"Dildos, Fötzlis, Schnürli-Tangas" - so war die Sex-Messe Extasia in Basel

Nightlife-Guru

Das Fazit unseres Nighlife-Gurus vorweg: Frauen wurden gar nicht angesprochen, die Darbietungen und Angebote waren eher mau und manches ekelerregend. Das Highlight war ein Satz auf Schweizer-Deutsch: "Wer mag noch sehen, wie Fötzlis gstopft werden?"



Das Türpersonal

… ist in der Tat extrem attraktiv. Ein glutäugiger Herr im Anzug nimmt mir meine gerade erworbene Eintrittskarte ab und hält mir seriös die Tür zu Babylon auf, eine Dame in schwarzen Security-Klamotten und sehr sehr dicken lipglossigen Lippen kontrolliert harsch meine Tasche. Arr. Meine Wasserflasche muss ich abgeben, meine Kamera darf mit rein. Einen Stempel gibt es nicht, Diskretion ist hier wohl Trumpf.

Das Ambiente

Betritt man den Eingangsbereich, wird man noch in spielerischer Sicherheit gewogen. Ein Stand mit bunten Süßigkeiten begrüßt den Besucher, alles ist noch neckisch und irgendwie aufregend. Kichernde Paare mit schwarzen Plastiktüten laufen mit schnellen Schritten in Richtung Ausgang, sie streichelt verschmitzt seine Schulter.

Betritt man dann die Haupthalle, ist es mit der Romantik schnell zu Ende. Down and dirty, Baby. Hier lernt man vom Leben:  Eishockeysporthalle + Erotik + X = Extasia. Dachte sich jemand. Das X steht in diesem Fall nicht direkt für Sex-Appeal, Ekstase oder Exzess, sondern eher für extrem Neunziger. Und nicht mal die wollen ihr Ambiente zurück.

Zwischen den schwarzen Plastiksitzen auf der Tribüne riecht man das Frittier-Fett der extra hingestellten Frittenbude neben der Bühne, auf der gerade ein halbnacktes Muskelpaket mit Cowboy-Hut zu „Cotton-Eyed Joe“  ein imaginäres Lasso schwingt. Das Imbisspersonal ist nicht nackt – das wäre wohl unverantwortlich. Die Lichter der einzelnen Stände funkeln mit den Lichtern der Smartphonekameras um die Wette, an einer Pole-Dance Stange chillen zwei tribaltattoo-übersäte Stripperinnen mit PET-Flaschen und quatschen. Eine glühende Kippe würde die Szenerie für die Trash-Liebhaber perfektionieren.
Es riecht jetzt auch wirklich irgendwo nach Rauch, ich gucke mich interessiert um.... ach nee, der Imbissbude ist nur 'ne Wurst angebrannt.

Inneneinrichtung und Deko

Lustwandeln kann man hier im wahrsten Sinne, jede Neigung findet hier den Stand seiner Träume.
Das Auge hüpft von einem Tisch zu nächsten, zwischen den einzelnen Ständen mit Ledermasken und Peniskäfigen, Dildos in abnormen Größen, Vaginas to go, Vibratoren in diversen Formen, Dessous und einer erstaunlich großen Auswahl an Lebensmitteln in Penisform, stößt man immer wieder auf leicht bekleidete Damen, deren Silikonbrüste ihnen meist voraus eilen. Überragend ist tatsächlich die dominante Präsenz von Neunzigerjahre Elementen: Tribal-Airbrush, Neonfarbene Piercings, chinesische Schriftzeichen, die man sich aus einer vergilbten Mappe aussuchen und noch vor Ort tätowieren lassen kann. Verblichene Produktverpackungen, bei denen man gut und gerne glaubt, dass der darauf klebende Preis ursprünglich noch in D-Mark gedacht war. Leider geil? Ne, gar nich mal so.

Ich fliehe vor einem interaktiven BDSM-Stand aus der Haupthalle und entscheide mich unüberlegt gegen die Malestrippervorführung und stattdessen für einem halbstündigen Tantra-Workshop. Geführt wird dieser von einem Mann mit goldenem Paillettenhut und von einer wildgelockten Frau in einem Glitzeroberteil und einer zu großen Seidenunterhose. Was ich da gelernt habe? Sollte ein Mann eine Errektion wegen mir bekommen, dann sei dies nur sein eigenes kosmisches und fleischliches Problem. Durchaus nicht meines. Ich verneige mich mit gefalteten Händen und verlasse rückwärts still und leise den Raum wieder in Richtung der Technobässe, die zwischen den Räucherstäbchen und den Klangschalentönen schweben.

Klangwaren-Tüv

Utz Utz Utz! Blümchen-Techno meets Darkwave meets Disko. Yeah!

Wer war da?

Verliebte, Verheiratete und Verlorene jeden Alters und jeden Geschlechts. Jeder, der Spaß an dem Akt des aufregenden Kopulierens hat, flaniert hier mit großen Augen durch die Gänge. Viele Männer tragen mit stolz geschwellter Brust mehrere Tüten neben ihrem Girl her, Mädels in Gruppen reichen sich weise nickend Penis-Lollies und Nippelklemmen, halbstarke Jungs geben ihren Buddies glucksend mit einer Lederpeitsche 'nen Klaps auf den Po.

Meine anfängliche Befürchtung, manche Besucher der Messe würden mich eher verstören, als die Messe selber, bestätigt sich an vielen Stellen. Ältere Herren, die stapelweise DVDs unterm Arm tragen (bei einem Angebot von zehn Dvds zu einem Preis von 20 CHF wohl obligatorisch) filmen relativ verbissen die Tänzerinnen mit ihren kleinen Digitalkameras. Am Bühnenrand scheint fast kein Durchkommen, da hier wohl die Devise gilt, sich möglichst viel Material für Zuhause zu sichern. Private Verwendung sei ja in Ordnung. Uh, Kopfkino schnell aus!

Aufheiterli

Schweizerdeutsche Ankündigungen für die gleich beginnende Live-Sex-Show über den Lautsprecher: „Wer mag noch sehen, wie Fötzlis gstopft werden? Gleich richtich knackich, die sexy Stute und ihr Hengst.“ Joa, so isch lässig!

Abtörnerli

Frauen im Schnürli-Tanga, die sich bei der Frittenbude nochmal extra Ketchup auf ihre Chicken-Nuggets in der Styroporbox drücken.

Meine fünf Minuten Sprachlosigkeit

Eine nackte Stripperin übergießt sich zuerst komplett mit heißen Kerzenwachs und zieht anschließend mit gespreizten Beinen in der Vollfrontalen eine Schweizer Flagge aus ihrer... ähm... Schmuckdose. Lokalpatriotismus ist hier auf jeden Fall mit Leib und Seele gegeben.

Fazit

Für knapp 40 CHF und die Betitelung „größte Erotikmesse der Schweiz“ ist das gesamte Erlebnis eher mau. Man fühlt sich stellenweise gezwungen, sich alle paar Minuten die Hände zu waschen weil man zu pappige Dinge angefasst hat oder noch zu viel Staub auf der Verpackung hing. Und ja, eine Ästhetik des Hässlichen mag existieren, aber irgendwann kann eine Sexmesse mal weg von dem billigen roten Schmuddel-Faden mit den immer gleichen Billigdessous auf Plastikbügeln. Von Männern für Männerphantasien gemacht – mehr Sinnlichkeit für die Frauen wäre doch mal was!

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Foto-Galerie: Nightlife-Guru

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