Medien wird das Problem der ausgehenden Energieressourcen viel thematisiert. Aber für mich im Alltag spielen alternative Energien ehrlich gesagt keine Rolle. Ich zeige im täglichen Leben kein wirkliches Engagement.

Hast du das Gefühl, dass es in Deutschland ein wichtigeres Thema ist als bei dir zu Hause in Frankreich?

Gaëlle: Wahrscheinlich schon. Auch wenn es das Klischee ist, aber Ökologie ist in Deutschland einfach wichtig. Vor allem hier in Freiburg, der grünen Stadt, ist ökologisches Engagement spürbar. Die Menschen mögen es, Energie zu sparen und Fahrrad fahren.

Imke, kannst du das als deutsche Studentin hier in Freiburg bestätigen?

Imke: Ich bin zwar ursprünglich nicht aus Freiburg, merke aber, dass alternative Energien hier viel präsenter sind als im Rest von Deutschland. Die Solarsiedlungen und vielen Fahrradfahrer, da sieht man schon, dass sich die Freiburger da viele Gedanken machen.

Und du persönlich? Machst du dir auch Gedanken?

Imke: Es ist schon so, dass man viel über alternative Energien liest und sich global Gedanken darüber macht, aber in meinem persönlichen Alltag ist das Thema deswegen noch nicht angekommen. Außer beim Auto: Ich habe selber eines und wenn das Benzin immer teurer wird, denke ich darüber nach, öfter mit der Bahn oder dem Fahrrad zu fahren.

Wenn du es dir leisten könntest, würdest du ein Auto mit einem alternativen Bio-Kraftstoff fahren?

Imke: Im Moment würde ich es wohl eher abschaffen – und später muss ich schauen, ob ich mir ein umweltfreundliches Auto leisten kann.

Denkt man denn in Frankreich über Öko-Autos nach?

Aurélien: Ich habe noch nicht viel über Öko-Autos in Frankreich gehört – aber ich finde, das sollte man eigentlich. Das große Problem ist aber, dass ökologisches Denken generell fast kein Thema in Frankreich ist. Die grüne Partei hat so gut wie keinen Einfluss, die Atomlobby dagegen ist so einflussreich, dass man eigentlich keine Alternativen sieht und aufgezeigt bekommt.

Findest du es schade, dass es so ist?

Aurélien: Na klar, man sollte schon an die Zukunft und die nachkommenden Generationen denken. Das Problem ist nur, dass der Einzelne in Frankreich der Meinung ist, er könnte nichts ändern und es sei Aufgabe der Politiker, etwas zu tun. Die aber sind so mit der Auto-, Atom- und Öl-Lobby verlinkt, dass sich da nie was ändern wird. Alle wollen nur Geld machen und mit Ökologie macht man eben kein Geld in Frankreich.

Wie würdest du im Vergleich die Energie-Politik in Deutschland bewerten, Julika?

Julika: Natürlich wird in Deutschland mehr gemacht, auch von Seiten der Politik: der Atomausstieg ist beschlossene Sache und auch immer mehr Strom wird mit Windrädern und Solaranlagen erzeugt. Aber gerade im Bereich der Mobilität und vor allem alternativen Kraftstoffen hat sich auch hier noch nichts getan. Auch deutsche Autofirmen bieten keine alternativen Öko-Autos an, obwohl man damit wahrscheinlich Geld verdienen könnte. Man müsste nur eben erstmal investieren. Tatsache ist, in 50 Jahren gibt’s kein Öl mehr – man sollte sich langsam mal was einfallen lassen, was massentauglich ist.

Seht ihr das auch so, dass in Deutschland auf politischer Ebene zu wenig gemacht wird?

Anne-Sophie: Ich glaube, es gibt schon viele Initiativen von Seiten der Politik. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz bekommen jetzt ja auch Privatmenschen eine Unterstützung, wenn sie sich zu Hause eine Solaranlage bauen. Öko-Autos müssen eben erst günstiger werden, damit mehr Menschen sie kaufen – im Moment ist das noch etwas für Idealisten.

Joana: Genau. Es ist leider immer auch eine finanzielle Frage – bestimmt würden gerne viele Menschen mehr tun – aber gerade bei Solaranlagen und Öko-Autos, wie den Hybrid-Autos, ist der Anschaffungspreis einfach noch sehr hoch und kommt für viele deswegen von vorneherein nicht in Frage. Man investiert da eben doch lieber in Konsumgüter, die einem Komfort verschaffen, statt in umweltschonende Technik. Ein iPod ist für viele eben sexier als die Solaranlage auf dem Dach. Ich glaube auch nicht, dass dies ein rein deutsches Problem ist:
Leider ist es so, dass jeder erstmal nach sich selber schaut, bevor er darüber nachdenkt, was er für die Gesellschaft tun könnte. Diese Mentalität müsste sich erstmal ändern, damit etwas passiert.



In Deutschland ist das Thema alternative Energien präsenter als in Frankreich: Könnte Deutschland ein Vorbild für Frankreich sein?

Lilian: In Frankreich gibt es die Debatte erst seit einigen Monaten, vor allem seit der Präsidentenwahl. Im Moment werden alternative Energien zum wirklichen Thema. Die Regierung hat verschiedene Maßnahmen beschlossen und auch in den Medien wir viel diskutiert – man sieht auch häufig Reportagen über die Situation in Deutschland. Allerdings wird bei uns kein Geld investiert. Alternative Energien sind zwar okay, man will aber nichts dafür zahlen.

Was würdest du persönlich tun?

Lilian: Ich habe gemerkt, dass kleine Dinge auch schon helfen können: Energiesparlampen, weniger Auto und mehr Fahrrad fahren. Beim wirklichen Umstieg auf alternative Energien ist aber das wirkliche Problem auch meiner Meinung nach der Geldfaktor: Man muss reich sein, um Öko sein zu können. Es fehlt einfach der politische Wille – nur die Regierung könnte etwas verändern.

Was wären deine Wünsche in Bezug auf alternative Energien?

Anette: Forschungsmäßig sind wir eigentlich schon so weit, um erneuerbare Energie breitflächig nutzen zu können. Jetzt müsste in kleine Projekte investiert werden und von denen ausgehend auch Energiegesetze erlassen werden. Eine Umstellung kann man nur durch Gesetze erreichen – alleine werden die Menschen ihr Verhalten nicht ändern.

Muss man auch in Frankreich die Leute nur dazu zwingen, alternative Energien zu nutzen?


Cédric:
In Frankreich mehr als überall anders. Hätten wir auch einen Pflichtpfand, würden auch die Franzosen die Flaschen in den Supermarkt zurückbringen – der Faktor Geld zieht eben immer. Wir brauchen auf jeden Fall einen Zwang von Seiten der Regierung.



Was wäre dein Wunsch für Frankreich?

Aline: Dass mehr in erneuerbare Energien investiert wird und weniger in die Atomenergie.

Audrey: Dass endlich Geld fließt. In Frankreich wurde viel über umweltpolitische Maßnahmen gesprochen, das Problem ist nur, das ist schon einige Monate her und konkret passiert ist noch nichts. Viele Worte, nichts dahinter – das muss sich ändern.

Stéphanie: In Frankreich ist Ökologie nur eine Modeerscheinung, und das auch erst seit sechs Monaten. Mein Wunsch wäre, dass sich endlich eine eigene französische Öko-Philosophie entwickelt.