Diese Wiener Band will den Freiburgern zeigen, dass alte Volkslieder heute noch spannend sind

Julia Caspers

Das Trio "Die Wandervögel" interpretiert traditionelle Volkslieder neu – am Donnerstag kommen Raphael, David und Bryan nach Freiburg in die Passage 46. Warum Volkslieder für junge Leute spannend sein können, erzählt David Stellner im Interview.

David, ihr wollt alte deutsche, österreichische und jiddische Volkslieder wieder aufleben – und zwar in der Tradition vom Zupfgeigenhansl-Liederbuch. Was kann man sich darunter vorstellen?

David: Der "Zupfgeigenhansl" ist das Buch der Jugendbewegung der Wandervögel, die 1896 in Berlin entstanden ist. Das waren junge Leute, die sich in Zeiten der Industrialisierung zurück in die freie Natur gesehnt haben. Dabei ist eine Sammlung von Liedern entstanden, die sie im Wald und auf ihren Wanderungen gesungen haben. Wir haben uns so genannt, weil wir gerne herumreisen und an anderen Orten spielen, aber natürlich auch als Anspielung auf die Bewegung von damals.

Wie habt ihr die Musik aus dem Zupfgeigenhansl für euch entdeckt?

Bryan, der Amerikaner ist und auch musiziert, hat damals eine Sprechausbildung in deutscher Sprache gemacht. Seine Lehrerin hat ihm den Tipp gegeben, er soll sich die alte Zupfgeigenhansl-Musik anhören, weil das ganz viele alte deutschsprachige Lieder sind. Raphael und ich waren damals als Duo unterwegs und wir haben zufällig am selben Abend gespielt wie Bryan. Da hat er uns gefragt, ob wir nicht die Musik aus dem Zupfgeigenhansl zusammen spielen wollen. Am Anfang haben wir nur Lieder gespielt, von denen es auch Aufnahmen gab. Mittlerweile spielen wir auch viel Eigenes, wir vertonen alte Texte, die wir irgendwo ausgraben. Oder wir bekommen Inspiration von außen, wenn uns jemand ein Liederbuch schenkt.



Was findest du an der Musik so spannend?

Ich finde, Bryan hat da eine schöne Antwort gefunden: Man kann dieses schöne Liedgut wieder genießen und für sich entdecken, ohne das Leid erfahren zu müssen, dass mit der Entstehung zusammenhängt. Bei den Handwerkerliedern zum Beispiel - was die durchgemacht haben, das können wir uns nur grob vorstellen. Und es ist erstaunlicherweise doch Einiges sehr aktuell - vielleicht wie Schlaghosen in den 70ern, das kommt bestimmt 2030 auch wieder. Und in dem Fall sind wir vielleicht die modische Erscheinung, die dieses Liedgut wieder ausgräbt.

Was ist das Besondere daran in Mundart zu singen, was auf Englisch so nicht rüberkommen würde?

Im Jiddischen zum Beispiel ist die Melodieführung der Sprache selbst extrem schön, sie hat gleichzeitig ein Leiden und einen Schmäh, was auch dem jiddischen Humor selbst entspricht. Und ähnlich bei den Wienerliedern - die haben durch die Sprache auch erst ihre Melodie bekommen. Wir singen ja auch englische Lieder, aber die Volkslieder sind ein ganz besonderer Teil unserer Musik, den wir für uns entdeckt haben und da funktionieren die Lieder auch nur in der Sprache.

Sind Volkslieder für dich auch eine Auseinandersetzung mit Traditionen oder Heimat?

Heimatgefühl ist ja eher ein schwieriger Begriff in Deutschland und Österreich. Unsere Konstellation ist eigentlich eher unkonventionell, wir haben lange Haare, Bärte und einer von uns ist Amerikaner und wir mischen auch gerne österreichische Volkslieder mit irischen Weisen oder ein jiddisches mit einem griechischen Tune. Also eigentlich schauen wir eher darauf, dass wir die Grenzen aufbrechen, um zu zeigen, dass es egal ist, woher etwas kommt und dass es gemischt schön klingt.

Heimatgefühl spielt da für mich keine so große Rolle, die assoziiere ich nicht so sehr mit den Volksliedern, sondern für mich sind sie eher die Verbindung von mehreren Kulturen. Ich sehe es oft als ein Befassen mit der Geschichte. Die Lieder selbst erzählen alle etwas und meistens gibt es rund um die Lieder noch weitere spannende Geschichten.



Warum ist eure Musik auch für junge Leute interessant?

Wir merken selbst wenn Jugendliche oder junge Erwachsene bei unseren Konzerten dabei sind, die normal nur andere Musik hören, dass sich der ein oder andere freut. So eine Musik wie unsere, das macht ja kaum jemand. Ich glaub schon, dass gewisse Melodien oder die Art, wie Volkslieder geschrieben sind, eigentlich in den Menschen drinstecken, aber man hört diese Melodien sonst nie.

Und wenn man sie dann hört, dann fühlt man sich extrem wohl dabei oder entdeckt etwas wieder. Und es hat auch einen hippen Charakter - ja, Volksmusik ist tatsächlich irgendwie cool. Wir haben extrem Spaß, bei dem was wir machen und das überträgt sich auf das Publikum. Es ist lustig, es ist aber auch berührend. Manchmal lachen die Leute, manchmal weinen sie sogar, man nimmt sie mit auf eine kleine Reise. Und es sitzen 8-Jährige im Publikum, denen es gefällt, aber auch Leute mit 15, 30 oder 80 Jahren.
Was: Die Wandervögel
Wann: Donnerstag, 12. April, 20.15 Uhr
Wo: Passage 46, Stadttheater.
Tickets: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro

Web: Die Wandervögel