Dieser Freiburger fotografiert Fußballstadien und veröffentlicht seine Bilder im Netz

Joshua Kocher

Arne Amberg hat ein besonderes Hobby: Seit fünf Jahren fotografiert er Fußballstadien in ganz Europa – und bleibt trotzdem dem SC Freiburg treu. Die Bilder sind auf seiner Facebookseite "Faszination Stadion" zu sehen.

Fotos von Fußballfans sind nach wie vor ein heikles Thema. Erst kürzlich wurden einem Freiburger Fanfotografen bei der Auswärtsfahrt nach Mainz in einem Schreiben angedroht, seine Fotos löschen zu lassen oder ihn sogar aus dem Stadion zu werfen, sollte er "unerwünschte Motive" (wie Pyrotechnik) ablichten. Der 23-jährige Freiburger Arne Amberg wagt es trotzdem und bereist Europas Stadien mit seiner Kamera.


Seit mehreren Jahren macht Arne Fotos von Fußballstadien und den Fans auf den Tribünen. Seine 2012 eigens dafür ins Leben gerufene Facebookseite "Faszination Stadion" hat inzwischen über 8000 Likes und bietet jede Woche neue Fanbilder. Zu Beginn spezialisierte sich der Hobbyfotograf auf leere Stadien. "Die Atmosphäre in einem menschenverlassenen Stadion ist einfach etwas Besonderes", sagt er.

Fotografieren gehört für ihn zur Freizeit

Der 23-Jährige kommt ursprünglich aus Hinterzarten, inzwischen wohnt er in Freiburg. Bei einem Emmendinger Konstruktionsdesigner macht er derzeit eine Ausbildung zum technischen Produktdesigner. Mit Fotografie hat das nicht viel zu tun – und das ist auch gut so, sagt Arne. Er befürchtet, dass sein Hobby darunter leide, wenn es zum Beruf würde. Fotografieren, das gehört für ihn in die Freizeit. Neben Architektur und Landschaften hat er die Reisefotografie für sich entdeckt. Mit seinen Reisen verknüpft er dann auch meistens den obligatorischen Stadionbesuch.

Anfangs stellte Arne seiner Bilder nur für sich selbst ins Netz, bis er den Kontakt zu turus.net, einem Online-Magazin für Fußball und Fankultur, herstellte. In der Folge wechselte der Fokus etwas mehr auf Fans und Fankultur. Ein Vorteil der Zusammenarbeit mit turus.net war die Möglichkeit, an einen der begehrten Presseausweise für Fotografen und somit in den Innenraum des Stadions zu kommen. Zuvor hatte er immer nur Bilder von der Tribüne aus machen können. Und auch das war nicht immer sicher – häufig durfte er nicht mit der Kamera ins Stadion.

Meist kommt die Zusage nur kurzfristig

Doch trotz Presseausweis kommt man längst nicht zu allen Fußballspielen. "Erst- und Zweitligaspiele kann man als Normalo vergessen", sagt Arne. Ab der dritten Liga seien die Chancen relativ gut, genommen zu werden. Für eine sogenannte Arbeitskarte, mit der man beim Spiel vom Innenraum aus Fotos machen darf, muss man sich bei jeder Begegnung neu bewerben. Meist kommt die Zusage nur kurzfristig ein oder zwei Tage vor Anpfiff. Die Bus- oder Zugverbindung muss deshalb häufig auf Verdacht gekauft werden.

Das erste Spiel als Fotograf im Innenraum besuchte Arne beim SV Sandhausen im August 2015. Gegen Union fielen ganze sieben Tore – das Spiel endete 4:3. "Das Gefühl, so nah am Spielgeschehen zu sein, das vergisst man so schnell nicht", schwärmt er rückblickend.

Faszinierend in der Schweiz: Einsatz von Pyrotechnik

Auf turus.net war Arne einer der ersten im Südwesten, der Fotos für das Magazin gemacht hat. Die Redakteure sitzen in Essen und Berlin. So kam es, dass Arne fast alle Stadien in der Umgebung abklapperte. "Ich wollte immer mehr Stadien sehen", sagt er. Oft war er in Basel, Sandhausen, Karlsruhe, Mannheim oder Zürich. In der Schweiz sei das Interesse am Fußball nicht so groß – dort bekam er sogar eine Zusage für Europaleague-Spiele des FC Basel.

Faszinierend in der Schweiz sei außerdem der Einsatz von Pyrotechnik. "Das sieht einfach genial aus und die Bilder werden immer etwas Besonderes". Absolutes Highlight für den Hobbyfotografen war das Spiel des FC Basel gegen den polnischen Club Lech Posen, der für seine Ultra- und Hooligangemeinde bekannt ist. "Zwischen die Jungs auf der Tribüne möchte man nicht geraten", sagt Arne.

Fokus liegt auf dem SC Freiburg

Als überzeugter Sportclub-Fan war der Höhepunkt das Auswärtsspiel in Dortmund, als der BVB Meister wurde und gemeinsam im Signal-Iduna-Park gefeiert wurde.

Auf dem Sportclub liegt seit Ende 2015 auch der Fokus des 23-Jährigen. Gemeinsam mit Daniel Sand betreibt Arne das Fanmedium "nur-der-scf.de". Hier werden nach jedem Spiel Bilder der Fanszene hochgeladen. Bei den Heimspielen des Sportclubs wandert Arne zwischen den Tribünen umher und fotografiert die Fans. Die Begegnung an sich verfolgt der SC-Fan jedoch auch – "Ich möchte natürlich ebenfalls wissen, wie das Spiel ausgeht, das würde ich sonst gar nicht aushalten", sagt Arne, der lange Jahre selbst Fußball gespielt hat.

"Das Drumherum zählt!"

Die weiteste Reise als Fanreporter machte Arne auch mit dem Sportclub – vor vier Jahren ging es zum Auswärtsspiel gegen Slovan Liberec in der Europaleague. Auf der Liste des Fotografen stehen aber auch die Stadien in Neapel, Barcelona, Tel Aviv, Washington DC sowie die Londoner Stadien. In jedem einzelnen davon versucht Arne die Atmosphäre zu treffen, wie er selbst sagt. "Das Drumherum zählt!"

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