fudder-Interview

Diese Künstlerin hat in ihrem Werk Bierbänke der Brauerei Ganter verarbeitet

Dorothea Winter

Im Offspace Pförtnerhaus ist aktuell die Ausstellung " ХО БО 86" von Sophie Innmann zu sehen. In ihren Werken verarbeitet sie Bierbänke der Brauerei Ganter. fudder hat sich mit ihr über die Ausstellung unterhalten.

Das Pförtnerhaus ist als Offspace in Freiburg quasi das einzige seiner Art. Der Projektraum – ein ehemaliges Pförtnerhaus – wird von den Freiburger Künstler Jürgen Oschwald und Florian Thate betrieben.


Was bedeutet der Titel der Ausstellung "Hobo 86"?

Sophie Innmann: Der Titel ist im Grunde dreideutig. Die kyrillischen Schriftzeichen deuten auf meinen letzen Bulgarienaufenthalt hin. Dort habe ich eine Arbeit mit kyrillischen Schriftzeichen gemacht. Und in Bulgarien stand überall an Geschäften und auf Werbeplakaten "HOBO". Übersetzt heißt das "neu" auf Deutsch. Im Sinne von "jetzt neu im Angebot". Und das fand ich witzig.

Die zweite Bedeutung kommt von den Hobos, den nordamerikanischen Wanderarbeitern. Dabei handelt es sich nicht um Landstreicher, sondern eher um freie Denker. Weil ich genauso viel unterwegs bin, passt der Titel ganz gut. Die dritte Bedeutung kommt von meiner Heimatstadt Hof, das Autokennzeichen von Hof ist HO.

Und 1986 ist mein Geburtsjahr und außerdem das Jahr der Nuklearkatastrophe von Tschnernobyl.

"Ich beziehe mich sehr stark auf den Raum. Und gleichzeitig geht es um Spuren menschlichen Handelns."

Wie würdest du deine Werke der aktuellen Ausstellung beschreiben?

Sophie: Ich habe sechs große breite Biertische der Brauerei Ganter wie Displays im Raum arrangiert. Durch den außergewöhnlichen Raum sieht man schon von draußen die Installation. Der halbrunde Raum als Gegensatz zu den diagonalen Linien passt super. Das ist für mich auch hier der Hauptpunkt.

Worum geht es in der Ausstellung?

Sophie: In meiner Arbeit geht es um architektonische Gegebenheiten. Ich beziehe mich sehr stark auf den Raum. Und gleichzeitig geht es um Spuren menschlichen Handelns. Und das sieht man bei den Bierbänken eigentlich ganz gut.

Der Ausstellungsraum im Pförtnerhaus ist sehr klein und verwinkelt. War das Fluch oder Segen?

Sophie: Der Raum ist eigentlich ein Segen. Auf einen Raum, der von alleine so viel hergibt, kann man super reagieren. Wenn man mit Bezug auf die Architektur arbeiten möchte, dann ist ein Raum, der an sich schon spannend ist, wirklich ein Geschenk.

"Ich bin meistens auf Residency unterwegs und arbeite vor Ort – wo ich eben gerade bin."

Wo wohnst und arbeitest du?

Sophie: Beides sehr verstreut. Ich bin meistens auf Residency unterwegs und arbeite vor Ort – wo ich eben gerade bin. Ich komme jetzt gerade aus Bulgarien und war davor in Barcelona und Paris und bin sonst auch sehr viel in Baden-Württemberg unterwegs.

Wie arbeitest du, wenn du so viel unterwegs bist?

Sophie: Ich habe kein festes Atelier, mein Atelier ist mein Kopf. Ich denke viel, ich schreib auf und mache Skizzen. Außerdem schreibe ich Proposals für Ausstellungen und habe im Jahr etwa meine zehn Ausstellungen und reise dann dort hin und arbeite vor Ort.

"Der Aufbau an sich nimmt nur einen Bruchteil der gesamten Zeit in Anspruch."

Was nimmt die meiste Zeit bei dem Entstehungsprozess eines Kunstwerkes in Anspruch?

Sophie: Die Hauptarbeit ist der gedankliche Entwurf, das Konzept. Das dauert schon seine Zeit – teilweise arbeite ich zwei Jahre an einer Idee, bis sie dann umgesetzt ist, so wie ich das wollte. Die meisten sehen nur das Produkt und denken sich ,Ja klar, Bierbänke aufstellen, das kann ich auch’, aber da steckt ja sehr viel dahinter. Der Aufbau an sich nimmt nur einen Bruchteil der gesamten Zeit in Anspruch.

Was sind die unliebsamen Aufgaben eines Künstlers?

Sophie: Natürlich gehört zum Künstlersein auch Bewerbungen schreiben und sonstiger Bürokram. Aber eigentlich ist es auch ganz gut, weil man sehr viel über seine eigene Arbeit reflektiert und so versucht, alles in eine verständliche Form zu bringen.

Wie wichtig ist die Dokumentation deiner Arbeit?

Sophie: Super wichtig. Wenn ich die Arbeit abbaue, gibt es sie nicht mehr. Ich habe nichts, was ich mitnehmen kann. Das passt nicht zu dem Mobilsein, das ich so genieße. Deswegen leihe ich mir sehr viele Materialen, die nach der Ausstellung wieder in ihre ursprüngliche Verwendung zurückfinden.


Sophie Innmann, 1986 in Münchberg geboren, hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe Malerei studiert.



Was:Ausstellung Pförtnerhaus '22 Sophie Innmann ХО БО 86
Wann: Samstag, 30. Juni bis Sonntag 29. Juli
Wo: Pförtnerhaus, Fabrikstrasse
Eintritt: frei
Öffnungszeiten:Sonntag, 29. Juli, 16 – 18 Uhr und nach Vereinbarung
Facebook:Pförtnerhaus '22 Sophie Innmann ХО БО 86