Dieser Mann hat eine Behinderung - und modelt

Carmen Schliesser

Juri Kuhn aus Freiburg ist Model, lief 2013 zum ersten Mal bei der Joy of Fashion. Von Geburt an fehlt ihm der linke Unterarm. Wie es ist, als Mensch mit Behinderung zu modeln:



Da läuft er, der junge blonde Mann im ärmellosen Strick - und ohne linken Unterarm. Juri ist 26, geboren wurde er in Kasachstan. Als Ursache für seine Behinderung wird der Atomunfall von Tschernobyl 1986 vermutet, sein Vater war damals in der Nähe stationiert.


2013 debütierte Juri als Model, lief bei der Joy of Fashion in Freiburg. Angst und Zweifel vor der Show hatte er nicht. "Das kam erst, als Zuschauer und Radio versammelt waren", erzählt Juri. Bei der Freiburger Joy of Fashion modelte er 2013 für das Label "Blaumann" - und wurde vor knapp einem Jahr erneut gebucht.

Wie schaffte er das? "Bei einem Freund von mir stand bereits fest, dass er bei der Joy of Fashion laufen würde. Er sollte bei der Agentur Enzio M., welche die Models aussuchte, noch einmal vorlaufen und ich habe ihn begleitet. Enzio hat mich dort gefragt, ob ich auch Intersse am modeln hätte."

Die Agentur ist nicht unbekannt, ihr international erfolgreiches Model Anna Ewers wurde kürzlich erst zum Model of the Year gekürt. Warum Inhaber Enzio Maggiore ihn auswählte?
"Er sieht gut aus, hat die richtigen Maße. Die Behinderung war kein Ausschlußkriterium für mich." Auch in Zukunft sei, wenn das Gesamtbild stimme, nichts gegen den Einsatz eines behinderten Models einzuwenden.

Models mit Behinderung werden beliebter

Besonders das italienische Modelabel FTL Moda setzte bei den letzten Fashion Weeks Models mit Behinderungen ein. Das wohl populärste Beispiel: die 18-jährige Madeline Stuart, ein Model mit Downsyndrom. Auch Rollstuhlfahrer dürfen beim Label auf den Laufsteg. Agenturen und Labels wird jedoch vorgeworfen, behinderte Models aus werbewirksamen Zwecken einzusetzen.

Juri sieht das als Zwickmühle: "Werden sie nicht eingesetzt, ist es fehlende Toleranz, laufen sie, so wird das als Werbeeffekt gedeutet. Ich habe mich bei der Joy of Fashion nie als Werbezweck gefühlt oder betrachtet."

Ein paar Zuschauer seien nach der Show zu Juri gekommen, um ihn für seinen Mut zu loben. Ansonsten seien alle neutral gewesen, erzählt er, sowohl die Agentur, als auch die anderen Models. Juri ist selbstbewusst. Gegen weitere Modeljobs habe er nichts einzuwenden. "Wenn mich jemand erneut anspricht, werde ich wahrscheinlich nicht nein sagen."

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[Foto: Florian Forsbach]