Diese Japanerin stellt in der Wiehre Schmuck her - aus Kimonos und Koralle

Violetta Kuhn

Ohrringe, Halsketten oder Haarspangen: Mai Shirato stellt in der Freiburger Wiehre Schmuck her. Zu ihren Arbeitsmaterialien zählen Goldplättchen und selbstgemachter Filz. fudder-Autorin Violetta Kuhn hat sie in ihrem Werkstatt besucht:



Von außen deutet kein Schild und kein Schaufenster darauf hin, dass in diesem Waschbeton-Haus in der Wiehre Schmuck entsteht: In ihrer Wohnung im Dachgeschoss entwirft und fertigt die Japanerin Mai Shirato filigrane Ohrringe, Halsketten und Haarspangen. Schuhe sind in ihrem Reich nicht erwünscht – dafür bekommt der Besucher selbst-designte Pantoffeln. In dem Zimmer, das als Atelier dient, liegt Räucherstäbchen-Duft in der Luft, durch das Fenster sind die beiden Türme der Johanneskirche zu sehen. Unzählige Stücke aus Shiratos Schmuckkollektion "Monocoto" zieren die Wände.

Silberdraht oder feiner vergoldeter Draht, kleine Halbedelsteine, Korallenstückchen, Perlen und selbstgemachter Filz zeichnen Shiratos Schmuck aus. Goldene Kätzchen baumeln an gebogenen Hängern, Tropfen aus winzigen Goldplättchen schwingen an einem anderen Modell. An manchen Stücken befestigt Shirato Blütenknospen, die sie aus Kimonostoff näht. Alle Ohrringe sind so gearbeitet, dass sie ein wenig herumklimpern können, wenn man den Kopf bewegt.

"Ich bin eine leidenschaftliche Sammlerin", sagt Shiroto. Immer, wenn ihr irgendwo ein kleiner Gegenstand gefalle, nehme sie ihn mit, auch auf ihren Reisen. "Am Anfang habe ich für meinen Schmuck fast ausschließlich Dinge aus meiner Sammlung verwendet." Heute kaufe sie auch Materialien extra für "Monocoto". "mono" bedeutet auf Japanisch "Sache", "coto" steht für "etwas, das passiert". Für ein Paar Ohrringe sitzt Shiroto mindestens eine Stunde an ihrem Arbeitstisch, es können aber auch mal drei sein.

Von Sapporo nach Freiburg

Angefangen hat die heute 36-Jährige mit dem Schmuckdesign im Jahr 2010. Aber schon davor war sie als Kreative unterwegs. In ihrer Heimatstadt Sapporo auf der japanischen Insel Hokkadio hat sie Kunst studiert und – wie ihre Mutter – Kostüme für Theaterproduktionen hergestellt.

Mit einem Stipendium im Gepäck kam sie 2004 nach Rotterdam, wo sie in einer Art Künstlerhaus arbeitete. Anfang 2005 zog sie nach Hamburg. Dort begann sie bald darauf, "Industriedesign" zu studieren. Von dieser Zeit zeugt unter anderem ein Sitzsack in Kaktusform, den Shiroto unter ihrem Schreibtisch hervorzieht. Auf den ersten Blick sieht er harmlos aus. Aber verbindet man das Kabel an der Unterseite mit einer Steckdose, wird das Sitzen zu einer pieksigen Angelegenheit. Dünne Drähte übertragen Elektroschocks ähnlich wie ein Weidezaun. Nach Freiburg kam sie im April 2014 wegen ihres Freundes - sie mag die Stadt, auch weil ökologische Werte hier eine so große Rolle spielen.

"Ich könnte nicht sagen, ob ich nun Künstlerin oder Designerin bin", sagt Mai Shirato. In beiden Rollen habe sie aber immer die Menschen im Hinterkopf, die am Ende etwas mit ihren Werken oder Produkten zu tun hätten. An besonders putzunwillige Leute muss sie gedacht haben, als sie ihre Pantoffeln entworfen hat: Auf Mikrofasertücher näht sie eine dünne Sohne. Mit zwei einfachen Griffen knotet man aus dem so präparierten Lappen dann hübsche Hausschuhe, ähnlich denen, die in Japan üblich sind. Geht man damit durch die Wohnung, wischt man gleichzeitig Staub.

In Zukunft könnte sich Shirato vorstellen, ein Café in Freiburg zu eröffnen – mit integriertem Atelier und Schmuckladen. Bis dahin sind ihre Stücke im "Blickfang" am Augustinerplatz erhältlich oder im Internet bei "DaWanda". Sie kosten zwischen 15 und 49 Euro pro Stück. Am 28. Februar verkauft sie im BalzBambii auf dem "Cirque fait main" ihren Schmuck und auf dem Japanischen Kulturtag in der Volkshochschule am 15. März bringt sie Interessierten bei, wie man die Blüten aus Kimonostoff näht.

Mehr dazu:

Was: Cirque fait main - Markt im Club
Wann: Samstag, 28. Februar 2015, 12 Uhr bis 20 Uhr
Wo: BalzBambii, Kaiser-Joseph-Straße 248, 79098 Freiburg
Eintritt: 2 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

Was: Japanischer Kulturtag
Wann: 15. März 2015, 11 Uhr bis 18 Uhr
Wo: Volkshochschule, Rotteckring 12, 79022 Freiburg  

Fotos: Violetta Kuhn

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