Dieser Mann ist Kapitän der deutschen Nationalmannschaft - im Quidditch

Elisa Miebach

Der Freiburger Adrian Schleeh ist der Oliver Wood der deutschen Quidditch-Nationalmannschaft. Als Hüter und Kapitän stellt er das Nationalteam zusammen. Im Juli findet die Weltmeisterschaft statt.



Während der Sport in den USA schon weit verbreitet ist, ist in Freiburg alles noch "Marke Eigenbau", wie Schleeh erzählt, während er bepackt mit drei Ringgestellen aus Hula-Hoop-Reifen den Trainingsrasen in Littenweiler betritt. Doch auch in Freiburg soll der Sport bald bekannter werden. Schleeh will aus seiner Mannschaft einen eingetragenen Verein machen. Jetzt aber steht erst einmal ein anderes Projekt an: die WM.


Der Torwart wird im Quidditch Hüter genannt

Der muskulöse 25-Jährige, der seine Haare in einem strengen Knoten nach hinten gebunden hat, spielt in der Nationalmannschaft die Position des Hüters. Mit einer Körpergröße von knapp zwei Metern ist er der Torwart für die drei Ringe, durch die drei Jäger pro Team versuchen, einen Ball zu werfen.

Zwei Treiber stören dabei, indem sie die Spieler abwerfen. "Abgeworfene Spieler müssen zurück zu den eigenen Ringen, bevor sie weiterspielen dürfen", so Schleeh. "Ich erwarte von meinen Spielern, dass sie sprinten, auch über weitere Strecken."

Alle Spieler haben eine Art Besen zwischen den Beinen

Eine Person, die die Treiber besonders gerne treffen, ist der Sucher. Dieser kommt nach 18 Minuten aufs Spielfeld und muss den sogenannten Schnatz fangen. Der kleine goldene fliegende Ball in der Harry-Potter-Vorlage ist in Schleehs Team ein Tennisball in einer Socke, den ein neutraler Spieler am Hosenbund trägt. Besonders an Quidditch ist, dass alle Spieler eine Art Besen zwischen den Beinen haben. Das Freiburger Team, die "Black Forest Bowtruckles", benutzt dafür stabile schwarze Schläuche.

"Wenn man sagt, man spielt Quidditch, gucken die Leute oft erst mal doof", sagt Schleeh. Ihn fasziniert dieser Sport, seit er das erste Mal mit sechs Jahren ein "Harry Potter"-Buch vorgelesen bekam. Seit er vor zwei Jahren mit dem Sport begann, ist er "Quiever" – im "Quidditch-Fieber".

"Quidditch macht Spaß, aber es ist ein fordernder Ausdauersport, bei dem man keine Angst vor Körper- oder Bodenkontakt haben darf." Deshalb trainiert Schleeh mit seiner Mannschaft auch, wie man richtig fällt. Die Übungen dazu kennt er aus dem Kampfsport, wo er früher aktiv war. Verletzungen gebe es immer wieder, einen Zahnschutz zu tragen, sei sinnvoll. Schleeh selbst hat von der Deutschen Meisterschaft noch die kleine Narbe einer Platzwunde über dem Auge.

Momentan stellt er mit dem Trainer der Nationalmannschaft den 21-köpfigen Kader für die WM zusammen. 2015 bekamen sie gerade so eine Mannschaft für die Europameisterschaft zusammen, bei der sie es bis ins Viertelfinale schafften. Für die WM gebe es schon jetzt mehr als 40 Bewerbungen. "Wir werden ein starkes Team", sagt Schleeh. 25 Nationen sind bei der Quidditch-WM vertreten.

Quidditch ist eine offene Sportart

An der Sportart begeistere ihn die enge Gemeinschaft, erzählt Schleeh. Er selbst hat seine Freundin und seinen jetzigen Mitbewohner über den Quidditch-Sport kennengelernt. Außerdem sei Quidditch eine offene Sportart. "Es ist egal, mit welchem Gender man sich identifiziert, wir spielen eh in gemischten Teams. Ich glaube, mit dieser Toleranz sind wir einigen alteingesessenen Sportarten voraus."

Training

Die Freiburger Quidditch-Mannschaft trifft sich sonntags um 15.30 Uhr und donnerstags um 19 Uhr auf verschiedenen Bolzplätzen in Littenweiler. Der aktuelle Ort wird auf der Facebook-Seite der "Black Forest Bowtruckles" bekannt gegeben.

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Weitere Infos zu den Bowtruckles, zum ersten Training und Quidditch ganz allgemein gibt es auf der Facebook-Seite der Black Forest Bowtruckles. [Foto: Michael Bamberger]