Diese Freiburgerin ist 5 Monate lang mit dem Motorrad durch Osteuropa gefahren

Felix Klingel

15.500 Kilometer durch 15 Länder: Die Freiburgerin Isabelle Popiehn hat sich einen Jugendtraum erfüllt und ist mit dem Motorrad fünf Monate durch Osteuropa gefahren. Ein Unfall hätte die Reise aber fast beendet.

Insgesamt fünf Monate war Isabelle Popiehn mit ihrem Motorrad unterwegs: Anfang Mai ist sie in Freiburg losgefahren, dann ging es zuerst in den Norden nach Berlin, von dort aus nach Tschechien, in die Slowakei und nach Ungarn, über die Balkan-Länder bis nach Istanbul und über Rumänien und Polen wieder zurück nach Deutschland.


15.500 Kilometer legte sie dabei mit dem Motorrad zurück und besuchte 15 Länder. Übernachtet hat sie bei Bekannten, im Hostel oder im Zelt. Isabelle ist 27 Jahre alt und arbeitet freiberuflich als Integrationskurslehrerin. fudder hat mit ihr über die Reise gesprochen:

Fünf Monate auf dem Motorrad unterwegs – geht das nicht auf den Rücken?

Die erste Woche war sehr anstrengend. Ich bin aber auch erst Mal viel gefahren, um in den Norden Deutschlands zu kommen und es war noch sehr kalt. Am Anfang kommt außerdem noch die Anspannung dazu, das macht einen noch müder. Aber irgendwann ging es dann.

Wie bist du dazu gekommen, so eine Reise zu machen?

Als Teenager habe ich ein Buch von Ted Simon gelesen, der mit dem Motorrad einmal um die Welt gefahren ist. Seit dem habe ich die Idee im Kopf und habe mit 18 meinen Motorradführerschein gemacht. Dann bin ich aber sehr wenig gefahren. Als ich mit dem Studium fertig war, wusste ich aber, dass ich eine solche Reise unbedingt noch machen wollte.

Warum gerade durch Osteuropa?

Ich kannte die Region einfach nicht und habe gemerkt, dass ich eigentlich nur Vorurteile habe.

Haben sich die Vorurteile bestätigt?

Nein, gar nicht. Mir wurde nichts geklaut und ich habe keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Außerdem hatte ich immer ein sehr graues Bild von Osteuropa im Kopf. Es ist aber überhaupt nicht grau. Der Balkan ist wunderschön.

Was waren besonders schöne Momente?

Als Motorradfahrer war die Transfogarascher Hochstraße in Rumänien etwas besonders. Als ich gemerkt habe, dass ich sicherer und teilweise auch schneller als andere Motorradfahrer gefahren bin, hat sich das schon sehr gut angefühlt. Denn ich bin auch mit dem Ziel losgefahren, dass ich endlich richtig fahren lernen möchte ...

… du bist losgefahren, ohne überhaupt richtig Motorrad fahren zu können?

Ja, ich bin vorher nicht einmal einen Wochenendtrip gefahren. Anfangs war ich dann natürlich sehr unsicher. Aber während der Reise habe ich immer mehr Selbstvertrauen bekommen.

Dein Motorrad sieht auf den Bildern auch ziemlich beeindruckend aus.

Ja, es ist schon groß. Wenn ich da drauf sitze, sieht es ein wenig lustig aus. Inzwischen wirkt es für mich aber nicht mehr so mächtig, auch wenn das am Anfang ganz anders war.

Gab es auch schlechte Erlebnisse?

Ich hatte einen Unfall in Albanien, nach dem ich eine Weile nicht laufen konnte. Passiert ist es auf einer ziemlich steilen und nicht-asphaltierten Straße. Ich habe die Kontrolle über das Motorrad verloren, bin gestürzt und habe mir den Fuß verdreht. Das war kein schöner Moment. Ich musste dann ins Krankenhaus, was auch noch ziemlich abenteuerlich war. Am Ende habe ich mein Röntgenbild – wie auch immer – umsonst bekommen. Es ist zum Glück nichts schlimmes passiert.

Wann bist du weitgefahren?

Nach einer Woche. Ich habe aber meine Reise durch Albanien abgebrochen, da mir der Verkehr zu heftig war. Ich bin also direkt aus dem Land rausgefahren, wobei ich mich sehr unsicher auf dem Motorrad gefühlt habe. Einmal ist mir dann der Reifen durchgedreht auf einer Straße mit einem Wasserloch.

In dem Moment dachte ich dann: "OK, ich schmeiß die Karre jetzt hier hin, ich will nicht mehr." Aber ich konnte mich dann doch recht schnell wieder motivieren.

Hattest du als alleinreisende Frau Probleme?

Nein, ich glaube wenn man als Frau alleine auf einem Motorrad ankommt, bringt das ein bisschen Respekt. Also es gab keine blöden Sprüche oder sowas. Die Leute haben mich eher gefragt, wo ich herkomme und was ich mache.

Bist du bewusst alleine gereist?

Ja, das wollte ich so. Es ist unkomplizierter und als Motorradanfänger hätte es auch nicht gepasst mit jemanden zu fahren, der schon viel Erfahrung hat.

Alleine lernt man sicher auch viel über sich selbst ...

… natürlich. Ich habe mich selber besser kennengelernt und herausgefunden was ich vom Leben will. Es ist zwar schön eine Wohnung zu haben und einen vollen Kleiderschrank, aber eigentlich ist es schöner mit weniger zu leben. Ich habe gemerkt, dass Eigentum auch immer viel Ballast ist.

Hast du Tipps für andere Reisende?

Am Gepäck sparen! Eigentlich kann man die Hälfte Zuhause lassen.

Wo geht es für dich als Nächstes hin?

Das verrate ich noch nicht (lacht). Aber es ist auf jeden Fall wieder etwas mit dem Motorrad geplant. Aber zuerst möchte ich noch eine Ausstellung meiner Reise-Bilder organisieren. Dafür suche ich gerade noch nach einem Raum.

Mehr dazu: