Diese Website vergleicht die Preise von Cannabis – eigentlich geht es aber um Streckmittel

Melissa Betsch

Alles wird heutzutage auf Webseiten verglichen: Strom, Autos, Flüge und nun sogar: Cannabis. Im Interview spricht Philipp S. von graspreis.de über gefährliche Streckmittel, die Legalisierung und ob seine Website überhaupt legal ist.

Zuallererst einmal: Ist graspreis.de legal?

Ja, sonst würde ich das nicht machen.

Auch vor dem Hintergrund, dass sich auf der Website ein Link zu einer Cannabis-Anbau-Anleitung befindet?

Ja, auch das ist legal. Man darf generell sagen, wie Cannabis angebaut wird. Wenn du jetzt zu mir kommst und sagst: "Ich möchte gerne in meinem WG-Zimmer etwas anbauen", dann muss ich sagen: "Tut mir leid, ich habe gar keine Ahnung, wovon du redest." Aber wenn dich allgemein interessieren würde, wie das geht, dann dürfte ich dir ein paar Dinge darüber erzählen.

Verdienst du Geld mit deiner Website?

Nein, ich lege jeden Monat drauf. Das ist einfach ein Hobby.

Karte von Graspreis.de: In Freiburg kostet das Gramm laut Nutzerangaben etwas mehr als 10 Euro (10,79 Euro)



Wie ist die Idee für graspreis.de entstanden?

Das war eigentlich ein Gag. Ich habe gelernt, wie man bunte Karten macht, in die man Daten eintragen kann. Ich hatte dann eine ruhige Minute und habe mir gedacht: "Das wäre ja irgendwie witzig." Dann habe ich das einfach gemacht. Am Anfang hatte ich nur die Preise auf der Seite, obwohl die ja gar nicht so interessant sind, denn eigentlich kostet Cannabis ja im Wesentlichen fast überall das Gleiche.

Richtig cool ist aber das mit den Streckmitteln, was später dazukam. Ich hatte den Tipp bekommen, dass die Leute sehr große Probleme mit Streckmitteln haben und ich doch eine Art Alarm einbauen soll. Wenn man nun etwas gekauft hat und da eine Verunreinigung drin ist, kann man andere Leute warnen. Das wird jetzt immer mehr angenommen und es ist wirklich hochinteressant, was dabei herauskommt.

Kannst du kurz erklären: Was sind Streckmittel und wie gefährlich sind sie?

Es ist eine riesengroße Sauerei, was da gemacht wird. Das meiste Cannabis wird ja in Blüten- oder gepresster Form als Haschisch verkauft. Ich habe das selbst gar nicht gewusst, als ich angefangen habe mich mit dem Thema zu beschäftigen, aber heutzutage wird das Zeug mit verschiedenen Zusatzstoffen beschwert. Für Blüten gibt es ein Plastikspray, das heißt "Brix" und ist im Prinzip flüssiger Kunststoff. Sprüht man das auf die Blüten, dann härtet es aus und ist natürlich hochgiftig für die Lunge, macht aber die Blüten 30 Prozent schwerer und das heißt einfach 30 Prozent mehr Gewinn für die Dealer. Im Haschisch ist es noch viel schlimmer, denn da kann man alles reinmachen, was schwer ist. Am Harmlosesten sind da noch Sand und kleine Steinchen, aber auch Blei und Kunststoffe wurden da schon hineingemischt. Nicht nur, dass die Leute betrogen werden, sie werden richtig krank davon.

Das klingt, als wäre dir dieses Thema sehr wichtig?

Ja! Und in dem Bereich will ich eigentlich noch viel mehr machen. Aus dem Gag mit den Graspreisen ist schon ein kleines Projekt geworden. Wir wollen uns jetzt auf die Streckmittel konzentrieren und den Leuten die Möglichkeit geben, andere zu warnen. Man muss einfach akzeptieren, dass es diesen Schwarzmarkt gibt und dass der auch nicht von heute auf morgen verschwinden wird, weil irgendjemand das gerne hätte. Der wird auch noch da sein, wenn das Ganze legalisiert wird. Wir wollen dem Betrug einfach ein bisschen entgegenwirken, das ist die Idee.

Video: Der Global Marijuana March 2017 in Freiburg



Sind also auf der Website die Streckmittel-Warnungen wichtiger als das Checken der Cannabispreise?

Genau. Das mit den Graspreisen ist eigentlich wirklich mehr ein Gag. Klar, wenn das Ganze einmal frei erhältlich wäre, dann wird das natürlich auch wieder interessant. Denn dann kann das wie einen Preisvergleich nutzen und schauen, in welchem Laden was wie viel kostet.

Wer kann Graspreise melden?

Das kann jeder machen. Wir kontrollieren das auch nicht, denn ich kann das ja gar nicht verifizieren. Man muss sich einfach darauf verlassen, dass das Meiste davon stimmt, was eingegeben wird.

Das wäre meine nächste Frage gewesen: Gibt es also auch Falschmeldungen und wie werden diese aussortiert?

Sicher gibt es die. Wir haben einen ganz groben Filter, der sehr drastische Fehler aussortiert, machen ein paar Sachen aber auch manuell. Wenn wir zum Beispiel sehen, dass Leute in ihrer Stadt einen ganz bestimmten hohen oder niedrigen Preis angeben, indem sie sehr viele Eingaben machen, dann löschen wir das raus.

Wie wird die Seite angenommen? Wie viele nutzen sie?

Momentan sind es 25.000 Leute im Monat und es werden immer mehr.

Ihr habt auch eine App entwickelt, die es aber jetzt nicht mehr gibt. Warum?

Wir haben eine Iphone-App entwickeln lassen, die dann leider gesperrt wurde. Das Projekt ist jetzt beendet, weil Apple es uns verbietet. Aber es gäbe noch die Möglichkeit, eine Android-App zu entwickeln, was wir uns auch vorstellen könnten.

Wie soll es in Zukunft mit deinem Konzept weitergehen?

Wir wollen die App entwickeln und müssen jetzt schauen, wie man das finanzieren kann, da die Entwicklung ungefähr 1.000 Euro kosten würde. Wenn sich zudem herausstellen sollte, das Cannabis legalisiert werden oder sich an den rechtlichen Rahmenbedingungen irgendetwas ändern würde, dann könnten wir ziemlich viele Sachen mit der Website machen. Wir könnten einen Preisvergleich erstellen oder echte Shops auflisten, in denen man Cannabis kaufen könnte. Im Prinzip spekulieren ich und viele andere im Moment darauf, dass sich da irgendetwas tun wird und sich daraus dann Möglichkeiten ergeben.

Stichwort Cannabis-Legalisierung: Wie stehst du zu dem Thema?

Also ich finde die momentane Situation nicht gut. Die Gesetzeslage passt nicht zur Realität. Ich finde einfach, es wäre zeitgemäßer, wenn man einen großen Teil von dem Geld, was momentan dafür aufgewendet wird, Drogen zu bekämpfen, dafür aufwenden würde, die Leute aufzuklären wie man mit ihnen umgehen muss. Damit macht man sie zu mündigen Menschen anstatt es ihnen vorzuenthalten. Denn Drogen zu vermeiden ist einfach unrealistisch, das hat nirgendwo auf der Welt bisher funktioniert.

Es gibt ja Leute, die sogar eine generelle Freigabe von allen Drogen fordern – das finde ich aber auch nicht sinnvoll. Ich glaube, ein Mittelweg wäre besser. So wie das in den USA gerade der Fall ist, scheint es vielversprechend zu sein. Ich glaube, dass die momentan das bessere Modell haben als wir. Ob das das beste Modell ist, das weiß ich auch nicht.
Zur Person

Philipp S. ist 33 Jahre alt, lebt in Karlsruhe und betreibt die Seite graspreis.de

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