Keine Fummelei mehr

Diese Erfindung aus Freiburg hilft, das freie Ende vom Klebeband zu finden

Holger Schindler

"Clipsolo" heißt das Teil, mit dem man das freie Ende eines Klebebands fixieren kann. Erfunden hat es der Freiburger Helmut Albert. Jetzt ist er damit im Fernsehen zu sehen.

Wer kennt das nicht? Man will von der Klebebandrolle noch schnell einen Streifen abreißen, um ein Päckchen zuzukleben – doch das freie Ende des Bands scheint mit der Rolle komplett verschmolzen. Man sieht es nicht, man fühlt es kaum, und wenn man es nach langem Suchen endlich gefunden hat, muss man es erst mühselig mit den Fingernägeln freiknubbeln. Der Freiburger Erfinder Helmut Albert hat dafür eine Lösung ersonnen: seinen "Clipsolo". An diesem Dienstag präsentiert er das Produkt in der TV-Show "Wie genial ist das denn?"


Gelernt hat Helmut Albert ursprünglich Schlosser – beim Chemieriesen BASF in Ludwigshafen. Doch schon bald entdeckte der gebürtige Speyrer seine Neigung und Begabung für die Kunst und studierte von 1981 bis 1987 an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg, wobei er sich auf die Bildhauerei spezialisierte. Die Liebe führte ihn später nach Freiburg, wo er sich außer als Künstler auch als Galerist betätigte.

Ins Fernsehen kommt der 58-Jährige, der mit seiner Frau in der Wiehre lebt, nun aber als Erfinder. Er hat den "Clipsolo" ersonnen, ein kleines Kunststoffteil, das den Umgang mit Klebebandrollen erheblich erleichtern soll.

Mit dem "Clipsolo" findet man immer das Ende des Klebebands

Der "Clipsolo" ist eine aus ABS-Kunststoff im Spritzgussverfahren gefertigte Art Klammer, die auf die Klebebandrolle gesteckt wird, dabei aber beweglich bleibt. Das freie Ende des Bands wird daran befestigt und bleibt so stets im leichten Zugriff. Zudem kann man das Band, sofern es dessen Beschaffenheit zulässt, auch direkt über die geriffelte Fläche des "Clipsolo" abreißen.

"Wohl durch meine Ausbildung als Schlosser und durch die Bildhauerei denke ich oft über Formen nach und stelle mir vor, wie man mit funktionellem Design Aufgaben leichter lösen kann", berichtet Helmut Albert.

Der "Clipsolo" sei auch nicht sein erste oder gar einzige Erfindung, sagt der kreative Tüftler – wobei er die Bezeichnung Tüftler nicht so gerne hört. Bislang jedenfalls ist die Klebeband-Hilfe "Clipsolo" sein erfolgreichstes Werk. 2012 erwarb er Patentschutz für die Erfindung. 2013 war er damit erfolgreich beim Artur-Fischer-Erfinderpreis und erhielt ein Preisgeld von 5000 Euro.

Dieses Geld habe er dann in den Start der Produktion gesteckt. Ein Betrieb im Südwesten fertigte nach den Ideen Alberts die Spritzgussform, eine Kölner Firma übernahm die Produktion. Der Freiburger Waschbär-Versand nahm "Clipsolo" ins Sortiment und vertreibt ihn seither in Deutschland, der Schweiz und Österreich – drei verschieden große Exemplare im Set zu 2,95 Euro.

Schon mehr als 100 000 Stück verkauft

Später kam auch noch ein Lizenzfertiger dazu, der Alberts Erfindung unter anderem Namen auf eigene Rechnung fertigt und verkauft – und den Freiburger für die Nutzung des Patents bezahlt. "Das ist am komfortabelsten für einen Erfinder", sagt der.

Mittlerweile seien bereits mehr als 100 000 Stück des "Clipsolo" verkauft worden – und der Absatz sei stabil. "Die Herausforderung ist, das Produkt bekannt zu machen und gleichzeitig das Marketing und den Vertrieb möglichst schlank zu gestalten, sonst bleibt am Ende nichts übrig", erklärt Albert.

"Die eigene Eitelkeit muss hintanstehen." Helmut Albert
Erfindern rät er, sich in Bescheidenheit zu üben: "Ich meine das so, dass das Hauptaugenmerk auf der Funktion liegen muss. Die eigene Eitelkeit muss hintanstehen, sonst wird es meiner Erfahrung nach schwierig". Auch müsse man mit Misserfolgen leben lernen. "So manch andere Idee, die ich hatte, war am Ende überhaupt nicht neu – oder sie taugte nicht zur Vermarktung", verrät Albert.

Die Industrie- und Handelskammer bietet regelmäßig kostenlose Erfinderberatungen an. Die habe er auch wahrgenommen und einiges gelernt, so Albert. Nun arbeite er daran, weitere Erfindungen marktreif zu machen. "Ich würde gern an den bisherigen Erfolg anknüpfen, aber man darf sich auch nicht verzetteln."
TV-Hinweis

Im Fernsehen ist Helmut Albert heute, Dienstag, 22. Januar, um 19 Uhr auf Sat 1 in der Erfindershow "Wie genial ist das denn?" zu sehen.

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