Bis Späti

Diese Freiburger wollen einen Späti eröffnen

Gina Kutkat

Acht junge Menschen finden, dass Freiburg dringend einen Späti braucht. Eine Art Kiosk, der außerhalb der üblichen Zeiten geöffnet hat. "Bis Späti" soll er heißen und den Kollektivgedanken tragen. Was fehlt? Ein passender Raum.

Die Geschichte beginnt mit einem Bier. Anfang 2018 wollen Anaïs Moll und Florian Höntsch abends an der Tankstelle eins kaufen. Es ist nach 22 Uhr und sie rechnen fest damit, dass sie keines mehr bekommen. In Freiburg herrscht schließlich das nächtliche Alkoholverkaufsverbot – das glauben die beiden zumindest.


Dass das Verbot, zwischen 22 Uhr und 5 Uhr Alkohol zu verkaufen, mit Wirkung vom 8. Dezember 2017 aufgehoben wurde, erfahren sie kurze Zeit später. Sie bekommen ihr Bier. "Unser erster Gedanke war: ’Verrückt, dann können wir ja endlich einen Späti in Freiburg aufmachen’", sagt die Studentin Anaïs Moll. Eine Idee war geboren.

Spätis gehören zur Berliner Kiez-Kultur

Die Späti-Kultur ist vor allem aus Städten wie Berlin, Leipzig oder Dresden bekannt. "Späti" ist die Abkürzung für "Spätkauf" und meint eine Art Kiosk, der außerhalb der üblichen Ladungsöffnungszeiten geöffnet hat und seine Kundinnen und Kunden mit Zeitungen, Snacks und Getränken versorgt. Ursprünglich waren die Spätverkaufsstellen in der DDR entstanden, um Schichtarbeiter mit Lebensmitteln zu versorgen. Heute gehören sie fest zur Berliner Kiezkultur dazu.

Der erste Späti in Freiburg

Und jetzt soll der erste Späti in Freiburg entstehen. Anaïs Moll und Florian Höntsch erzählten Freunden von ihrer Idee und schnell fand sich ein loser Haufen an Leuten, die mitmachen wollten. Daraus hat sich mittlerweile ein achtköpfiges Kollektiv gebildet – die Mitwirkenden kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. "Es gibt bei uns keinen Chef, die Gruppe entscheidet alles gemeinsam", sagt Florian Höntsch zum Kollektivbetrieb. Zur Zeit sind sie dabei, eine Satzung zu erarbeiten. Als Unternehmensform soll zunächst das Einzelunternehmen gewählt werden, das dann in eine GmbH umgewandelt werden soll.

Die Raumsuche

Die größte Hürde ist die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten mit Schaufenster, Wasseranschluss und guter Lage. Der Stadtteil Stühlinger wäre ihnen als Standort am liebsten. Nach sechs Bewerbungen und zwei Besichtigungen ist das Kollektiv ernüchtert. "Teils wollen die Menschen kein Kollektiv, teils keinen Alkohol, teils keine langen Öffnungszeiten, teils waren die Mietvorstellungen für uns zu hoch", sagt Florian, der sich mit dem Späti eine eigene Existenz aufbauen möchte. Maximal 1500 Euro Warmmiete könne sie pro Monat stemmen.

So soll "Bis Späti" funktionieren

Was sie für die Eröffnung alles brauchen und wie ihr Späti aussehen soll, wissen die jungen Gründer, die alle zwischen 23 und 34 Jahre alt sind. "Wir haben alle Ideale und wollen mehr als der normale Kiosk sein", sagt Ramona Arnreich.

So soll es neben der Basis – Alkohol, Snacks, Tabakwaren, Zeitungen – eine Ecke geben, in der man sich selber Kaffee auf Spendenbasis zubereiten kann. Auch regionale Produkte sollen zum Verkauf angeboten werden. Alle Lebensmittel dürfen die Gründerinnen und Gründer nur verpackt verkaufen, sonst ist eine Konzession erforderlich. "Wir werden versuchen, weitestgehend mit lokalen Händlern zu kooperieren, aber uns ist bewusst, dass wir insbesondere Süßigkeiten auch aus dem Großmarkt beziehen müssen", sagt Ramona. Mit einigen Ausnahmen werden nur Lebensmittel angeboten, die nicht gekühlt werden müssen.

Und es soll eine Soli-Trinkgeldkasse geben, aus der sich jeder bedienen kann, wenn ein paar Cents fehlen. Neben einem Tauschregal ist ein Regal mit Platz für Lebensmittel aus Containern geplant. Darin soll Platz für Lebensmittel sein, die Menschen über haben, die gerettet wurden oder abgelaufen sind. "Denkbar ist, dass wir individuelle Produkte oder Werke von lokalen Künstlern anbieten", sagt Ramona. Einen Namen gibt es auch schon: Bis Späti.

Ladenöffnungszeiten

Geöffnet haben soll der Spätkauf unter der Woche bis 24 Uhr, an den Wochenenden auch bis 2 Uhr. Sonntags sei ebenfalls eine Öffnung möglich, so Florian Höntsch. Solange nur bestimmte Produkte verkauft werden, darf ein Kiosk sechs Stunden geöffnet haben. Wer in Freiburg einen Kiosk mit Alkoholverkauf eröffnen will, benötigt keine gewerbliche Genehmigung, aber eine Gewerbeanzeige. Wichtig ist, dass im Laden kein Alkohol ausgeschenkt und konsumiert werden darf. Dies würde eine Gaststättenerlaubnis erfordern, lässt das Amt für Öffentliche Ordnung mitteilen.

Finanzierung

Die Bis-Späti-Gruppe plant mit einem Kapitalbedarf von 20.000 Euro. Alle acht Mitglieder werden Privatdarlehen beisteuern und – sofern der Laden eröffnet – durch die Einnahmen den Raum refinanzieren. Auch eine Fundraisingkampagne und Spendenaktionen sind geplant.

Alkoholverkauf in Freiburg nach 22 Uhr

Bislang gibt es in Freiburg wenig Möglichkeiten, nach 22 Uhr Alkohol zu kaufen. Die meisten Kioske schließen zwischen 18 und 20 Uhr, lediglich einzelne Supermärkte wie Edeka in der Engelbergerstraße haben bis 21 oder 22 Uhr geöffnet, der Rewe in der Talstraße bis 24 Uhr. Ansonsten ist es noch an Tankstellen, der Automaten-Emma oder am Bahnhof möglich, Alkohol zu kaufen.
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Das Kollektiv von "Bis Späti" sucht noch Mitwirkende. Wer Lust hat, sich in das Projekt einzubringen oder einen Raum zur Verfügung hat, kann sich unter info@spaeti-in-freiburg.de melden.