Dieser 18-jährige Freiburger hat bereits seine eigene Uhrenmarke

Joshua Kocher

Was tun, wenn man einfach nicht die passende Armbanduhr im Laden findet? Richtig, man entwirft sich selbst eine. Das hat der 18-jährige Schüler Jan Heege aus Freiburg gemacht und mit "Black Wood Watches" sein eigenes Unternehmen gegründet.

Die Bilanz des Jungunternehmers fällt bisher zufrieden aus. Das erste Modell seiner Kollektion wurde nach ganz Deutschland, Frankreich, Italien und sogar nach Kanada ausgeliefert. Im September wurde die erste "Rhine 40" – so heißt das Jungfernstück – verkauft.


Seine Verkaufszahlen mag er – ganz der Unternehmer – nicht preisgeben. Um von Erfolg sprechen zu können, sagt Jan, müsse er Verkaufszahlen im fünfstelligen Bereich aufweisen. Davon ist er zwar noch etwas entfernt, doch bringt der 18-Jährige bald bereits sein zweites Modell auf den Markt.

Durch Autos kam Jan erst auf Uhren

Seine Leidenschaft für Uhren rührt ursprünglich von der Begeisterung für schnelle Autos, wie Jan freudig erzählt. In jeder bekannteren Autowerbung trägt einer der Protagonisten auch eine schicke Uhr. So kommt es nicht von ungefähr, dass große Autofirmen schon lange mit Uhrmachern zusammenarbeiten. Breitling zum Beispiel hat eine Bentley-Version ihrer Silberarmbanduhren entwickelt.

Es sei jedoch fatal, Armbanduhren nur als Statussymbol zu tragen, wie es nach Jans Meinung viele der Käufer machen. Die großen Produktionsfirmen würden das schamlos ausnutzen und Uhren auf den Markt bringen, die entweder uninteressant, protzig oder Massenprodukte seien, sagt der Jungunternehmer. "Eine Uhr sollte die Persönlichkeit des Trägers widerspiegeln und Werte vermitteln". Da die Uhrenszene zunehmend langweilig sei, beschloss er kurzum, selbst zu Stift und Papier zu greifen und sich seine ganz persönliche Uhr zu entwerfen.

Alles begann bei Amazon

Gemeinsam mit dem Shoppingriesen Amazon hatte Jan bereits vor einem Jahr einen Online-Shop für Armbanduhren aufgebaut. Die Provisionen waren zwar reizvoll, doch war der Traum eines eigenen Modells längst geboren. So kam es, dass gemeinsam mit mehreren Zulieferern nach und nach das Jungfernmodell "Rhine 40" entstand. Was anfangs mit einer Zeichnung und einem Computermodell startete, war bald ein stahlgeschmiedetes Gehäuse.

Viele der Firmen waren anfangs skeptisch, besonders, weil Jan gerade einmal 17 Jahre alt war. Es sei sehr schwer gewesen, die richtigen Leute zu finden, da für fast jedes Einzelteil der Uhr eine andere Firma zuständig ist. Das Lederarmband kommt zum Beispiel aus Italien, das Gehäuse wird in Japan gefertigt. Das Uhrwerk kommt aus der Schweiz. Einen Großteil der Unternehmen entdeckte Jan über das Internet, inzwischen kennt er sie alle persönlich. Auf der ganzen Welt hat er die verschiedenen Produktionsstätten besucht. Die aufwendige und feine Produktion der Uhr dauerte über zwei Monate.

Mit 17 Jahren CEO der eigenen Firma

Ende März folgte der nächste Schritt – ein eigenes Unternehmen musste her. Das größte Problem sei aber nicht die Anmeldung der Firma, sondern die Entwicklung einer eigenen Website gewesen. Für einen Online-Shop ist sie das Aushängeschild schlechthin. Inzwischen kann sich diese jedoch sehen lassen, auch, weil Jan professionelle Hilfe hinzugezogen hat. Für knapp 170 Euro kann man dort Jans Uhr kaufen. Im September verschickte er voller Stolz sein erstes Exemplar an einen Kunden.

Das Startkapital für die "Rhine 40" stammt komplett aus der eigenen Tasche des Schülers. Teilweise hat er sogar Nebenjobs angenommen, um das Projekt zu finanzieren. Bei der Vorfinanzierung des nächsten Modells ("Mount Belchen 40") greifen ihm seine Eltern unter die Arme, aber sonst ist der 18-Jährige auf Selbstständigkeit bedacht.

Schule tritt in den Hintergrund

Wenn Jan nicht gerade seine neusten Uhrenmodelle unter die Lupe nimmt, besucht er die elfte Klasse der Max-Weber-Schule. Mit dem Wirtschaftszweig wird er bestens auf das Unternehmertum vorbereitet. Die Wirtschaftsfächer gefallen ihm auch recht gut, einzig mit geisteswissenschaftlichen Fächern kann er nichts anfangen. Statt im Religionsunterricht zu sitzen, würde er lieber ein spannendes Buch über das Unternehmertum lesen. Sollte das Unternehmen in naher Zukunft durch die Decke gehen, würde er sogar die Schule dafür abbrechen und sich ganz seiner Leidenschaft widmen.

Viele seiner Freunde haben sich teilweise auch schon ein Modell angeschafft. Manche bräuchten zwar noch ein bisschen, um zu verstehen, was Jan in seiner Freizeit macht, doch ein Großteil findet die Sache "echt cool".

Schwarzwald als Inspiration

In Sachen Marketing hat sich Jan ganz dem Schwarzwald verschrieben. Bei einem der vielen Vater-Sohn-Spaziergänge am Schluchsee sei man auf die Uhrmacherkunst im Schwarzwald zu sprechen gekommen. Der 18-Jährige stellt sich bewusst in deren Tradition und möchte mit seiner Marke "Black Wood" vor allem für Heimatverbundenheit stehen. Das lässt sich auch unschwer im Firmenlogo erkennen, das von fünf Tannen an einem Hang geprägt ist. Den Schwarzwald möchte der Unternehmer über die Region hinaus bekannt machen, da es für ihn immer etwas Besonderes sei, durch die dichten Wälder zu laufen. Die Bäume hätten für ihn etwas Beschützendes. Im Ziffernblatt der Uhr seien auch Teile von Schwarzwaldholz enthalten, wie einer der Zulieferer beteuerte.

Um ein Zeichen für Nachhaltigkeit zu setzen, pflanzt "Black Wood" für jede verkaufte Uhr fünf Bäume. Dies übernimmt die Organisation "Plants for the Planet", mit der unter anderem auch Ritter Sport zusammenarbeitet, vor allem in Südamerika.
Das Ziel des 18-Jährigen, der sehr überzeugt von seinem Projekt ist, sei, dass jeder einmal eine Armbanduhr für den Alltag trägt. Am besten natürlich eine von "Black Wood" mit dem markanten schwarzen Ziffernblatt.