Diese Dinge sind beim Southside-Festival schiefgelaufen

Tamara Keller

Vier Stunden Wartezeit, zu wenig Wasserstationen und ein Stromausfall: fudder-Autorin Tamara Keller ärgert sich über die Organisation beim Southside-Festival und fragt sich, was eigentlich los war.

Das Southside trägt keine Krone mehr. Über den neun Buchstaben vor dem Festivalgelände ist jetzt eine weiße Taube befestigt. Vor genau einem Jahr saßen meine Freunde und ich für eine Nacht zu siebt in einem Vierpersonenwagen, warteten ein Gewitter ab und hofften auf zwei weitere Festivaltage. Dieses Unwetter hat dem Southside nicht nur die Krone genommen, sondern auch ein Stück Seele.


Am Donnerstag, als uns der Shuttlebus vor dem Campinggelände ablädt, steht vor uns eine Masse an Menschen. Das mag vielleicht normal sein für so ein Festival, aber kurz nachdem wir uns hinter der Masse eingereiht haben, merken wir sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt: Alle zehn Minuten geht es vielleicht zwanzig Zentimeter nach vorne. Wir stehen in der prallen Sonne. Vereinzelt haben Besucher ihre Sonnenschirme aufgespannt und halten sie wie Regenschirme über die Menge.

"Ähm Entschuldigung, du müsstest da ein paar Bands schwärzen!" #glamping #glampinglife #southside17 #southside16fail

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Warten, Rückenprobleme und Organisationsprobleme

Zuerst behalten wir den Rucksack auf dem Rücken, irgendwann zwischen Stunde eins und Stunde zwei stellen wir ihn ab, um ihn nur tragen zu müssen, wenn es vorwärts geht. Später ist die Menschenmasse so eng, dass wir ihn nicht mehr abziehen können und ihn durchgehend zwei Stunden schultern – die ersten Rückenprobleme sind schon da, bevor wir überhaupt nur eine Nacht auf der Isomatte verbracht haben.

Während des Wartens denken wir: "Na gut, die wollen gründlich die Taschen kontrollieren, der Terroralarm bei Rock am Ring hat auch das Southside nicht kalt gelassen." Tatsächlich ist das Ganze ein Organisationsfehler: Das Bändchenzelt und die Gepäckkontrolle sind dieses Jahr nicht in einem Zelt, sondern in zwei Zelten, die mit etwas Abstand hintereinander stehen.

Taschenkontrolle? Ein Witz

Da sich die wartende Menge vor der Gepäckkontrolle zurückstaut und zwischen den zwei Zelten begrenzt Platz ist, werden vor dem Bändchenzelt die Besucher nochmals zurückgehalten. Ein doppelter Menschenstau. Das Ärgerlichste an der Sache: Schlussendlich entpuppt sich die Taschenkontrolle als Witz. "Haben Sie Sachen dabei, die sie nicht mitnehmen dürfen?" –"Nein!", der Rucksack wird abgetastet, der Sicherheitsmann wirft einen Blick in die Kühlbox, das war’s.

Aus Sicherheitsgründen ist es übrigens nur erlaubt eine Bauchtasche mit aufs Festivalgelände zu nehmen #southside17 #fromwhereistand

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Die Laune lassen wir uns natürlich trotzdem nicht vermiesen: Zum Glück gibt es Bluetooth-Boxen und Smartphones. Als eine Schweizer Gruppe neben mir zuerst ABBAs "Mamma Mia" und danach Oasis "Wonderwall" laufen lässt, stimmt die Menge mit ein.

Der Gang zum Auto ist längere Zeit nicht möglich

Trotzdem: Wer an diesem Tag nach 14 Uhr ankommt, hat keine Chance. Zwei Stunden warten ist das Minimum. Nach viereinhalb Stunden stehen wir endlich auf dem Campingplatz. Wir haben Glück: Ein Teil unserer Gruppe ist vorher mit dem Auto angereist und hat schon alles aufgebaut. Doch es gibt Besucher, die haben eine Stunde länger gewartet und müssen jetzt noch ihr Zelt aufstellen.

Wie gravierend so eine Fehlorganisation für ein Festival ist, zeigt sich später: Der mehrmalige Gang zum Auto ist nicht möglich oder zumindest nur für diejenigen, die erneut zwei Stunden bei der Gepäckkontrolle anstehen wollen. Via App fordern die Veranstalter dazu auf, das restliche Zeug erst einmal im Auto zu lassen. Nach Mitternacht irren in der Dunkelheit immer noch Gruppen mit ihren beladenen Bollerwagen über das Gelände, um noch einen Platz zu finden.

Ein Festivalbesucher verzeiht zwar schnell – vor allem, wenn genügend Bier fließt – doch Freitag und Samstag folgen noch Ereignisse, die wirklich an der Organisation zweifeln lassen:

Überfüllte Wasserstationen

Am ersten Festivaltag, sind die Wasserstationen ständig überfüllt. Das ist total nervig, vor allem, weil es nur erlaubt ist, leere Tetrapacks mit aufs Gelände zu nehmen, die logischerweise erst einmal aufgefüllt werden müssen. Bei der Hitze hätte es sich gelohnt noch eine Wasserstation mehr einzurichten für ausreichenden Festivalkomfort.

Stromausfall bei Green Day

Herber Schlag am Samstag für alle Green-Day-Fans: Eine Dreiviertelstunde vor Ende fällt der Strom aus. Songs wie "21 Guns" und "American Idiot", auf die alle warten, sind da noch nicht gespielt. Sänger Billie Joe Armstrong bleibt zwar mit seiner Gitarre auf der Bühne stehen und singt ohne Verstärker weiter, das Publikum stimmt mit ein – aber das ist sicherlich nicht dasselbe. Laut Veranstalter FKP Scorpio habe der Ausfall an einem technischen Defekt gelegen.

Und zu den anderen Vorwürfen sagt der Veranstalter: "Die Anreise am Donnerstag erfolgte unerwartet deutlich früher als in den Vorjahren," sagt Festivalleiter Benjamin Hetzer vom Veranstalter FKP Scorpio. Vermutlich aufgrund des guten Wetters sind laut Hetzer am Donnerstag bereits über 40.000 Besucher angereist, was einem neuen Anreiserekord entspricht. "Darauf konnten wir spontan nicht reagieren, da wir uns mit dem Southside in einem Gewerbepark befinden. Wir wollen und müssen uns an die Absprachen mit den hier ganzjährig Gewerbetreibenden zu den Einlasszeiten halten." Obwohl entsprechend die Ordnerzahlen zum Durchsuchen des Gepäcks erhöht wurden, konnte die längere Wartezeit pro Gast nicht verhindert werden.

Den Andrang an den Wasserstationen führt Hetzer darauf zurück, dass zu Beginn nicht die Lage aller Trinkwasserstationen bekannt waren. "Durch den Einsatz all unserer Kommunikationskanäle, haben wir dieses Problem behoben", so Hetzer.

Trotzdem: Southside, was ist eigentlich los mit dir? Was soll das? Du warst doch mal so nice. Für mich steht fest: Ich gehe nächstes Jahr wieder auf ein Festival, aber ganz sicher nicht aufs Southside.

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