Diese Freiburger organisieren Griechenland-Freizeiten, um Europa zu stärken

Florian Laurösch

Eine Ferienfreizeit in Griechenland soll Jugendlichen die europäische Idee näherbringen. Doch wie geht das, wenn man den ganzen Tag mit Rafting und Wandern verbringt? fudder hat zwei der Organisatoren interviewt.

Warum braucht es die interkulturellen Begegnungen mit Griechenland?

Anna Häßlin: Ich bin ein großer Fan der Idee Europa. Ich glaube, wenn man jungen Menschen die Begegnung mit Gleichaltrigen aus europäischen Ländern ermöglicht, dann entstehen Freundschaften und ganz eigene Ideen vom jeweils anderen Land. Es hat viel mit selbstständiger Meinungsbildung zu tun.

Inwiefern bildet sich eine Meinung anders, wenn man mal auf einer Freizeit in Griechenland war?

Anna: Da man selbst Kontakt zu den Griechen hat, kann man, wenn man irgendetwas hört, nachfragen: Wie ist das eigentlich so in Griechenland? Gerade bei Deutschland und Griechenland ist das sehr brisant. Kinder und Jugendliche erzählen auch, dass ihre Eltern sie erst gar nicht nach Griechenland schicken wollten. Diese Eltern sind dann aber überrascht, wie gut alles vor Ort funktioniert.

"Wir merken einfach, dass richtige Freundschaften entstehen und diese Begegnung hätte man ansonsten eben nicht." Anna Häßlin

Leon, könntest Du von Deinen Erfahrungen der Freizeit berichten?

Leon Hoppe: Nach meinem ersten Camp bin ich schon drei oder vier Wochen später wieder nach Griechenland geflogen. Nach den Freizeiten kommt es regelmäßig dazu, dass die Griechen uns in Deutschland besuchen. So kommt es zu einem Austausch.

Anna: Wir merken einfach, dass richtige Freundschaften entstehen und diese Begegnung hätte man ansonsten eben nicht. Man hört hier viel von der Finanzkrise und wir merken einfach, dass es von beiden Seiten viele Vorurteile gibt. Wie ist das Studentenleben der Griechen? Wie das Arbeitsleben? Wie kommen die Jugendlichen in der Finanzkrise zu Recht? Bedeutet diese Krise für junge Griechen überhaupt etwas? Man bekommt einen anderen Blick auf ein Land wie Griechenland.



Glaubst Du, die Aufgabe als Gesamtleiter der Freizeit hat Deine Haltung gegenüber Griechenland geprägt, Leon?

Leon: Ich habe früher nur in der Zeitung über Griechenland gelesen und dann kommst du da hin und merkst, die Leute sind eigentlich so wie du. Klar gibt es auch kulturelle Unterschiede und die Leute erzählen, dass es hier und da nicht so gut läuft, aber sie leben auch in Europa, haben die gleichen Hobbys, gehen Fußball spielen oder treffen sich abends mit Freunden in der Bar.

"Für die deutschen Kinder und Jugendlichen ist es gut einmal zu sehen, dass vieles in Deutschland gut funktioniert." Anna Häßlin

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen eine Deutsch-Griechische Freizeit ins Programm aufzunehmen?

Anna: Wir haben bei unserer nationalen Begegnung, bei der nur die Deutschen nach Griechenland gehen, gemerkt, dass es schwer ist, dafür Teilnehmer zu gewinnen. Also dachten wir uns: Wir müssen schaffen, dass sich das Bild der Teilnehmer vom jeweiligen Partnerland wandelt. Wir wollen einen Perspektivwechsel ermöglichen, also versuchen, die Teilnehmer beider Länder zusammenzubringen. Griechenland ist eben nach wie vor ein relevantes Thema in den Medien und der Gedanke Europas sowieso, mit der ganzen Flüchtlingsgeschichte. Dort kommen derzeit ganz viele Geflüchtete an. Ich war in letzter Zeit nochmal in Griechenland und da geht schon einiges ab.

Was nehmen Eure Teilnehmer konkret von den Begegnungen mit?

Anna: Für die deutschen Kinder und Jugendlichen ist es gut einmal zu sehen, dass vieles in Deutschland gut funktioniert und welche Chancen und Möglichkeiten wir alle haben. Wenn sich die Teilnehmenden über ihre Perspektive nach der Schule unterhalten, kommt man ganz schnell an den Kern der Sache. Man erkennt, wie unterschiedlich politische Systeme funktionieren können. Es ist Lernen, ohne zu lernen. Politik wird greifbar und wir erhoffen uns daraus, dass die europäische Idee weitergeführt wird. Die Antwort auf mehr Abgrenzung, Abschottung und Individualismus ist, meiner Meinung nach, mehr Zusammenkunft. Und mehr Zusammenkunft ist die Idee unserer Begegnungen.
Der Verein Förderkreis Ferienzentren (FöFe) mit Büro in Freiburg (Hildastraße 5) bietet in den Sommerferien von Samstag, 28. Juli, bis Samstag, 11. August, im dritten Jahr seine deutsch-griechische Jugendbegegnung in Griechenland an. Gemeinsam mit der griechischen Partnergruppe wird bei zahlreichen Outdoor-Aktivitäten wie Rafting, Trekking, Klettern, Mountainbiken, Kanufahren und vielem mehr Griechenland rund um die weltbekannten Meteorafelsen erkundet. Platz für eigene Wünsche seitens der Teilnehmenden ist gegeben. Die gemeinsame Campsprache ist Englisch. Die Preise liegen im solidarischen Preismodell zwischen 480 und 685 Euro. Reise, Verpflegung, Unterkunft und Programm sind inklusive. Zuschussmöglichkeiten sind gegeben. Eine Infoveranstaltung findet am Sonntag, 8. Juli, 14 Uhr, in der Waldorfschule Schopfheim, Schlierbachstraße 23, statt. Infos und Anmeldungen in der Geschäftsstelle, Tel. 0170/ 8986419, online unter www.foefe.de