Foodart

Diese Frau stellt Kunstwerke aus Essen auf Instagram her

Dorothea Winter

Mit dem Essen spielt man nicht! Diesen Appell bekommt Que Phuong Trans Sohn nicht zu hören. Denn sie ist Foodart-Instagrammerin. Täglich zeigt sie ihren Followern, was sie kocht. Und viel wichtiger: Wie es aussieht.

Bei Que Phuong Tran entstehen aus Kartoffeln die Moskauer Basilius-Kathedrale, aus Schinken Pudel und aus Bananen Flugzeuge.

Die 30-Jährige wurde im südvietnamesischen Mekong-Delta geboren und lebt seit acht Jahren in Nizza. Prozessplanung ist ihr Beruf, Foodart ihre Berufung. Diese Leidenschaft teilt sie – mit 12.000 Followern auf Instagram.


Aus Spaß wurde Leidenschaft

Anfangs nutzt Que Phuong Tran ihren Account napu88 für Schnappschüsse aus dem Familienalltag und dem, was sie so kocht. Doch eines Tages bereitet sie Maki-Rollen für ihren zweijährigen Sohn zu. Nach dem Anrichten starrt dieser auf den Teller und ruft entzückt: "Das ist eine Blume". Ganz begeistert isst er alles, was sich auf dem Teller befindet – inklusive Gemüse. Der Traum einer jeden Mutter. Am folgenden Tag erschafft Tran ihre erste Foodart-Kreation: Ihre Interpretation von "Peppa Wutz" aus Schinken, Brokkoli und Süßkartoffeln ist ein voller Erfolg. Das pinke Zeichentrick-Schweinchen hat Trans Sohn zum Fressen gern.

Fragt man sie nach ihrem Konzept, antwortet die Foodartistin: "Essbar und lecker". Ihre Inspiration holt sie sich von überall. "Vor allem aus den Büchern, Kindergartenliedern und Geschichten meines Sohns". Was als zufälliger Spaß beginnt, ist inzwischen Leidenschaft. "Teller kreativ gestalten ist mein Hobby. Es hilft mir, nach einem langen Arbeitstag zu entspannen", sagt Tran.

Aussehen ist nicht das wichtigste

Ungefähr eine Stunde braucht Trans für eins ihrer kleinen Kunstwerke – 45 Minuten kochen, 15 Minuten dekorieren. Als Vorbereitung zeichnet sie ihre Ideen auf Papier. So kann sie den Aufbau planen und Lebensmittelverschwendung vermeiden. Doch keine Angst: Im Hause Tran isst man auch mal ganz normal. "Wenn ich das Mittagessen arrangiere, koche ich abends gewöhnlich", sagt die Essensartistin. Denn egal wie angerichtet, Geschmack und Ausgewogenheit stehen immer an erster Stelle. "Wenn es dann auch noch nett anzusehen ist, zaubert es ein Lächeln auf das Gesicht der Kinder und ermutigt sie, gesund zu Essen", sagt Tran.

Weil ihr Ehemann viel arbeitet, in einem Restaurant wohlgemerkt, kocht Tran meistens nur für ihren Sohn. Und versucht ihn in die Essensvorbereitung miteinzubeziehen. Reis, Gemüse oder Früchte waschen übernimmt er. Dabei versucht Tran ihrem kleinen Sohn spielerisch die verschiedenen Lebensmittel und Eigenschaften näherzubringen.

Bei Food Art wird nichts verschwendet

Sie selbst bezeichnet sich nicht als professionelle Foodartist. "Doch ich fühle mich geehrt, wenn ich so genannt werde", sagt Tran. Food Art ist Gebrauchskunst und kommt ursprünglich aus Japan. Landschaften, Figuren, Gemälde und Tiere werden aus essbaren Zutaten nachempfunden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Für Tran ist die Foodart eine echte Herausforderung, da der Fokus nicht bloß auf Farbe oder Textur der Materialien liegt, sondern auch auf dem Geschmack. Tran weiß, wie wichtig es ist, dass das Essen warm ist, wenn es serviert wird. Foodart ist mehr als Geschmackssache.

Auch wenn sie noch kein eigenes Foodart-Restaurants geplant hat, ist sie nicht abgeneigt, andere nicht nur über das Internet mit ihren Kochkünsten zu verwöhnen. Essen soll letztlich auch schmecken. Und da die Liebe bekanntlich durch den Magen geht, kann sie sich gut vorstellen, im Restaurant ihres Mannes anzubieten. Das steht allerdings in Nizza.
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