Diese Fotos werden groß

Carolin Buchheim

Gebt auf. Versuch nicht, Euch zu wehren. Fotos werden groß. Sie waren die Band, über die im letzten Jahr alle redeten. "Das sind die deutschen Libertines/Bloc Party/Arctic Monkeys!" Fotos, eine Hype-Band? Nein! fudder-Autorin Caro erklärt euch mit fangirlhafter Leidenschaft, warum ihr das Konzert dieser Band am nächsten Mittwoch im Crash auf gar keinen Fall verpassen solltet. Und eine Ticket & CD-Verlosung gibt es gleich noch dazu.



Ich geb' es am besten gleich zu, bevor irgendwer einen biestigen Kommentar unter diesen Artikel postet: Ich bin ein Fotos-Fangirl. Eins der ersten Stunde. Es war Oktober 2005, das Campusradio in Köln veranstaltete ein Konzert im Kunsthaus, und vor den Dänen von El Video und Epo-555 trat eine Band auf, die ihren Bandnamen mit Edding auf ein DIN A4-Blatt geschrieben und aufs Drum-Set geklebt hatte: Fotos.


"Die erste Band die spielt, soll absolut super sein," hatte mein Freund Marco mir am Nachmittag erzählt. "Ist einer der ersten Gigs, aber alle reden drüber. Die sind so ein bisschen wie Von Spar, nur irgendwie englischer. Ich hab' jemanden sagen hören, die könnten die deutschen Libertines werden!"
Im Oktober 2005 war man dieser doofen Hype-Vergleiche noch nicht so müde wie jetzt, glaub ich. Heute würde Marco so einen Satz auf gar keine Fall mehr sagen.

'Was für Gitarren!' war mein erster Gedanke, als die Band schließlich spielte und ich Bier trinkend vor der Mini-Bühne stand. 'Was für eine sich überschlagende Stimme!' war mein Zweiter. 'Good Lord! Was für ein fuckig guter Song!' war mein dritter. Ich glaub', da tanzte ich schon, denn da spielten Fotos Komm zurück, den großartigen Song, der ein dreiviertel Jahr später ihre erste Single werden sollte.

Fotos eine Hype-Band zu nennen ist richtig und falsch zugleich.

Richtig, weil wirklich halb Indie-Deutschland über sie redete, als die Band noch Monate von einem Plattendeal entfernt war. Richtig auch, weil Fotos, allein durch großartig gespielte Konzerte plötzlich Freunde wie Kevin Drew hatten. Das Mastermind des kanadischen Indie-Kollektivs Broken Social Scene lobte sie beim Immergut-Festival von der Bühne herunter als beste Band des Festivals und nahm sie gleich mit auf Tour. Phoenix taten es ihm nach. Richtig ist das doofe Hype-Wort auch, weil  tatsächlich diverse Plattenfirmen gerne einen Deal mit ihnen gemacht hätten, und bei ihnen an der Tür gekratzt haben. Und irgendwann waren Fotos auch mal bei TRL. Oops.

Aber gleichzeitig ist es falsch, Fotos eine Hype-Band zu nennen, denn wenn man von 'Hype' redet, schwingt da immer so ein Unterton mit, der suggeriert, dass die Musik inhaltsfrei ist und irgendwie minderwertig, die Band untalentiert, einem Trend enstspricht und den Erfolg deswegen auch gar nicht wirklich verdient. Genau das das trifft auf Fotos und ihre Musik nicht zu.



Was Tom, Deniz, Frieder und Beppo zusammen machen ist einfach verdammt gute Musik.

Deutschen Bands hört man ihr Deutsch-Sein oft an, finde ich. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber es ist irgendwas an den Gitarren. Fotos haben dieses Problem auf jeden Fall nicht. Sie haben tolle Gitarren.

In ihren Songs treffen zickige Riffs auf die schärfsten Sechzehntel, die ein Drummer so schlagen kann; Tom skandiert und schreit und fleht, dass sich seine Stimme überschlägt und untendrunter spielt Frieder eine unerhört dicke Basslinie.
Die hübschen Melodien ihrer Songs werden bei Gelegenheit fachgerecht zerlegt und dann zerfetzt und neu zusammengesetzt und all' das tun Fotos ohne Rocker-Pose, fröhlich lächelnd hüpfend, mit Blick auf den Indie-Dancefloor und sympathischer 'So there!'-Haltung. Da! Kannst Du haben, unsere Mucke, wenn Du willst! Wenn Du nicht willst, bist Du selber schuld!

Aber: Was könnte man schon mehr wollen von einer Band?

Ach ja, Texte, klar! Selbst da gibt es bei Fotos kein bisschen zu meckern. Es geht um Nähe und Distanz und Entfremdung; um Freundschaft und Vertrauen und Loslassen und Vergänglichkeit und auch darum, dass man doch mal mehr wollte vom Leben, irgendwann einmal, als immer nur den gleichen Trott.

Fotos-Songs sind kleine Perlen ohne Peinlichkeiten und ekligen Pathos; voller Jugendlichkeit und Erfahrung und einfach, nun ja, ich wiederhol' mich, verdammt gut.



Ich könnte noch ein paar hundert Gründe aufzählen, warum Fotos eine tolel Band sind, die Eure Aufmerksamkeit verdient, aber eigentlich reicht es ja, wenn ich das hier noch sage:
Fotos sind gut. Richtig, richtig gut. Findet Euch am besten gleich damit ab.

Fangt gar nicht erst an zu versuchen, sie doof zu finden, weil Tom so hübsch ist und so schön kreischen kann, und Deniz so feine Riffs spielt und Beppo so tighte Sechzehntel schlägt und Frieder immer so glücklich lächelt und sie gerade, als Band zusammen, so verdammtes Glück haben.

Gebt zu, dass sie gut sind und schaut sie Euch bloß an, am Mittwoch, im Crash. Irgendwann, da wird es Fotos nur noch in Stadien zu sehen geben, mit ein paar Tausend Girlies drumherum. Dann wird man sie immer noch mögen müssen, klar, einfach weil sie nette Jungs sind, die tolle Musik machen, aber schöner wird es sicher am Mittwoch. Im Crash.

Versprochen!

Mehr dazu:

Fotos: Website& MySpace & popnutten.de: Audio-Interview mit Tom
Videos: Ich bin für Dich da & Komm zurück & Giganten(@ Amazon.de)
Aroma: Website& MySpace Was: Fotos (Support: Aroma)
Im Anschluß an das Konzert legen DJ Insertcoolname, DJ Thekenpoet und DJ Ridoo auf
Wann: Mittwoch, den 24. Januar 2007; 21:00 (Einlass), 22:00 (Beginn)
Wo: Crash (Keine Angst vor dem Sound! Die Veranstalter, die Kick Life Jungs, leihen extra eine Anlage)
Eintritt: €8 (VVK) / €10 (AK)

Verlosung: Fudder verlost 3 Mal zwei Eintrittskarten sowie 2 Mal das Debütalbum 'Fotos'.
Schickt einfach ein eMail mit der Betreffzeile 'Fotos', Eurem Namen, Eurer Adresse und einer Notiz, ob ihr lieber eine CD oder ein Ticket hättet, an info@fudder.de
Einsendeschluss: Dienstag, 23. Januar 2007, 15 Uhr.