Diese Freiburger wollen für den Klimaschutz durch Europa marschieren

Lisa Petrich

"Planet Earth Movement" – das sind engagierte Freiburger, die nicht länger die Augen vor der Erderwärmung verschließen möchten. fudder hat mit dem Organisationsteam, das im Juli einen Marsch durch Europa machen will, gesprochen.

"Walk for the planet": Unter diesem Motto möchte das Planet Earth Movement im Juli 2019 auf einen mehrmonatigen Marsch von Freiburg nach Spanien aufbrechen. Ihr Ziel ist es, auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und Impulse für ein nachhaltigeres Leben zu setzen. Teil des Teams sind Marco, Lisa, Luca, Merlin und Mirko. fudder-Autorin Lisa Petrich hat die fünf Freiburger bei ihrem wöchentlichen Planungstermin getroffen und mit ihnen über das Projekt, die Beweggründe und die Herausforderungen gesprochen.


Die Idee zum Friedensmarsch wurde von Marco Keller ins Leben gerufen: Der 41-jährige Filmemacher war seit über zwei Jahren mit seinem Film "Agrokalypse – Der Tag, an dem das Gensoja kam" auf Tour und hat dabei sehr intensive Gespräche über den Klimawandel geführt. Aber das hat ihm nicht gereicht – vor allem nach dem letzten Sommer mit Waldbränden, Hitzewellen und extremer Trockenheit läuteten bei ihm die Alarmglocken. So kam es, dass er mit Freunden und Bekannten beschlossen hat, einen Friedensmarsch zu organisieren.



"Friedensmärsche hatten für mich schon immer eine große Bedeutung", sagt Marco, "man muss sich nur mal überlegen, was beispielsweise damals schon durch Gandhi möglich war, welche Energie da drinsteckte. Unser Konzept jetzt soll zeigen, wo jeder persönlich etwas direkt für den Klimaschutz verändern kann. Es soll positiv sein, Spaß machen und motivieren."

"Wir haben keine Zeit mehr zu warten, dass sich etwas verändert oder dass die Politik irgendwann die entsprechenden Gesetze macht."

Marco

Positive Anreize mit einem bunten Programm

Die Idee hinter dem Friedensmarsch, der komplett zu Fuß zurückgelegt werden soll, unterscheidet sich in mehrerer Hinsicht von bisherigen Märschen: "Wir wollen nicht mit dem Finger auf irgendwelche Leute zeigen, sondern wollen Anstöße geben, wie man innerhalb seiner vermeintlich beschränkten Möglichkeiten ein bisschen nachhaltiger leben kann", sagt der 33-jährige Merlin.

Die ursprüngliche Idee war, in Brüssel beim Europa-Parlament einzumarschieren. Aber diesen Plan hat die Gruppe schnell wieder verworfen, erzählt die 28-jährige Lisa: "Wir haben dann festgestellt, dass das für uns der falsche Ansatz wäre, weil wir dadurch auch die Handlungsunfähigkeit und Resignation unterstützen würden, die viele verspüren. Wir wollen eine Graswurzelbewegung sein, bei der wir die Leute abholen und ihnen in Workshops zeigen, wie jeder etwas verändern kann, anstatt sie mit Informationen zu überrennen."

Den Marsch begleitet ein Programm, um mit den Menschen auf der Route ins Gespräch zu kommen. Dazu gehören Workshops, Vorträge, vegane Outdoor-Küche, ein Live-Konzert und eine Silent-Disco. Auch Marcos Film soll unterwegs vorgeführt werden.



Ökologische Begleitfahrzeuge sollen zum Umdenken anregen

Die sperrigen Gegenstände können bei dem Marsch nicht komplett von der Fußgruppe getragen werden. Deshalb sind ökologische Begleitfahrzeuge in Planung, die über Solarkraft Strom generieren können.
Auf den Veranstaltungen sollen die Solarmobile zur Bühne für Vorträge, Konzerte, einem Open Air Kino und zur rollenden Disco umfunktioniert werden.

Mit dem Fahrzeug will die Fußgruppe andere Menschen begeistern und dazu anregen, über vermeidbare CO²-Belastungen nachzudenken.
Die Wägen sollen auch nach dem Marsch noch weiterverwendet werden, beispielsweise für Veranstaltungen mit anderen Gruppen, Weiterbildungsarbeit und kulturelle Projekte.

Die geplante Route durch Europa

Die Wunschroute des Teams zieht sich von Freiburg durch Basel, die französische Partnerstadt Besançon, Chalon-sur-Saône, Lyon und Aurillac in der Auvergne zur französischen Küste Richtung Spanien. Ein realistisches Ziel sei dann Barcelona, meint das Team, aber bestenfalls wollen sie sich noch bis zur anderen Partnerstadt Freiburgs, nämlich Granada, durchschlagen. So wären sie zwischen zwei und dreieinhalb Monaten unterwegs.

"Wir laufen, so weit die Füße tragen", sagt der 21-jährige Luca überzeugt. Der Freiburger Student wird sich ein Urlaubssemester nehmen, damit er Zeit für die Planung und Umsetzung des Marschs hat. Im Oktober will er dann spätestens wieder zurück sein, um sein Studium weiterzuführen. Gemeinsam mit Lisa und Marco aus dem Team will er die gesamte Strecke laufen. Marco wird dafür seine Selbstständigkeit reduzieren, und Lisa hat ihren Job gekündigt.

Die gesamte Route wird zu Fuß zurückgelegt, dadurch können sich auch unterwegs spontan andere interessierte Menschen dem "Walk for the Planet" anschließen.

"Wenn jeder nur ein Stück weit umdenken würde, dann könnte man schon sehr viel verändern."

Lisa

Die größten Herausforderungen

Trotz intensiver Planung ist für das Team noch vieles Zukunftsmusik. Sie sind auf Spenden und Sponsoren angewiesen, damit sie ihr Projekt umsetzen können. Und es muss schnell gehen, sagt Marco: "Wir haben keine Zeit mehr zu warten, dass sich etwas verändert oder dass die Politik irgendwann die entsprechenden Gesetze macht. Wir sind alle total verantwortlich für diese Erde und die kommenden Generationen."

Auch der 36-jährige Mirko ist der Meinung, dass nun dringend etwas unternommen werden muss: "Man kann die Verantwortung leicht an die Politik abtreten. Eigentlich wissen wir doch alle, was los ist. So wie bisher kann es definitiv nicht weitergehen, denn da ändert sich leider gar nichts."

Eine große Herausforderung ist momentan noch der Bau der ökologischen Solar-Fahrzeuge. Dazu wird viel Know-how und eine Reihe teurer Materialien benötigt, was das Team derzeit finanziell noch nicht stemmen kann.

Auf Spenden und Sponsoren angewiesen

Finanzielle Unterstützung zu finden, gestaltet sich bisher noch sehr schwierig: Lisa hat schon über hundert Sponsoren angeschrieben, aber bisher kam noch keine einzige Zusage. Auch das Crowdfunding läuft noch recht bescheiden. Doch die Gruppe ist auf finanziellen Mittel dringend angewiesen: "Auch Kleinstspenden können schon enorm weiterhelfen", sagt das Team.

Falls das Projekt trotz aller Bemühungen nicht umgesetzt werden kann, sollen die bisher eingenommenen Spenden für die Wiederaufforstung in Brasilien sowie die Fortführung der "Agrokalypse"-Filmtour und ergänzende Bildungsarbeit eingesetzt werden.

Tipps, wie jeder im Alltag gegen den Klimawandel vorgehen kann

Vor allem Mobilität, Ernährung und Konsumverhalten spielten eine entscheidende Rolle, wenn man seinen Lebensstil verbessern möchte, sagt Marco. "Bei der Ernährung gibt es die sogenannten High Fives: bio, regional und saisonal, fairtrade, vegetarisch und vegan. Das ist auch voll in das Konzept der Initiative integriert", erzählt er. Und Lisa fügt hinzu: "Wenn jeder nur ein Stück weit in diese Richtung umdenken würde, dann könnte man schon sehr viel verändern."

Was dem Team bei dem ganzen Projekt am meisten am Herzen liegt? "Na die Erde!", antwortet Marco sofort. Und wie schon das alte, afrikanische Sprichwort besagt: Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.
Weitere Informationen:
Wer den Friedensmarsch und dessen Finanzierung unterstützen will, kann auf der Crowdfunding-Plattform betterplace.org spenden. Wird das Crowdfunding-Ziel nicht erreicht, wird das Geld für die Wiederaufforstung in Brasilien sowie die Fortführung der "Agrokalypse"-Filmtour und ergänzende Bildungsarbeit eingesetzt.

Weitere Informationen: Website & Facebook