Diese WG verwandelt ihre Küche in eine Kunstausstellung

Lisa Göllert

Kunst in der eigenen Küche: Ein Freiburger Kunst-Student hat seine WG-Küche in eine Kunstausstellung namens "Kühli" verwandelt. Bis zum 6. November kann man die Postkarten an seinem Kühlschrank in der Eschholzstraße 90 bewundern.

Eine WG-Küche als Museum- zugegeben ungewöhnlich. Alte Küchengeräte und Geschirr stapeln sich in den offenen Regalen, an der Decke ist die Tapete ab. In der Spüle liegt ein kleines Buch, das mit Wasserflecken bespritzt ist: Dramentheorie. Die Luft ist von gedämpfter mystischer Musik.


Zusammengewürfelt und ein kleines bisschen schäbig – Studentenbude eben. Ein großer Metall-Kühlschrank steht frei im Raum. Seine hochmoderne Elektro-Anzeige blinkt. Er wirkt wie ein Fremdkörper. Eine Postkarte aus gefaltetem Eierkarton, ein Röntgenbild und ein Polaroid-Foto kleben akkurat auf dem Kühlschrank. Ein aquarellierter Feuerlöscher sowie circa 50 weitere Postkarten reihen sich in das Bild.

Eine Karte ist komplett weiß – nur der Adressat steht drauf: Jacob Ott. Auch sie hat mit den anderen, bunten Postkarten eins gemeinsam: Sie sind alle an Jacob Ott adressiert.

Der Künstler

Der 24-jährige Kunst-Student Jacob Ott hat seine Küche kurzerhand zur Ausstellung umfunktioniert. "Kühli" nennt er die. Sein Outfit des heutigen Abends ist genauso verrückt wie seine Kühlschrank-Kunst: Mit einer Fellmütze auf dem Kopf und in ein T-Shirt mit Robbenbaby-Aufdruck und rosa Hemd geschmissen, erklärt er den Interessierten die Story hinter jeder Postkarte. Wenn er nicht gerade an seinen eigenen Projekten arbeitet, studiert er bildende Kunst an der Hochschule für Kunst, Design und Musik in Freiburg.

Das Projekt

"Ich habe meine Freunde und mehr als 30 Künstler gebeten, mir selbst gestaltete Postkarten zu senden. Kommilitonen, meine kleinen Geschwister und sogar Kaspar König, Ex-Direktor des Kölner Museums "Ludwig", haben geantwortet, sagt er. Das ist nicht seine erste Vernissage: "Ich habe vor mehr als einem Jahr zehn verschiedene Künstler in unserer gesamten WG ausgestellt. Das wollte ich gerne wieder machen, nur in einem kleineren Format. So kam ich auf die Idee mit den Postkarten."

Die Gäste

Bei Bier und Brezeln stehen die knapp 30 Vernissage-Besucher am frühen Abend in der Küche. In Jeans und T-Shirt gekleidete Studierende, aber auch ältere Kunstinteressierte lachen und plaudern. Eine Frau hat ihren etwa zehnjährigen Sohn mitgebracht. Der bestaunt die Postkarten. Show-Act des Abends: Jacob Ott nimmt eine komplett weiße und unscheinbar wirkende Postkarte vom Kühlschrank und hält sie gegen das Licht – das Freiburger Münster erscheint.

"Durch die Postkarten kommen die Leute ins Gespräch. Es entsteht eine Kommunikation. Das war mir besonders wichtig. Mein ganzes Projekt basiert darauf – schließlich musste ich ja alle Künstler vor der Ausstellung kontaktieren."

Kann man auf einen Kühlschrank geklebte Postkarten als Kunst bezeichnen?

Wie Jacob Ott sagt: "Worum es hier jedoch geht, ist dem Betrachter selbst überlassen." Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, ob man ein künstlerisches Meisterwerk zu sehen bekommen. In Zeiten, in denen die Kunstszene in Freiburg im Winterschlaf liegt, ist es wichtig, Kunst wieder gesellschaftsfähiger zu machen. Wenn dafür 30 Personen an einem Samstagabend zusammenkommen und einen entspannten Abend verbringen, kann man auch die Postkarten als Kunst bezeichnen. Gerne mehr davon!
Was: Postkarten-Ausstellung "Kühli"
Wann: bis zum Sonntag, 6. November 2016
Wo: Eschholzstraße 30, 3. Stock, 79115 Freiburg