Dieser Freiburger legt Musik auf – aus einem alten Feuerwehrwagen heraus

Felix Klingel

Foodtrucks gibt es viele, dachte sich Martin, also mache ich einen Soundtruck. Aus dem Kofferraum eines Ford Transits (1969) legt er Musik mit Schallplatten auf, die so alt sind, wie sein Truck. Von Soul bis Reggae, vom Hit zum Sammlerstück.

Martin Möller-Smejkal kann wahrscheinlich Stunden über Musik fachsimpeln: Immer wieder zieht er Platten aus der Kiste in seinem mintgrünen Ford Transit von 1969 , "hier, die muss ich dir noch zeigen", und überhaupt: "Kennst du DIE?". Stevie Wonder taucht kurz aus der Plattenkiste hervor, und verschwindet wieder. Dann eine Beat-Band aus der DDR: "Theo Schumann Combo, der erste Song ist ein Knaller!"


Um seine Begeisterung für Musik weiterzutragen, hat er einen Soundtruck gegründet. Mit dem Hercules Soundtruck will Martin kein reiner DJ-Dienstleister sein – buchen kann man ihn trotzdem. Er spielt, was er in der Plattenkiste hat – und das ist analoge Musik aus den Jahren 1940 bis 1980, von Swing zu Rhythm and Blues, von Soul zu Reggae, vom Hit zum Sammlerstück.

Tracks aus der Hercules-Plattenkiste #1



Für das Projekt hat er einen alten Feuerwehrwagen der Marke Ford Transit hergerichtet. Neben dem Lenkrad des Busses gibt es zwei Hup-Knöpfe, einen für Ta und einen für Tü. So ein Wagen ist das. "Einen der Knöpfe musste ich aber abklemmen – der TÜV". Gurte zum Anschallen gibt’s auch keine – es wäre auch sinnlos welche einzubauen, die Sitzbank ist so niedrig, dass ein Gurt bei einem Unfall wahrscheinlich nur zum Genickbruch führt.

Im Kofferraum des Wagens baut Martin zum Auflegen ein doppeltes Schallplattendeck auf, Marke Citronic, Modell Thames II. "Total bescheuerter Name eigentlich, die Firma heißt Citronic, das letzte woran ich bei dem Firmennamen denke, ist doch die Dreckbrühe der Themse", sagt Martin lachend. Trotzdem: Das Teil versprüht einen Retro-Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Sogar ein Tapedeck zum Kassetten aufnehmen oder abspielen ist integriert: "Ich mag Kassetten, man kann nicht einfach einen Song skippen, sondern muss sich mit ihm beschäftigen – bis man irgendwann checkt, warum es doch ein Knaller ist."

Tracks aus der Hercules-Plattenkiste #2



Warum mag er diese alte Musik so sehr? "Ich bin Schlagzeuger, in der digitalen Musik bin ich arbeitslos", sagt Möller und lacht. "Klar ist das alte Musik, aber die ist heute noch mehr als relevant." Sie lebt etwa in Form von Samples weiter. Schon öfter hätten sich Leute Sachen gewünscht, die er nicht dabei hatte oder die auch nicht ins Set passen. "Einmal wollte einer Gangsters Paradise von Coolio hören, hab ich nicht, dafür aber das Original, Pastime Paradise von Stevie Wonder – hat ihm dann auch gefallen."

Video: Das Original von Gangsters Paradise



Die Wurzeln der Musik zu kennen, ist Martin wichtig: "Alles was ich auflege, entspringt eigentlich dem Blues." Ein Sänger, eine Gitarre und der Schmerz der ganzen Welt auf den Schultern – das sind die Ursprünge. So fand der Soundtruck auch seinen Namen: Hercules, der Held aus der griechischen Mythologie, ist eine gequälte Seele, dessen Leben von Leiden erfüllt war – Blues-Antik.

Auf keinen Fall will Martin mit seinem Soundtruck in die Oldie-Schiene rutschen – auch wenn er mal was von Elvis spielt. Viel mehr will er Musik auflegen, für Leute die offen für etwas Neues sind. "Das schönste ist, wenn die Leute tanzen, obwohl sie den Song nicht kennen"
Martin Möller spielt mit seinem Soundtruck auf Partys, Hochzeiten, Geburtstagen und Straßenfesten. Der nächste Termin ist Freitag, 27. Oktober, zur offiziellen Eröffnung des Soundtrucks an der Decker Brauerei.

Was: Boxenstopp-Quartett – offizielle Eröffnung des Hercules-Soundtrucks zusammen mit dem Amara Orient-Express
Wann: Freitag, 27. Oktober 2017, 17-22 Uhr
Wo: Decker-Garage, Haslacher Str. 25

Tracks aus der Hercules Plattenkiste #3-5