Unbreakable

Diese Ausstellung in der UB zeigt, was sich Opfer sexualisierter Gewalt anhören müssen

Anna Lob

Wenn eine Frau vergewaltigt wird, wird ihr oft eine Mitschuld daran gegeben. Der Begriff dafür lautet Victim Blaming. Pia Kuchenmüller von Frauenhorizonte erklärt, warum es in der UB jetzt die Ausstellung "Unbreakable" gibt, die sich mit dem Thema befasst.

In der UB wird die Ausstellung "Unbreakable", also unzerbrechlich, von der Fotografin Grace Brown gezeigt. Was soll das bedeuten?

Das soll aussagen, dass Dich niemand zerbrechen kann. Das mag für eine Betroffene von sexualisierter Gewalt erstmal ironisch klingen. Ich glaube, Grace Brown meint damit, dass jeder das Recht hat, zu sagen, was passiert ist und die Schuld von sich zu weisen. Die Gesellschaft sagt nach so einem Erlebnis zum Beispiel: "Das liegt an dem, was du angezogen hast" oder "Du hättest halt nichts trinken dürfen".

Dieses Gefühl, selbst Schuld zu sein, lässt einen zerbrechen. Wenn man aber das Paradoxe dieser Aussagen nach außen trägt, baut das Stärke auf und man bekommt viel positive Rückmeldung. Niemand hat selbst die Schuld an der eigenen Vergewaltigung. Bis heute halten sich diese Mythen und sie sind einfach nicht wahr.

"Ihre Botschaft ist, dass niemand alleine mit seinem Schicksal ist und dass es einem besser geht, wenn man die Stimme erhebt."

Wer ist auf den Bildern der Ausstellung zu sehen?

Die Fotografin Grace Brown hat 2011 damit begonnen Menschen – sowohl Frauen als auch Männern und Kindern – einen Raum zu geben, sich nach einer Vergewaltigung oder einem Missbrauch auszudrücken. Die Menschen teilen auf Plakaten, mit welchen Worten der Täter oder auch Polizeibeamte, Eltern oder Freunde ihnen eine Teilschuld an der Tat gegeben haben. Diese Plakate halten sie in die Kamera.

Die meisten wollen ihrer Stimme ein Gesicht geben. In den zwei Jahren, in denen die Kampagne auf Tumblr und Twitter lief, haben sich mehr als 2000 Männer und Frauen beteiligt. Ihre Botschaft ist, dass niemand alleine mit seinem Schicksal ist und dass es einem besser geht, wenn man die Stimme erhebt.

Warum werden die Bilder ausgerechnet in der UB gezeigt?

Zum einen, weil sie total zentral ist und zwischen 7000 und 13.000 Besucher und Besucherinnen pro Trag zählt. Das ist eine große Menschenmenge und die setzt sich aus Studierenden, Lehrenden, Schülern und Touristen zusammen. Die Zielgruppe Studierende ist für uns immens wichtig, weil wir unter unseren Klientinnen einen relativ hohen Anteil an Studentinnen haben, die unter sexualisierter Gewalt gelitten haben. In so einem großen Apparat wie der Universität passiert relativ viel.

Die Ausstellung soll also eine große Öffentlichkeit erreichen?

Es handelt sich um eine gesellschaftliche Kampagne und gesellschaftliche Missstände, auf die wir hinweisen möchten - da ist die UB ein guter Partner. Dort kommen wir an viele Gesellschaftsschichten dran. Wir haben lange daran gearbeitet - ungefähr ein Jahr. Uns passt es sehr gut, dass wir das parallel zur Kampagne "Von Mann zu Mann laufen lassen" können. Wir haben für die Ausstellung 22 Bilder ausgesucht und im Sinne unseres Auftrags als Beratungsstelle für Frauen, ausschließlich Bilder von Frauen ausgewählt, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden.
"Die Zielgruppe Studierende ist für uns immens wichtig, weil wir unter unseren Klientinnen einen relativ hohen Anteil an Studentinnen haben, die unter sexualisierter Gewalt gelitten haben."

Und bei der Kampagne "Von Mann zu Mann" sind ausschließlich Männer zu sehen - warum das?

Das ist eine Plakatkampagne und Präventionskampagne. Am 11. September startet sie in der Stadt. Es geht darum, Männer zu ermutigen, gegen sexualisierte Gewalt aufzustehen. An insgesamt 64 Stellen werden Plakate hängen. Die Motive zeigen sechs Männer aus Freiburg, die ein gesellschaftliches Statement kundtun. Dabei sind zum Beispiel Julian Schuster, der ehemalige Kapitän und Alexander Schwolow, der Torhüter vom SC Freiburg.

Was erhoffen Sie sich davon?

Die Kampagne soll auch eine Weiterführung von #MeToo sein. Immer mehr Männer sind in den Sozialen Medien aufgestanden und haben ihr Verhalten hinterfragt. Die meisten Männer wissen sehr genau, was verwerflich ist und wo die Grenzen sind. Viele waren bereit, mitzuwirken und auch als Vorbild zu fungieren. Es geht gar nicht darum, mit erhobenen Zeigefinger etwas zu verbieten, sondern Männer auch dazu zu ermutigen, dazwischen zu gehen, wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt. Wir wollen auch die Zivilgesellschaft durch Fotoaktionen und den Hashtag #VonMannzuMannFreiburg daran teilhaben lassen. Die Kampagne wird auch über die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen im November weitergeführt.
Zur Person

Pia Kuchenmüller ist 41 Jahre alt und ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei Frauenhorizonte e.V.

Die Beratungsstelle richtet sich an Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden und ist an jedem Tag im Jahr 24 Stunden unter der Telefonnummer Tel. 0761/2858585 erreichbar.

  • Was: Ausstellung "Project Unbreakable – der Beginn der Heilung durch Kunst"
  • Wann: bis 7. November 2018
  • Wo: Foyer der Universitätsbibliothek
  • Eintritt: frei