Diese App verhilft Dir zu günstigem Essen

Anna Germek

Lebensmittelverschwendung reduzieren will die App "Too Good To Go" – denn übriggebliebenes Essen kann auch kostbar sein. Die Restebox gibt’s im Restaurant für 2 bis 4 Euro.

In Deutschland werden laut einer WWF-Studie aus dem Jahr 2015 knapp 313 Kilogramm genießbare Nahrungsmittel weggeworfen – pro Sekunde. Das ist eine unglaubliche Verschwendung. Frankreich hat kürzlich ein Gesetz erlassen, dass das Wegwerfen von verwendbaren Lebensmitteln im Großhandel verbietet. Lebensmittel zu retten, die "zu gut zum Wegschmeißen" sind: Das ist das Ziel von "Too Good To Go".


Das Konzept

Wähle ein Restaurant in deiner Umgebung, das bei "Too Good To Go" (TGTG) teilnimmt. Kaufe einen Gutschein über App oder Website. Hole das Essen im angegebenen Zeitraum am selben Tag im Restaurant ab, meist kurz vor Ladenschluss. Iss Dich satt – mit gutem Gewissen. So wird es auf der Website beschrieben.

Nutzen kann man TGTG entweder als kostenlose App für Android und iOS oder über die Website. Bezahlt wird per Kreditkarte oder PayPal, bald auch per Sofortüberweisung. Zwischen 2 und 4 Euro kostet eine Box. Das sei meist weniger als die Hälfte des Urspungspreises.

Wohin geht das Geld?

Ein Euro gehe an das Start-Up, um Technologien, Boxen und Mitarbeiter zu bezahlen, der restliche Betrag an das Restaurant. Das solle einen Anreiz schaffen, übriges Essen nicht wegzuwerfen.

"Natürlich ist es schwer, Restaurants miteinzubeziehen, wenn diese dadurch Kosten haben", erklärt Mitarbeiter Philip. Man müsse es der Gastronomie so leicht wie möglich machen, Essen nicht wegzuschmeißen – beispielsweise, indem man die Behälter stelle. Mittlerweile würden schon Restaurants auf TGTG zukommen, um mitzuwirken.

Auch in den Behältern steckt Nachhaltigkeit: Sie bestehen aus Zuckerrohrfasern oder Bio-Kunststoffen, die Tragetaschen sind aus Papier. Bald soll es auch wiederverwendbare Edelstahlbehälter geben.

Gründung in Dänemark

Ende 2015 startete die Idee in Dänemark. Dort ging das Start-Up durch die Decke: Allein in zwei Wochen wurde die App 60.000 Mal heruntergeladen. Unter anderem die Gründer Stian M. H. Olesen und Thomas Bjørn Momsen hätten gesehen, wie viel Essen in Gastronomien weggeworfen würde – und wollten eine Alternative schaffen.

Mittlerweile gibt es in mehreren europäischen Ländern Teams, zum Beispiel in Großbritannien, Frankreich oder Norwegen. In Deutschland startete das Unternehmen im April 2016 und besteht momentan aus drei Büro-Mitarbeitern und weiteren Helfern.

Mit Partnern, wie der von der Bundesregierung initiierten Kampagne "Zu Gut Für Die Tonne", sei man in Deutschland gut aufgestellt. Etwa 140 Restaurants seien momentan beteiligt, circa 460 000 Mal wurde die App heruntergeladen. Ein Erfolg: Über 7000 Mahlzeiten wurden schon "gerettet".

Wie kommt es an?

In Freiburg ist bisher nur ein Restaurant beteiligt, das "Jade Palace" in der Habsburgerstraße. Eine Mitarbeiterin sagt: "Jetzt in den Ferien kommen sehr wenig Leute. Wir haben Mitte Juni angefangen. Da ging es noch nicht so gut. Vielleicht ein oder zwei Personen in der Woche."

Allgemein sei das Feedback gut, meint Too-Good-To-Go-Mitarbeiter Philip. Gerade das Konzept komme gut an, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Man überlege auch einzuführen, dass man eine Portion für eine bedürftige Person mitbezahlen kann, um den sozialen Aspekt zu stärken.

Zukünftig wolle man neue Restaurants dazugewinnen. Interessant seien Kantinen, Buffets und Bäckereien, bei denen viel übrig bleibt. Auch aus Kanada und Brasilien gebe es Interesse.

Das meint die Autorin

Nimmt man damit nicht gemeinnützigen Organisationen wie der Tafel das Essen weg? Too Good To Go verneint das in seinen FAQs: Die Mengen an Essen, die weggeworfen werden, würden die Kapazitäten der Tafeln übersteigen. Außerdem nehmen die Tafeln kein Essen an, das bereits zubereitet wurde.

Die App ist ein guter Ansatz, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Schade nur, dass Restaurants ihre Reste nicht einfach verschenken – sondern womöglich an Leute verkaufen, die es sich eigentlich leisten könnten. Zum Beispiel für Studierende oder andere Menschen mit geringem Einkommen ist es aber eine gute Sache.