Diese drei Freiburger wollen einen verpackungsfreien Supermarkt gründen

Johanna Wagner

Drei Freiburger haben einen Plan: Sie wollen einen Supermarkt nach Freiburg bringen, in dem es keine Verpackungen gibt. Öffnen soll der Markt Ende des Jahres, einen Standort aber haben die Gründer noch nicht:



Plastikverpackungen sind zwar leicht, die produzierte Menge wiegt jedoch schwer. 5.241 Tonnen gelbe Säcke wurden 2013 in Freiburg weggeworfen. Doch wie kann die Menge an Müll verringert werden? Eine Lösung, die gerade in ganz Deutschland ausprobiert wird, sind verpackungslose Supermärkte. Hier bringen Käufer ihre wiederverwertbaren Verpackungen selbst mit - zum Beispiel Vesperboxen oder Einmachgläser. Die Waren werden in großen Spendebehältern aufbewahrt. So kann auf Verpackungen verzichtet werden, die nach dem Einkauf direkt im Müll landen.


Einer muss es machen!

Auch Freiburg soll so einen Supermarkt kriegen, zumndest, wenn es nach Anja Zegnotat, Martin Philipp und Björn Zacharias geht.  "Glaskiste – Natürlich Unverpackt" soll der Markt heißen, die Idee hatten die drei Gründer schon vor 1,5 Jahren: Alle drei störte der wachsende Müllberg vor der Haustür.

Während einer Recherche, wie sie ihre Müllproduktion verringern könnten, stießen sie auf die Idee der verpackungslosen Supermärkte. In Berlin, Hamburg und Kiel gab es sie schon, in Freiburg eben nicht. "Da haben wir uns gedacht: Dann machen wir das halt", sagt Martin Philipp.

Seitdem sind die drei am Planen. "Es braucht einfach Zeit", sagt Philipp. "Das Konzept ist ja für viele neu. Nicht nur für die Leute, denen man eine Alternative bieten muss, sondern auch für die Behörden, Händler und Produzenten." Angeboten werden sollen "die wichtigsten Dinge". Der Supermarkt will den Grundbedarf an Lebensmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln decken. Dabei legt das Team von 'Glaskiste' großen Wert auf regionale Produkte. "Wir liegen gerade bei einer Regionalitätsrate von 50 bis 60%."

Knackpunkte: Standort und Finanzierung

Die Gründer arbeiten zurzeit an der Finanzierung. Dafür starten sie eine Crowdfunding-Aktion, momentan feilen sie an dem zugehörigen Video. Nebenbei bespricht sich das Trio aber auch mit der Bank. Das Crowdfunding könnte die Hauptfinanzierung nicht decken, sagt Philipp.

Auch einen Standort müssen sie noch finden, am besten einen, an dem man gesehen wird. Aber das ist nicht alles: Sie brauchen Parkmöglichkeiten für Leute, die von außerhalb kommen, zudem sollte in der Nähe Bus oder Bahn halten, sagt Philipp. "Wir sind durch das Konzept darauf angewiesen, dass die Leute etwas tragen müssen."

Nachhaltigkeit erschwert die Gründung

Die strenge Philosophie der Nachhaltigkeit, die die drei sich auferlegt haben, beschleunigt die Umsetzung nicht: "Es geht uns nicht nur um die Lebensmittel. Es fängt bei Reinigungsmitteln und Möbeln für das Geschäft an", so Philipp. "Die meisten Spendesysteme, die sich eignen, sind aus Plexiglas. Das entspricht einfach nicht unserer Philosophie." Das Problem haben sie inzwischen gelöst: Sie haben Spendersysteme aus Holz und Glas gefunden."

Sind Finanzierung und Standortfrage gelöst, soll es losgehen. Es gebe große und positive Resonanz von zukünftigen Kunden. "Die gibt viel Kraft", sagt Philipp. Noch Ende diesen Jahres wollen die drei den verpackungsfreien dann Supermarkt eröffnen - wenn alles gut geht. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.

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[Foto: privat]