Dieser Student will mit seinem Musikvideo einen Beitrag zur Freiburger Hiphop-Szene leisten

Niklas Batsch

Der 22-jährige Rapper To Flyer zeigt in seinem neuen Musikvideo Freiburg und spricht über unbeschwerte Kindheitsträume. "Ich will fliegen" wurde ausschließlich von Freiburger Studierenden produziert.

Wuchtiger Synthie-Bass, Sample-Beat und Freiburg? Rap und Musikvideo in der Green City? Wie kann so etwas zusammenpassen? To Flyer heißt eigentlich Tobias, ist 22 Jahre alt und studiert an der Albert-Ludwigs-Universität Medienkulturwissenschaft.


In seinem neu erschienenen Musikvideo zu seinem Song "Ich will fliegen" spricht der gebürtige Schwabe über utopische Kinderträume – und bemängelt, dass ihm dieses unbeschwerte, naive Gefühl abhanden gekommen sei. "Ich will fliegen" ist Teil seiner neuen EP "Weitsicht", die am 2. Februar 2018 digital erscheint. "Meine erste Veröffentlichung und erste Auftritt hatte ich 2013. Vorher habe ich schon in meinem Kinderzimmer für mich selbst Musik gemacht", sagt To Flyer. 2014 ist sein Debütalbum "Weltverbessern" erschienen, auf seinem Tape "Panama" rappte er 2015 über Heimat und Zufriedenheit.

To Flyer - Ich will fliegen (Beat: Baiier)



Zwischen Münster, Schlossberg und Schwabentor

"Das Ziel des Musikvideos war es, das Gefühl des Songs auf einer visuellen Ebene darzustellen. Wir haben uns für eine Art Doppelstory entschieden." Der Protagonist des Videos ist unterwegs zwischen Innenstadt und Schlossberg, unternimmt somit nicht nur visuell einen Aufstieg. Oben angelangt blickt er nicht nur in den goldenen Sonnenuntergang hinter dem Freiburger Münster, er gelangt auch zur Erkenntnis: "Ich hab zu viel relativiert" - im Inneren wieder Kind sein, das ist das Ziel. Aber nicht nur für die zentrale Aussage des Songs ist Freiburg eine passende Kulisse: "Freiburg ist die momentane Heimat von allen am Video Beteiligten", so To Flyer.

Tobias kann von einigen Live-Auftritten erzählen, auch mit namhaften Künstlern wie Weekend, OK Kid oder Nico Suave. Mit seinem aktuellen Musikvideo und der bald erscheinenden EP rückt er nicht nur mit schönen Bildern Freiburg in den Mittelpunkt und erinnert sich an vergangene Tage, sondern erhofft sich auch ein Erwachen der Musik in der – wie sein Video beweist – sonnigsten Stadt Deutschlands.

Wo ist die Freiburger Hip-Hop-Landschaft?

"Es war mir wichtig, dass das Video in Freiburg spielt, weil ich unbedingt meinen Beitrag zur Freiburger Hip-Hop-Landschaft liefern wollte. Ich bin von dieser, ehrlich gesagt, ein wenig enttäuscht, weil sie nicht präsent ist", erklärt Tobias. "Nach meinem Empfinden gibt es hier zu wenig Jams und Rapkonzerte mit lokalen Künstlern." To Flyer setzt mit seinem neuen Video also nicht nur visuell und auditiv ein Zeichen.

Für einen Rap-Track ist der Song eher langsam gehalten und spielt immer wieder mit Geschwindigkeit. Der Beat und das Instrumental stammen vom Schweizer Produzenten Baiier. Darauf hat Tobias dann den Text geschrieben. Das Musikvideo ist dann in Zusammenarbeit mit den Freiburger Studenten Jannik Schulz, Lotta Schweikert, Nils Jensen, Eyal Kantor und Franziska Brinkmeyer entstanden.

An Apple a Day…

Im Video zu sehen: Nicht nur die Schauspieler, Tobias selbst und das schöne Freiburg, sondern auch viele kleine Details, wie ein alter Gameboy, Super Mario oder ein Poster von Julian Schuster. Dinge, über die To Flyer rappt: Kindheitserinnerungen, Wünsche und Träume. Zu Beginn taucht der Albtraum jedes Studierenden – das gelbe Büchlein einer bekannten Verlagsgruppe – auf, das allerdings ganz bewusst ausgewählt wurde: "Der Inhalt des Videos und des Songs korrelieren mit Eichendorffs 'Aus dem Leben eines Taugenichts'", verrät To Flyer. Die Aufnahmen werden ergänzt durch filmisch hochwertige Bokehs und Lensflares, Sonnenuntergänge, Tiefenunschärfen und satte Farben. Und To Flyer, auf der Treppe sitzend und einen Apfel essend: "Interpretationsspielraum", sagt Tobias schmunzelnd.
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