Dieser Mann jagt Freiburgs Ratten

Ruben Sakowsky

Von ihnen nimmt man meist nur Spuren wahr: aufgerissene Müllsäcke, angeknabberte Abfalltonnen und durchgebissene Kabel. Vom niedersächsischen Hameln abgesehen, sind Ratten in ganz Deutschland ein Problem. Wie man gegen die ungebetenen Nager vorgeht, hat uns Andreas Lotz verraten.



Der Rattenfänger von Freiburg

Andreas Lotz kennt sich mit Ratten aus. Der 43-jährige ist geprüfter Schädlingsbekämpfer und kümmert sich neben Rattenproblemen auch um Wespen, Käfer und Kakerlaken. Rund zwei Mal in der Woche wird er um Hilfe gebeten, weil die Ratten den Freiburgern zu nahe rücken. In den Wintermonaten sind es bis zu fünf Fälle in der Woche. In dieser Zeit drängen die Nagetiere in die Häuser, um sich vor der Kälte zu schützen.

Fruchtbare Allesfresser



Wenn in Deutschland von Ratten die Rede ist, ist meist die Wanderratte gemeint. Dieses Tier wird bis zu einem halben Kilo schwer und über 20 Zentimeter lang, erreicht also mit Schwanz eine Gesamtlänge von bis zu 45 Zentimertern. Ratten sind Allesfresser und machen sich gern über menschliche Vorräte und Abfälle her. Sie zerbeißen Kabel und sind zudem Überträger einer Reihe von Krankheiten.

Ratten werfen im Schnitt sechs bis acht Nachkommen, eine Ratte kann bis zu drei Mal im Jahr Nachwuchs bekommen. Die jungen Ratten sind nach 3 Monaten geschlechtsreif. „Ein Rattenpaar kann im Laufe eines Jahres theoretisch eine Nachkommenschaft von über 450 Ratten zeugen“, rechnet Andreas Lotz vor. „Das ist nicht zu unterschätzen. Ratten sollte man daher so schnell wie möglich bekämpfen.“

Der Ratten Lieblingsplätze

„Überall dort, wo Menschen leben, finden die Ratten ein Paradies vor“, sagt Lotz. „So eine Stadt ist für Ratten das Schlaraffenland.“ Ratten halten sich dort auf, wo sie Unterschlupf und Nahrung finden. Ihr bevorzugter Lebensraum ist daher die Kanalisation. Dort sind sie geschützt und finden genügend Nahrung vor. Auch alte Häuser bieten Ratten durch Risse in der Außenfassade Zuschlupf. Beliebter Versammlungsort für Ratten sind außerdem die Abfalllager von großen Wohnsiedlungen, wo sich die gelben Säcke für Ratten frei zugänglich stapeln.

Mit Nutella fängt man Ratten



Um gegen die Ratten vorzugehen, benutzt Andreas Lotz vor allem Rattengift, das er in kleinen Metallröhren auslegt. „In der Metallröhre fühlt sich die Ratte sicher und wird das Gift eher fressen“, erklärt Lotz, „außerdem haben die Röhren den Vorteil, dass größere Tiere wie Hunde oder Katzen das Gift nicht erreichen können. Auch Kinder kommen so nicht an das Gift heran.“

In seltenen Fällen benutzt Lotz auch so genannten Kontaktschaum. Dieser Schaum wird in die Schlupflöcher der Ratten gegeben und bleibt an deren Fell haften. Wenn sich die Ratten putzen, gelangt das Gift über ihre Mäuler in den Körper. Das Rattengift verhindert die Blutgerinnung und sorgt so dafür, dass die Ratte an inneren und äußeren Blutungen stirbt. Für Menschen, die um ein vielfaches schwerer sind als eine Ratte, ist das Gift eher ungefährlich.

Auch traditionelle Bekämpfungsmittel wie die Schnappfalle befinden sich in Lötz' Arsenal. „Schnappfallen eignen sich gut, um vereinzelte Ratten oder Mäuse zu fangen.“, sagt Lotz. „Ich setze übrigens keinen Käse oder Speck ein, sondern Nutella. Das mögen die Ratten am Liebsten.“

Joghurtbecher à la carte

Lotz hat weitere Tipps parat: Um sich vor Ratten zu schützen, sollte man ihnen das Leben so schwer wie möglich machen.

Schlupflöcher in der Fassade sollte man abdichten, Kellerfenster mit engmaschigem Draht versperren. Eine Katze oder ein kleiner Hund kann zusätzlich dazu beitragen, dass sich die Ratten gar nicht erst niederlassen.  Außerdem sollte man dafür sorgen, dass die gelben Säcke nicht länger als nötig frei zugänglich auf der Straße herumliegen.

Zudem sollte man vermeiden, den Ratten in der Kanalisation die Nahrung frei Haus zu liefern: „Wer Essensreste durch die Toilette entsorgt oder in die Spüle gibt, füttert damit die Ratten.“ Auch unausgespülte Joghurtbecher im Müll sind für die Ratten willkommenes Fressen.



„Mit all diesen Maßnahmen kann man die Anzahl der Ratten in einer Stadt aber höchstens auf einem verträglichem Maß halten, ganz ausrotten kann man sie nicht“, erklärt Lotz. „Dafür sind sie viel zu schlau und anpassungsfähig.“

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Wikipedia: Wanderratte