Diese App aus Freiburg zeigt dir, wie Gebäude vor 50 oder 100 Jahren ausgesehen haben

Felix Klingel

Wie sah wohl der Bertoldsbrunnen in den 30er Jahren aus? Oder das Schwabentor während des Zweiten Weltkriegs? Mit der App Future History und der Handykamera kann man das live erleben. fudder hat die App getestet.

Wer Stadtführungen öde findet, aber trotzdem ein bisschen mehr über Geschichte von Gebäuden erfahren möchte, für den gibt es jetzt eine App: Future History. Die App, die in Freiburg entwickelt wird, ist eine Art digitaler Stadtführer, der einem zeigt, wie Orte und Straßen vor 50 oder 100 Jahren aussahen.


Aufgebaut ist Future History wie eine Karte. Dort sind verschiedene Orte und Sehenswürdigkeiten eingetragen. Man kann sich einen auswählen und hinführen lassen. Dann wird’s interessant: In der App sind alte Bilder hinterlegt, die man durch die Handykamera über die Realität legen kann. Mit einem Regler auf dem Handy kann man zwischen neu und alt hin- und herschalten. So sind die historischen Veränderungen besonders eindrücklich zu sehen.

GIF: So funktioniert die App Future History



Soweit die Theorie – doch funktioniert das auch in der Praxis? fudder hat’s ausprobiert. Die App startet nach dem Download mit einer kleinen Einführung. Trotzdem bin ich in der ersten Minute noch etwas verloren im Design. Man ist aber schnell drin und kann sich eine Sehenswürdigkeit auswählen und den Weg dorthin anzeigen lassen. Ich wähle erst mal einen Klassiker: den Bertoldsbrunnen.

Die Navigation funktioniert einwandfrei – gut, den Weg hätte ich auch so gewusst. Am Brunnen angekommen, zeigt mir die App, wie ich mich positionieren muss, damit die erweiterte Realität funktioniert. Ich stelle mich also mitten auf den Platz, das Handy im Anschlag und sehe durch meine Handykamera den Bertoldsbrunnen, wie er eben heute so aussieht. Mit einem Regler kann ich nun ein Bild aus dem Jahre 1930 über das echte Bild aufblenden lassen. Das sieht ziemlich cool aus und das Hin- und Hergeschiebe macht Laune – bis DRIIIINNNGGG die Straßenbahn mich von hinten anklingelt und ich mich endgültig wie ein Touri fühle.

Also weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit. Und davon gibt es in Freiburg tatsächlich sehr viele. Das könnte vor allem daran liegen, dass die App in Freiburg entwickelt wird – und dort von den Entwicklern sorgsam gepflegt wird. In Berlin oder München gibt’s dagegen deutlich weniger zu sehen. Die App basiert darauf, dass Nutzer selbst alte Fotos hochladen und Punkte auf der Karte erstellen – bis das für ganz Deutschland funktioniert, braucht sie eine größere Nutzerbasis.

GIF: So funktioniert die App Future History



Neben den einfach Sehenswürdigkeiten gibt es auch noch Touren in der App. Einige davon sind kostenlos – für andere muss man bezahlen. Die Touren verstecken sich etwas umständlich im Menüpunkt "Filter" – doch hat man sie einmal gefunden, bieten sie schöne Wege durch die Stadt, jeweils mit thematisch zueinanderpassenden Bildern und Orten.

Einen kleinen Makel hat die Benutzung der App aber: Wer sich eine Stadt anschauen will, sollte das mit offenen Augen tun. Die App verleitet allerdings dazu, ständig aufs Handy zu starren. Manchmal fehlt dann fast der Blick für die echte Stadt. Es gibt aber gute Nachrichten für alle Couch-Hocker: Die App funktioniert auch von zu Hause aus.

Fazit: Eine schöne App, die gut funktioniert – man sollte nur kein Problem damit haben, mit dem Gesicht vor dem Handy durch die Stadt zu laufen.
Die App Future History gibt es kostenlos zum Download im App Store für Iphones und im Play Store für Andorid-Geräte.