Dieser Freiburger macht Mäppchen - aus alten Fahrradschläuchen

Johanna Wagner

Moritz Mez verleiht abgewetzten Fahrradschläuchen und Reifen neues Leben. Aus dem widerstandsfähigen Material macht der Gründer von "ReCycling Products" Beutel und Gürtel. Wir haben den Tüftler getroffen:



Ein Mäppchen aus einem alten Fahrradschlauch. Für Moritz Mez war das erstmal eine praktische Notlösung: Mit 16 verlor er sein Mäppchen. In der heimischen Garage fand er einen alten Fahrradschlauch und bastelte sich daraus eins für den Schulgebrauch. "Das Mäppchen habe ich ewig benutzt", sagt Mez.


Sechs Jahre später, mit 22, kam er auf die Idee, seine recycelten Fahrradschläuche auch zu verkaufen. Mez entwickelte einen Prototypen und begann, mit einem Schneider zusammen zu arbeiten. Inzwischen ist er 28 Jahre alt und vertreibt seine Produkte auf verschiedenen Onlineplattformen.

"Am Anfang habe ich nur Mäppchen gemacht. Im ersten Jahr waren das vielleicht hundert Stück", erinnert er sich. Dazu kamen bald Gürtel und Uhren aus Bremsscheiben. Momentan entwickelt er kleine Geldbeutel und Handyhüllen aus alten Lederresten, die er von einem Einrichtungsgeschäft bekommen hat. Außerdem bastelt er Beutel für Werkzeug und  Smartphone, den man praktisch zum Biken mitnehmen kann. Mez ist begeisterter Radsportler.

Perfektionist mit Patent

Außerdem ist er ein Tüftler. Sogar ein Patent hat er angemeldet – für die Uhr, die er aus alten Bremsscheiben anfertigt. Auch sein Opa war fleißig am Erfinden und hat diverse Patente angemeldet. Ob das in der Familie liegt? "Vielleicht auch daran, dass ich Waldorfschüler war", sagt Mez.



Die Mäppchen näht er nicht selbst. Er habe es mit einer normalen Haushaltmaschine versucht – aber die Reifen und Schläuche sind zu dick. Also lässt er nähen - und macht den Rest selbst: alte Schläuche bei Radwerkstätten holen, schrubben, zurecht schneiden. Dann bringt er sie zum Schneider, der 25 Minuten braucht, um daraus das fertige Produkt herzustellen.

Die meisten Käufer kommen über DaWanda, eine Online-Plattform. In Freiburg werden seine Produkte im "Kunstvoll", in der Lorettostraße angeboten, Mez ist aber auf der Suche nach weiteren Läden.

Die Mäppchen kosten zwischen 19 und 29 Euro

Gut findet er, dass die Fahrradschläuche so noch einmal verwendet werden können. Denn wegen des zähen Materials sind sie schwer zu entsorgen, Fahrradwerkstätten zahlen sogar dafür - sie schenken ihm die Schläuche daher gerne.

Die Mäppchen kosten zwischen 19 und 29 Euro, die Uhren um die 39 Euro. "Manche finden die Produkte am Ende zu teuer. Mir war aber wichtig, in Deurtschland zu produzieren", sagt Mez. "Die Lohnkosten sind hoch."

Die meisten Mäppchen verkauft er an Weihnachten. "Letztes Jahr saß er tagsüber an seiner Masterarbeit, abends packte er die Geschenke. "Das ging dann schon - ist ja nur für einen Monat", sagt Mez.

Die Masterarbeit hat Mez inzwischen abgegeben, er schrieb sie im Fach Hydrologie, Wasserwissenschaft. Ob er darauf jetzt aufbaut - oder doch mehr Zeit in sein Projekt steckt? Momentan ist Mez sich da noch unsicher. Nur eines weiß er. "Ich will in Freiburg bleiben. Es ist hier perfekt zum Biken!"

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