Diese Südbadenerin sagt den Berlinerinnen und dem Rest der Deutschen, was sie anziehen sollen

Gina Kutkat

Aus dem südbadischen Fashion-Nirvana ins Epizentrum deutscher Mode: Claudia "Cloudy" Zakrocki ist als Modejournalistin nach Berlin gegangen, nun ist sie Online-Chefredakteurin des Interview-Magazins, schreibt das beliebte Modeblog CloudyCloudy und hat über zehntausend Instagram-Follower. Ein Gespräch über eine beschauliche Vergangenheit und eine aufregende Gegenwart.



Claudia Zakrocki, genannt Cloudy Z., ist eine waschechte Südbadenerin. Geboren wurde sie in Lahr, dort ist sie aber nur noch zweimal im Jahr: Sie lebt nun in Berlin und arbeitet als gefragte Modebloggerin, Chefredakteurin des Interview-Magazins, freischaffende Modejournalistin und Social Media Consultant. Über ihre Jugend in Lahr, die Liebe zur Mode und die Fashion Week in Berlin sprach sie mit fudder-Autorin Gina Kutkat.


fudder: Sie arbeiten und leben in Berlin, sind aber in der Regio geboren und aufgewachsen. Waren Sie in Lahr schon eine Stilikone?

Zakrocki: Als Stilikone würde ich mich nie bezeichnen, davon ist man als Normalsterbliche wie ich noch meilenweit entfernt. Die Leute, die mich in Lahr kennen, können ein Lied davon singen, dass ich mich modisch schon immer ausprobiert habe. Mit 14 habe ich mir die Haare kurz geschnitten und war ein kleiner Möchtegern-Hiphoper. Später habe ich im Universal DOG an der Bar gearbeitet – dort ging es mit dem Experimentieren richtig los. Ich habe mit meinen Outfits wahrscheinlich 1000 Mal daneben und 100 Mal richtig gelegen.

Wie sind Sie in Lahr an ausgefallene Klamotten gekommen, als es noch kein Online-Shopping gab?

Wir sind früher zum Shoppen nach Karlsruhe und Freiburg gefahren. Ich hatte oft Glück, denn alle Klamotten, die ich cool fand, fanden alle anderen nicht gut und ich konnte sie günstig kaufen. Außerdem habe ich auch viel geschnippelt, gedruckt und gestickt – do it yourself eben. Auch in Second-Hand-Läden habe ich viel gekauft, zum Beispiel beim "Wiedersehen" in Freiburg. Wir waren jeden Samstag dort. Was man eben so macht, wenn man 14, 15 ist.

Und die Modebegeisterung wuchs auch während des Studiums weiter?

Genau, durch mein Kunstgeschichte-Studium habe ich nochmal eine ganz andere Herangehensweise an die Künste gelernt – und da zähle ich die Mode auch dazu. Im Zeitalter des Internets wird es immer einfacher, sich über die Modewelt zu informieren. Ich habe hobbymäßig viel internationale Modeblogs oder auch die Vogue gelesen.

Heute sind Sie eine bekannte Modebloggerin und Redakteurin. Wie kam es dazu?

Nach meinem Abitur am Scheffel-Gymnasium habe ich Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Heidelberg studiert. In meinem Auslandsjahr in Australien habe ich zum ersten Mal in die Fashionwelt reingeschnuppert und Leute aus der Modebranche kennengelernt. Mein damaliger Freund hat mir geraten, ich solle ein Blog schreiben, um zu schauen, ob ich auf das Schreiben Lust habe. Das habe ich gemacht.

Dann landeten Sie bei Les Mads.

Genau. In den Modekosmos bin ich so reingerutscht. Ich habe bei der Fashion Week in Berlin Katja Schweitzberger kennengelernt, die später das Angebot bekam, das Fashionblog Les Mads weiterzuführen. Sie hat mich gefragt, ob ich mitmachen würde. Zwei Jahre lang waren wir für Les Mads in der Welt unterwegs, das war spannend. Ich habe für Les Mads geschrieben, nebenbei Social Media Beratung gemacht und Konzepte für Firmen erstellt. Ich bin dankbar, dass ich so viel rumgekommen bin und die ganze Online-Geschichte von der Pike auf gelernt habe.

Können Sie den Lesern erklären, was Modeblogger machen?

Klar, man muss da zunächst einmal zwischen den Outfit-Bloggern und den Leuten, die beruflich bloggen, unterscheiden. Auch da gibt es wieder den Unterschied, ob man ein Outfit-Blogger ist oder magazinmäßig bloggt, wie es zum Beispiel die Blogger von Les Mads oder This Is Jayne Wayne machen. Dort gehen täglich sechs bis acht Artikel zum Thema Mode und Lifestyle online. Das ist wie eine kleine Mini-Redaktion.

Ist es schwierig, wenn man der Welt fast täglich ein Outfit präsentiert und es so zur Diskussion freigibt?

Es stimmt, dass die Leserkommentare einem nicht immer zu 100 Prozent wohlgesonnen sind. Zu Beginn war das hart. Die ersten zwei Monate bei Les Mads habe ich oft geweint.

Wegen bösen Kommentaren?

Ja. Wir waren die neuen Gesichter nach Julia Knolle und Jessica Weiß, die Gründerinnen von Les Mads. Das war schwierig. In der Anonymität des Internets sagen Leute Dinge, die sie einem nie ins Gesicht sagen würden. Irgendwann gewöhnt man sich dran. Es ist halt Business, knallhartes Business.

Warum bloggen Sie jetzt weniger?

Seit März 2014 bin ich beim Interview-Magazin angestellt, seit diesem Jahr als Chefredakteurin Online. Ich bin 100 Prozent von morgens bis abends eingespannt und habe kaum Zeit für meinen Blog Cloudy Cloudy. Wenn man den ganzen Tag schreibt, ist man irgendwann einfach ausgepowert.

Wie würden Sie Ihren Stil heutzutage beschreiben?

Mir fällt es schwer, meinen Stil zu beschreiben, denn das limitiert einen sehr. Dadurch, dass ich momentan nicht mehr jeden Tag meine Outfits präsentieren muss, habe ich zu meinem Stil gefunden. Die Cloudy-Uniform ist leger, oft trage ich Jeans und T-Shirt und eine von den Tausenden Lederjacken, die ich besitze, außerdem Boots. Dazu noch etwas Extravagantes, zum Beispiel aus den Seventies, die auch wieder im Trend sind.

Welchen Rat würden Sie einer jungen Frau geben, die anfangen möchte zu bloggen?

Jeder, der übers Bloggen nachdenkt, sollte sich bewusst sein, dass man sich nicht verkaufen darf. Ich hab immer zu allem gestanden, was ich gepostet habe ich hab nur das fotografiert und angezogen, was ich wollte. Alles andere macht auch keinen Sinn, da würde man seine Seele verkaufen.

Von Ihnen gibt es im Internet viele Bilder zu sehen. Gibt es Dinge, die Sie auf keinen Fall posten würden?

Ich würde mich nie nackt zeigen und nie Bilder von Menschen posten, die nicht gezeigt werden wollen. Ich respektiere die Privatsphäre anderer. Deswegen sieht man auch nur selten Bilder von meinem Freund und es gab noch nie Bilder von meinen Eltern. Man muss ja auch vorsichtig sein, meine Freundinnen und Kolleginnen von This IsJayne Wayne hatten schon Probleme mit Stalkern.

Wissen Sie, wie viele Leute Ihnen bei Instagram folgen?

Etwa 10100, das ist schon verrückt. Da muss man sich manchmal schon schütteln, wenn man überlegt, dass es so viele Leute gibt, die es interessiert, was ich morgens zum Frühstück esse.

Letzte Woche lief in Berlin die Fashion Week. Ihre Showhighlights?

Mein großer Favorit ist das Label Lala Berlin: Die Mode entspricht am meisten meinem Stil. Dann hab ich mir Hien Le, Malaika Raiss und den Newcomer Bobby Kolade angeschaut. Es gibt noch ein ganz tolles neues Label namens Capara, das sieht sehr vielversprechend aus. Augustin Teboul ist auch immer super.

Was bedeutet Ihnen ihre Heimat Lahr heute noch?

Lahr ist meine Heimat, hier habe ich fast 20 Jahre gelebt. Ich bin leider nur noch zwei Mal im Jahr hier, um meine Eltern zu besuchen. Ich freue mich jedes Mal über die frische Luft, wenn ich aus dem Zug steige. Mir fehlen in Berlin die Berge. Das hätte ich nie gedacht, weil ich jemand war, der nach dem Abi sofort aus dem Kleinstadt-Kosmos raus wollte.

Haben Sie ein Ritual, wenn Sie zu Besuch sind?

Ich hole mir immer einen Kaffee beim Wolkenkratzer und schlendere dann ein bisschen durch die Stadt. Übrigens finde ich es schlimm, dass der eventuell zumacht. Der Wolkenkratzer gehört zu Lahr.

Zur Person: Claudia Zakrocki

Die 28-jährige Wahlberlinerin ist 1986 in Lahr geboren. 2005 machte sie Abitur am Scheffel-Gymnasium. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Heidelberg. Ihre Magisterarbeit schrieb sie zum Thema "Modediskurs im Dystopischen Roman". Nach einem Jahr in Australien zog sie 2011 nach Berlin und arbeitete für den Blog "Les Mads", bevor sie zum Interviewmagazin wechselte. Dort ist sie inzwischen Chefredakteurin der Online-Redaktion. Nebenbei schreibt sie für ihr Blog Cloudy Cloudy.