Dirty Gear: Der Freiburger Produzent Sarrass feiert sein Debütalbum im White Rabbit

Bernhard Amelung

Rendezvous mit der Einsamkeit: Mit seiner Musik schafft Sarrass eine Stimmung des Sich-Verlierens. An diesem Freitag feiert der Freiburger Produzent die Veröffentlichung seines Debütalbums "Dirty Gear" im White Rabbit Club.



Episch, dunkel, treibend, heroisch. So klingen die neun Stücke auf "Dirty Gear", einem Elektronikalbum, das noch im August bei dem britischen Plattenlabel Third Ear erscheinen wird. Produziert hat es ein Freiburger, der sich als Künstler Sarrass nennt und der seinen Klarnamen nicht in der Zeitung lesen will.


Auch sonst bleibt er nach außen hin anonym. Anfragen für ein Interview weist er zurück oder beantwortet sie gar nicht erst. Fotos von ihm gibt es keine, schon gar nicht in sozialen Netzwerken. Das ist nur konsequent. Dieses Verhalten erscheint jedoch geradezu anachronistisch, nutzen doch zahlreiche Künstler Plattformen wie Facebook und Instagram zur außenwirksamen Darstellung ihrer Person. Eine Eigenheit, die er sich mit Guy McCreery, dem Gründer und Inhaber von Third Ear, teilt.

Auf Third Ear haben Produzentenlegenden aus Detroit, der Techno-Kapitale schlechthin, eine Heimat für ihren bisweilen unbequemen Sound gefunden. So zum Beispiel Kelli Hand, Marcellus Pittman, Jason Hogan und Medium Parnell mit ihrem :Brownstudy-Projekt sowie ein Mike Huckaby. Doch McCreery, ein promovierter Anthropologe, sah sich beim Labelstart und auch heute noch verpflichtet, junge Talente zu fördern. Dazu gehörten Mitte der Nullerjahre der Londoner Warren Brown alias WBeeza, Julian Neumann aus Berlin und eben Sarrass.

Ginge es nach Sarrass, würde man auch gar nicht über seine Musik schreiben. Doch sie klingt zu gut, um schweigend über sie hinweg zu gehen. Seit 2009 veröffentlicht der Freiburger suchtverdächtig groovende Stücke, die man zwischen melancholischem Ambient, verspieltem House und rohem Maschinenfunk einordnen kann. Besonders überzeugt dabei, dass er keiner Retromanie verfallen ist und die 1990er Jahre zum gefühlt 285. Mal aufkocht oder einem sogenannten Sound of Berghain hinterher rennt.

Sarrass - To Cadiz

Quelle: Vimeo


Auf Rohheit und Maschinenfunk bezieht er sich auch im Titel seines Albums. "Dirty Gear" heißt  übersetzt "schmutzige Geräte". Gemeint sind die analogen Musikinstrumente, mit denen Sarrass seine Klangwelten geschaffen hat. Zu den bekanntesten Synthesizern gehören das K2000-Modell von Kurzweil und ein Doepfer Waldorf Q Keyboard. Quäkend-wabernde Synthesizer, in Schleifen wiederkehrende Motive, eröffnen "Dirty Gear". In Höhen und Tiefen führende Klangwellen schaffen eine Stimmung des Sich-Verlierens und geben Einblick in einen Ausschnitt aus der Entstehungsgeschichte des Albums: Ein Roadtrip in die Ferne, getrieben von der Lust auf unendliche Straßen und wunderschöne Natur. Titel wie "Ahead", "To Cadiz" und "Au Ciel Finistere" dokumentieren Sarrass' Rendezvous mit der Einsamkeit - und seinem musikalischen Ich.

Zu den Höhepunkten des Albums gehört sicherlich das Stück "A New Day". Darauf nimmt eine einfache Synthesizer-Melodie kontinuierlich an Kraft zu – wie ein Spätsommertag, der die Hitze noch einmal heraufbeschwört. Musikalische Unterstützung bekommt Sarrass, der sein Album am Freitag im Freiburger White Rabbit Club live vorstellen wird, vom Disc Jockey Kollektiv B.

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Was:
Sarrass - Album Release Party
Wann: Freitag, 21. August 2015, 23 Uhr
Wo: White Rabbit Club

  [Foto: Third Ear / Promo]