Dieser Freiburger Herrenausstatter kommt zu Dir nach Hause

Sophia Hesser

Anzüge sind auch bei jüngeren Leuten wieder im Kommen, sagt Max Jund aus March. Also hat er Märzkind gegründet - einen mobilen Herrenausstatter:



Ein Anzug ist nicht gleich ein Anzug: Es muss vieles beachtet werden. In einigen Unternehmen etwa sagt die Farbe des Anzugs etwas über die Stellung seines Trägers aus. Mit dem Maßband kommt Max Jund aus March deshalb zu seinen Kunden.


Er misst unter anderem Armlänge und Brustumfang, bis er 15 Maße hat. Dann berät er die Kunden zu Farbe, Schnitt und Anzahl der Knöpfe. Max Jund ist seit Dezember als mobiler Herrenausstatter Märzkind in Freiburg und Umgebung unterwegs.

Anzüge werden beliebter

Zehn Jahre war Jund Angestellter in der Finanz- und Versicherungsbranche. Schon immer hat er dabei Anzüge getragen und Wert auf deren Qualität gelegt. "Ich komme nicht aus der Modebranche, doch die Idee zu Märzkind war irgendwann da und schlummerte dann drei Jahre in mir, bis sie im Sommer 2015 konkret wurde", erzählt der 28-Jährige.

Jund beobachtet, dass Anzüge heute beliebter sind als noch vor einigen Jahren, als sie nur in Unternehmen oder bei Feierlichkeiten zum Dresscode gehörten. "Ein Anzug sorgt für eine aufrechte Haltung, der V-förmige Schnitt betont den männlichen Körper, außerdem sieht er edel und gepflegt aus." Keinesfalls aber solle ein Anzug steif wirken, sagt Jund.

Produktion in Serbien

Diese Überzeugung und der Drang, etwas Eigenes zu machen, führten dazu, dass Junds Idee vom mobilen Herrenausstatter konkret wurde. Tipps holte er sich von einem Geschäft mit ähnlichem Konzept in der Schweiz. So konnte er auch bald den Kontakt zu einer Manufaktur im serbischen Belgrad herstellen und überzeugte sich vor Ort von deren Arbeit und Arbeitsbedingungen.

Die 20 ausgebildeten Schneider bekommen die Maße von Jund zugeschickt und stellen die Anzüge her. Nach bereits drei bis vier Wochen bringt Jund den fertigen Anzug dem Kunden. Jund ist überzeugt von seinem europäischen Konzept: "Es wird zukünftig immer wichtiger sein, woher ein Produkt kommt. Ich habe mich bewusst für eine Manufaktur in Europa entschieden, auch wenn es günstigere in Asien gibt."

Obwohl Jund an sein Konzept aus hochwertigen Stoffen aus Italien, einer sauberen Verarbeitung und fairen Arbeitsbedingungen glaubt, war der Schritt in die Selbstständigkeit doch aufregend. "Wenn man etwas aus Leidenschaft macht, dann klappt es aus. Wir haben bereits einige Kunden gewinnen können."

Werbung mit Cousin Ginter

Nicht ganz unschuldig ist daran sicherlich die glückliche Verwandtschaft Junds zu Ex-SC Freiburg-Spieler, Weltmeister und Borussia-Dortmund-Abwehrspieler Matthias Ginter. Als Cousin gehörte er zu den ersten Kunden Junds und hielt auch sein bekanntes Gesicht für Werbefotos hin. "Durch ihn erreichten wir eine schnellere Bekanntheit", sagt Jund.

Besonders aufregend sei der Moment, wenn Jund den fertiggestellten Anzug dem Kunden vorbeibringe. "Es ist spannend, ob sich der Kunde in seinem Anzug wohlfühlt." Mit der richtigen Beratung sei das aber garantiert. Die Wahl des Stoffs, des Innenfutters, der Zahl der Knöpfe, der Ausrichtung des Revers, mit Schlitz oder ohne Schlitz am Rücken – viele Details gibt es zu beachten.

Doch Max Jund nimmt seine Kunden bei diesen Entscheidungen an die Hand, lässt seine Knigge-Kenntnisse mit einfließen und lässt dem Kunden doch Freiheiten. "Ich gebe zwar eine Gebrauchsanleitung zum Anzug, erkläre also, was wo angemessen ist und was nicht, gebe auch Pflegetipps, ohne jedoch den Kunden einzugrenzen."

"Jeder Mann braucht einen Anzug im Schrank"

Eines ist für Max Jund jedoch sicher: "Jeder Mann braucht einen Anzug im Schrank. Zur Grundausstattung gehört ein dunkelblauer Anzug, der bei jeder Angelegenheit passt." Ein Anzug könne auch alltagstauglich sein: "Immer mehr junge Leute ziehen auch nur die Weste von ihrem Anzug zu einem weißen Hemd und einer Jeans an und gehen so in die Disko." Bei Märzkind bekommt der Kunde einen zweiteiligen Anzug und wahlweise eine Weste dazu. In diesem Jahr will Jund das Sortiment auch noch auf Hemden und Schuhe ausweiten.

Er will noch viel mehr Kunden erreichen – und das Zuhause oder am Arbeitsplatz. "Wir kommen direkt ins Büro und können dort Maß nehmen. Das dauert nicht lang und wir erhoffen uns dadurch auch Großaufträge von mehreren Kollegen, die sich einen neuen Anzug zulegen möchten", erläutert der Firmenchef sein Konzept.

"Ein Anzug soll nicht dazu da sein, um sich besser als andere zu fühlen, sondern um sich wohl zu fühlen", sagt Jund. Der Ruf des steifen Anzugs solle verschwinden und dieser zu einem Kleidungsstück werden, das Charme vermittelt.

Dass die Leute dafür gerne Geld in die Hand nehmen – ein zweiteiliger Anzug bei Märzkind kostet zwischen 399 und 599 Euro – davon ist Max Jund überzeugt.

Mehr dazu:

[Foto: Sophie Hesser]