fudder-Interview

Diese Freiburgerin hat in Schweden über die therapeutische Wirkung des Skatens gesprochen

Gina Kutkat

Sophie Friedel hilft jungen Menschen in Freiburg, Skateboardfahren zu lernen und schwierige Situationen zu meistern. Die Skaterin und Gestalttherapeutin sprach jetzt auf einer Konferenz in Schweden über Skaten als Therapie.

Eine Delegation von Freiburger Skaterinnen und Skatern war die vergangene Woche für fünf Tage bei der Pushing Boarders Konferenz in Malmö. Dort trafen um die 700 skateboardinteressierte Menschen, um an Podiumsdiskussionen, Kunstausstellungen und Skateboard-Sessions teilzunehmen. 63 Redner aus 19 Ländern wurden eingeladen, um die Rolle des Skateboardens in Bereichen wie Bildung, Stadtplanung, humanitäre Hilfe und Geschlechteridentität zu erläutern. Gina Kutkat hat Sophie Friedel gefragt, welche therapeutische Wirkung das Skaten hat und was Freiburg von Malmö lernen kann.


Du hast in Malmö darüber gesprochen, wie Du Menschen in schwierigen Situationen durch Skateboardfahren hilfst. Was genau ist dein Ansatz und wie wurde er aufgenommen?

Sophie Friedel: Im Social Innovation Lab des Grünhof Freiburg verwirkliche ich ein Konzept für Rollbrettworkshop.org, indem ich Skateboard-Kurse mit Gestalttherapie kombiniere, um junge Menschen in schwierigen Situationen besser unterstützen zu können. Ich wurde zu Pushing Boarders eingeladen, um meine Arbeit vorzustellen. Ich bin dort auf Akademiker, Wissenschaftler und Aktivisten gestoßen, die zu diesen Themen forschen und wie ich die Erfahrung gemacht haben, dass Skateboardfahren soziale Verbindungen fördern kann und auch gesundheitliche Vorteile hat, wenn es bewusst eingesetzt wird. Skateboardfahren kann das Körpergefühl verbessern und Konflikte in lässige Moves umwandeln. Es gibt inzwischen sogar eine neurowissenschaftliche Studie, die zu diesem Ergebnis gekommen ist. Es kamen dort Menschen aus aller Welt zusammen, neben den krassesten Skaterinnen und Skatern auch viele Menschen mit jahrelanger Skateboarderfahrung in Bereich Bildung, Architektur und Sozialer Arbeit – daher war es natürlich eine super Stimmung.
Hat das Skaten in Schweden einen anderen Stellenwert als in Freiburg oder Deutschland?

Ja. Wir können uns da eine dicke Scheibe von abschneiden. In Deutschland haftet Skatern immer noch ein bisschen das Image von nutzlosen Chaoten an, die Dinge zerstören und die man besser an den Rand der öffentlichen Gesellschaft drängt. Was den Vergleich Freiburg und Malmö angeht: Skaten ist dort gern gesehen und akzeptiert und wird sogar positiv genutzt. In Malmö gibt es viele öffentliche Skatespots, die von Skaterinnen und Skatern aber auch Touristen und Locals gleichermaßen als gemeinnützige Fläche genutzt werden. Das kurbelt einerseits den Tourismus an und führt andererseits zur Akzeptanz der Skater innerhalb der Stadt. Es gibt sogar Skulpturen von Künstlern und Architekten, die extra zum Ansehen, Chillen, Spielen und Skaten konzipiert wurden. Schaut ziemlich toll aus und solche Plätze wünsche ich mir für Freiburg auch. Die Konferenz wurde übrigens in "Bryggeriet" abgehalten, dem ersten Skateboard-Gymnasium der Welt. Für Freiburg wäre es schön, wenn hier zumindest mal der Skatepark fertig gebaut würde.



Du warst mit etwa zehn anderen Südbadenern sechs Tage in Schweden, welche Erkenntnisse nimmst Du mit in den Breisgau?

Ich möchte mich stärker dafür einsetzen, dass Skaten hier mehr Anerkennung erfährt und mir selber mehr Zeit zum Skaten nehmen. Ich wurde in Malmö sehr bestärkt in dem, was ich tue und habe gemerkt, wie wichtig es ist, Allianzen zu bilden. Denn wenn man Ideen mit anderen teilt, kann man mehr bewegen. Nachdem ich den ganzen Input der Konferenz verdaut habe, werde ich an meinen Projekten weiterarbeiten und mich zusammen mit dem Verein Skateboarding Freiburg dafür einsetzen, dass wir beispielsweise Container bekommen wenn der Dietenbach-Skatepark endlich fertig ist, in denen wir unsere soziale Arbeit ausführen können.
Sophie Friedel, 35, ist Friedenswissenschaftlerin und Gestalttherapeutin. Sie skatet seit ihrem 24. Lebensjahr und gibt in Freiburg Skatekurse. Sie ist außerdem als Sozionautin beim Social Innovation Lab des Grünhof Freiburg dabei und entwickelt unter dem Namen "Drop in Ride Out" ein Konzept, das Psychotherapie und Skaten kombiniert.