Diese Freiburger trainieren gemeinsam mit Freeletics – bei jedem Wetter

Johanna Hasse

Mit den guten Vorsätzen zum Jahresanfang boomen auch Fitnessapps wie Runtastic, Freeletics, Moveguard, Power Traxx. Wer mit dem Smartphone fit werden will, muss das nicht alleine tun: Wir haben in Freiburg eine Gruppe Freeletics-Sportler getroffen.

Es ist dunkel und kalt in einem Innenhof in der Sautierstraße in Herdern. Über der Häuserreihe geht der Mond auf, scheint auf den sandigen Bolzplatz mit zwei Eisentoren, spärlich von ein paar Laternen beleuchtet. Musik ertönt aus einer mobilen Lautsprecherbox. In der Dunkelheit leuchten die Smartphone-Displays, nur die Silhouetten der Sportler sind zu erkennen. Sie stöhnen, fluchen, atmen. "Noch eine Runde." Jeden Abend trifft sich hier eine kleine Gruppe Fitness-Enthusiasten: Sie trainieren gemeinsam mit der App "Freeletics".


Training unter freiem Himmel – bei knapp über null Grad

Der Atem der Sportler malt bei knapp über null Grad kleine Wolken in die kalte Luft. "It’s only cold, if you are standing still", zitiert Bastian Harz einen Motivationsspruch und tänzelt auf der Stelle. Die App auf seinem Handy listet Trainingseinheiten auf, die "Aphrodite", "Dione" oder "Morpheus" heißen. Jedes Workout besteht aus vorgegebenen Übungen, die in Intervallen wiederholt werden.

"Whenever. Wherever. Together" lautet das Motto des digitalen Fitnessprogramms. Die Kraft- und Ausdauerübungen in Freeletics können überall ausgeführt werden, ohne Geräte oder Hanteln, nur mit dem eigenen Körpergewicht, alleine oder in der Gruppe. Alles, was man an Hardware braucht, sind Sportklamotten und eine Matte. Trainingspläne können mit unterschiedlichen Laufzeiten abonniert werden und kosten ab 1,60 Euro pro Woche. Motivationshilfen sollen die Nutzer in Bewegung halten. Für den Erfolg gibt es von den digitalen Mitstreitern ein "Clap Clap", das "Like" von Freeletics.

Drei junge Sportler aus München starteten 2013 Freeletics. Rund drei Jahre später gehört das Start-up zu den globalen Marktführern in der digitalen Fitnessbranche. Freeletics ist mittlerweile in über 160 Ländern und sechs verschiedenen Sprachen erhältlich; nach Angaben des Unternehmens sind zwölf Millionen Nutzer registriert.

Bastian hat mehr als zehn Kilo abgenommen – und ist zum Sportler geworden

Bastian (35) und Nora Drechsel (18) gehören dazu. Seit über einem Jahr nutzen die beiden die App für ihr tägliches Training. Für beide ist der Sport zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden, zu einem Ausgleich nach der Arbeit und einer verlässlichen Art, Stress abzubauen. "Am Anfang haben mich die Übungen einfach nur fertig gemacht", sagt Bastian. Das war im November 2015, als er noch über zehn Kilo mehr wog als heute. "Ich habe mit Freeletics sehr schnell gemerkt, wie ich fitter geworden bin." Heute bringt er die 150 Pull-ups und 150 Push-ups mit einem Grinsen hinter sich. Bastian absolviert gerade eine "Hell Week", sieben Tage Training mit erhöhtem Pensum.

Durch die Hölle gehen, um in den Himmel zu gelangen – das scheint die Botschaft von Freeletics zu sein. Noras erstes Training sei wie eine "Nahtoderfahrung" gewesen, erzählt die FSJlerin und schmunzelt. "Ich jammere während des Trainings, aber danach bin ich stolz." Das Leiden und der Muskelkater gehören dazu. Anna Mitrovic, ein anderes Mädchen aus der Gruppe, liegt auf dem Rücken, eine dünne Matte zwischen ihr und dem kalten Boden. Sie kämpft sich durch 50 Leg-raises, da huscht eine Sternschnuppe über den Himmel. "Ich wünsche mir, dass es vorbei ist!", sagt sie keuchend. Ihre Trainingskollegen lachen, feuern sie an. Der Spaß kommt trotz aller Anstrengung nicht zu kurz. "Am Ende tut das Leiden gut", sagt Bastian.

Für ihn und Nora ist Freeletics schon lange mehr als nur Sport. Das Trainieren hat ihnen nicht nur zu mehr Muskel- sondern auch zu mehr Willenskraft verholfen. Nora nimmt das Freeletics-Feeling mit in den Alltag: "Ich bin routinierter und disziplinierter. Ich beiße mich durch und bringe Dinge zu Ende." Bastian fühlt sich durch den Sport auch mental gestärkt. "Ich war früher nie der Sportler-Typ. Plötzlich gehe ich über meine Grenzen, habe ein viel größeres Selbstbewusstsein", sagt er.

Mittlerweile trainiert Bastian fast jeden Abend, will mit seinem Elan auch andere anstecken. Als Administrator der rund 770 Mitglieder starken Facebook-Gruppe "Freeletics Freiburg" erstellt er regelmäßig Veranstaltungen, will zum Treffen animieren. Die abendliche Trainingsgruppe besteht oft aber nur aus sechs oder sieben Leuten, die Bastian mittlerweile alle beim Namen kennt. Das Verabreden zum gemeinsamen Training schafft eine Verbindlichkeit, die das Smartphone allein nicht geben würde.

"Und ehe du dich versiehst, bist du süchtig." Bastian Harz
Egal, was die App mit ihren "Vorher-Nachher"-Fotos vermitteln mag, bei Bastian und seiner Crew soll es nicht um den Bikini- oder Badehosenkörper gehen. "Es geht bei uns nicht darum, fit auszusehen, sondern sich fit zu fühlen. Wir wollen uns nicht miteinander vergleichen, jeder misst sich mit sich selbst", sagt Bastian. Dabei soll sich das Training aber nicht nur um das ständige Streben nach der persönlichen Bestzeit drehen. Bastian und Nora kritisieren an der App die starke zeitliche Fokussierung. Die korrekte Ausführung der Übungen wollen sie nicht zugunsten der Zeit vernachlässigen. "Ein guter Mittelweg zwischen sauberer Ausführung und Zeit ist uns wichtiger", meint Nora.

Die Kombination aus virtuellem Coach und realer Trainingsgruppe, aus extremen Herausforderungen und realistischen Zielen scheint gut zu funktionieren. Für Bastian gibt es kaum ein besseres Gefühl, als nach dem Training durch die Nacht nach Hause zu laufen. "Und ehe du dich versiehst, bist du süchtig."
Diese Apps & Webseiten wollen Dich auch fit machen
  • Runtastic
    Du willst im April den Freiburg Marathon bestreiten? Oder überhaupt anfangen zu laufen und nach sechs Wochen 30 Minuten am Stück laufen können? Die GPS-Tracking-App für Laufsport bietet gegen Aufpreis Trainingspläne an – zum Teil auch mit Zeitzielen. Hält man sich an die einzelnen Workouts, hat man ein abgerundetes Training mit Intervall-, Speed- und Erholungsläufen, das wirklich funktioniert – Laufmagie! Pläne gibt’s ab circa 20 Euro, manche sind von Dieter Baumann.
    runtastic.de
  • Cody

    Du wolltest schon immer mal Yoga ausprobieren, aber traust dich nicht? Hier kann Cody helfen. Der englischsprachige Dienst bietet in einer App und auf seiner Website eine Vielzahl von Video-Yogaklassen für Zuhause an. Hier kannst du zum Beispiel Yogastunden bei den Instagram-Stars Kino MacGregor, Dylan Werneroder der Bod-Positive-Heldin Dana Falsetti nehmen – alles hervorragende Lehrer, übrigens! Komplette Trainingsprogramme sollen Dir mehr Kraft geben oder dich in den Handstand oder andere spektakuläre Posen bringen. Neben Yoga gibt’s mittlerweile auch Videos für Barre, Pilates und Calisthenics – auch Meditation und Pranayama-Atemübungen sind zu haben. Einzelstunden kosten ab 10 Euro, Programme ab circa 30 Euro. Einmal gekauft, können die Videos unbegrenzt genutzt werden.
    codyapp.com
  • Bikini Body Guide
    Mit dem Hashtag #bbgorganisiert sich die Community rund um die australische Trainerin Kayla Itsines auf Instagram. 10 Millionen Frauen trainieren ihren Angaben nach auf der Suche nach dem perfekten "Bikini Body" mit ihrer App. Sie beinhaltet Körpergewichtsübungen und einen Ernährungsplan, der auch Varianten für Vegetarierer und Veganer bietet. Weltweit gibt es – wie bei Freeletics auch – Gruppen, die sich zum Training treffen. Die Kosten für BBG liegen je nach Abo bei circa 15 Euro im Monat.

    kaylaitsines.com

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