Pro Bono Freiburg

Diese Jurastudis beraten Dich kostenlos, wenn Du Probleme mit dem Vermieter hast

Gina Kutkat

Dein Vermieter will die kaputte Heizung nicht reparieren? Ein Fall für den Verein Pro Bono Freiburg, der seit fünf Jahren kostenlose Rechtsberatung für Studierende anbietet. Vorstandsvorsitzende Philine Czasny erklärt, wie das läuft.

Was hat es für einen Vorteil, wenn man sich an Pro Bono und nicht an einen fertig ausgebildeten Anwalt wendet?

Zu uns kommen Freiburger Studierende aller Fachrichtungen, die rechtliche Probleme haben und sich finanziell keine andere Beratung leisten können. Rechtlich gesehen sind wir juristische Laien. Seit 2008 ist es möglich, dass wir Rechtsberatung anbieten, diese muss allerdings kostenfrei sein und von Volljuristen begleitet werden. Wir erstellen unseren Mandanten über die aktuelle Rechtslage ein Gutachten und erteilen ihnen darüber Auskunft, ob es sich lohnen würde, einen Anwalt zu kontaktieren. Oder wir schlagen ihnen konkrete Handlungsmittel vor.

Wie läuft eine Fallbearbeitung bei Pro Bono ab?

Über ein Kontaktformular auf unserer Website können sich Studierende bei uns melden. Wenn ein Fall bei uns einläuft, was manchmal drei Mal pro Woche passiert, entscheiden wir, ob wir diesen annehmen. Dann bilden einige unserer Studenten ein Fallteam, das diesen Fall bearbeitet. In jeder Runde ist auch ein Mitglied aus dem Vorstand dabei. Dann wird ein Mandantengespräch geführt und die Bearbeitung des Falls beginnt. Bei Fragen stehen uns ehrenamtlich tätige Anwälte zur Seite, die unsere Ergebnisse nochmals kontrollieren. Ein Fall kann nach sechs bis acht Wochen abgeschlossen sein.

"Wir haben immer mehr Fälle aus dem Bereich des Arbeitsrechts."


Mit welchen Fällen wenden sich die Studierenden an Euch?

Die Hälfte der Anfragen kommt aus dem Bereich des Mietrechts. Das sind dann Sachen wie "Unsere Heizung funktioniert nicht, kann ich die Miete mindern?" oder "Ich hab eine Klausel im Vertrag, dass ich meine Wände streichen muss". Es kommen auch vermehrt Anfragen zu Online-Verträgen mit Ebay, wenn jemand etwas bestellt hat und es nicht ankommt. Interessant sind auch die sogenannten Flugfälle: Wenn ein Mandant in den Semesterferien verreist, seinen Flug verpasst und dann 24 Stunden am Flughafen verbringen muss, geht es darum, ihm eine Erstattung zu ermöglichen.

Sind Dir in letzter Zeit bestimmte Fälle aufgefallen?

Wir haben immer mehr Fälle aus dem Bereich des Arbeitsrechts: Studierende, die neben dem Studium oder in den Semesterferien arbeiten und nur einen mündlichen Vertrag abgeschlossen haben und der Arbeitgeber die Lohnauszahlung verweigert.

"Grundsätzlich können alle Jurastudierende bei uns mitmachen."

Gibt es auch Fälle, die ihr ablehnt?

Wir haben ein paar Kriterien, nach denen wir vorgehen. Der Streitwert sollte beispielsweise nicht über 750 Euro liegen, der Fall sollte nicht aus dem Rechtsgebiet des Strafrechts sein und keine zu kurzen Fristen haben, weil wir Studierende sind und die Fälle neben unserem Studium bearbeiten. Auch Erbschaftssachen nehmen wir nicht an. Manchmal verweisen wir auch an die Polizei, wenn es beispielsweise um Bedrohung oder Körperverletzung geht. Außerdem nehmen wir nur Anfragen von Bedürftigen an, die auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Wie ist der Kontakt zu den Mandanten?

Wir freuen uns immer sehr, wenn die Mandanten mit unserer Arbeit zufrieden sind. Manche bringen dann auch mal einen Kuchen vorbei oder sie hinterlassen einen lieben Kommentar auf unserer Facebookseite.

Wie gut ist Eure Quote?

Uns hat vor wenigen Tagen Fallanfrage Nummer 403 seit unserer Gründung erreicht. Von diesen Anfragen haben wir grobgeschätzt 60 bis 70 Prozent angenommen – aufgrund unserer Kriterien. Und davon lösen wir eigentlich alles. Dann kommt es vor, dass sich ein Fall sehr komplex weiterentwickelt, sodass wir ihn an einen Anwalt weitergeben. Oder ans Amtsgericht, das bietet nämlich auch eine Rechtsberatung an, die aber mit viel Bürokratie verbunden ist.

"Das Problem bei unserem Jurastudium ist, dass alles sehr theoretisch ist."

Wer kann bei euch Rechtsberater werden?

Grundsätzlich können alle Jurastudierende bei uns mitmachen. Voraussetzung ist der kleine Zivilrechtschein, den man ungefähr im dritten Semester macht. Das ist wichtig, weil wir viele Fälle aus dem Zivilrecht bearbeiten. Die Mitarbeit bei uns ist sehr flexibel und man kann freiwillig eine zusätzliche Ausbildung bei der "Freiburg Legal Clinics" durchlaufen. Das ist aber keine Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Außerdem gehen wir seit kurzer Zeit an Schulen und bieten Rechtsunterricht an.

Warum engagierst Du dich für Pro Bono?

Das Problem bei unserem Jurastudium ist, dass alles sehr theoretisch ist. Bei Pro Bono sammle ich viel praktische Erfahrung und kann Menschen ehrenamtlich helfen. Es macht einfach Spaß, in Kontakt mit den Mandanten zu treten und auch mit den Anwälten zusammenzuarbeiten. Es ist eine Herzensangelegenheit – wir hängen auch alle sehr an unserem Verein.

Zur Person

Philine Czasny, 22, studiert im 7. Semester Jura an der Uni Freiburg. Sie ist vor eineinhalb Jahren Pro Bono beigetreten und seit fast einem Jahr als Vorstandsmitglied für den Verein tätig, seit sechs Monaten ist sie die Vorstandsvorsitzende des Vereins.

Pro Bono

Pro Bono ist eine kostenlose Rechtsberatung für Studierende, die es seit fünf Jahren in Freiburg gibt. Organisiert ist Pro Bono in einem Verein mit fünf Mitgliedern im Vorstand. Aktuell hat der Verein 240 Mitglieder. Am 5. April findet die Jubiläumsfeier im historischen Peterhofkeller der Universität statt. Zu dieser kommen Gründungsmitglieder des Vereins, Mitglieder, kooperierende Anwälte und auch Nico Weimann, Mitglied des Landtags in Baden-Württemberg und selbst Rechtsanwalt.