Diese 9 Typen triffst du garantiert in jedem Fernbus

Gina Kutkat, Kerstin Ernst, Felix Klingel & Maryline Boudot

Schöne neue Reisewelt: Mit den Fernbussen gibt es seit einigen Jahren endlich eine günstigere Alternative zu Bahn und Auto. Der Bus hat aber auch Nachteile: Man ist auf engstem Raum mit vielen Menschen eingepfercht. Etwa mit dem Schuh-Auszieher.



1. Der Schuh-Auszieher und Käse-Brot-Esser

Der Schuh-Auszieher mag es gemütlich: Er steigt in den Bus, zieht seine Turnschuhe aus und holt dann genüsslich sein Vesper aus der Brotdose. Manchmal auch in anderer Reihenfolge. Sekunden später weht ein strenger Käsegeruch durch die Sitzreihen und man fragt sich: Sind es die Füße - oder ist es das Käsebrot? Unbekümmert mümmelt der Schuh-Auszieher weiter, legt die Füße hoch, holt sein Buch ("Die Vermessung der Welt") raus, bis er aufs Klo muss.

2. Die Dauertelefoniererin

Im Bus ist es mucksmäuschenstill, jeder geht seinen eigenen Beschäftigungen so leise wie möglich nach. Jeder? Nein, die Dauertelefoniererin lässt sich durch die Ruhe nicht aus dem Konzept bringen. Kaum geht die Fahrt los, wird das Handy gezückt und dem besten Freund oder der besten Freundin in voller Lautstärke erzählt, was sie denn so am Vortag gemacht hat und was sie heute, morgen und ihr ganzes Leben lang so plant zu tun. In ihren Ausführungen ist sie sehr detailreich und lässt kaum etwas aus.



3. Die Pssst-Frau

Man erkennt sie daran, dass sie meist zusammengekauert, in eine Jacke eingemummelt in der hintersten Ecke ihres Sitzes liegt und versucht zu schlafen. Leider schlummert sie nur sehr leicht und lässt sich durch das kleinste Geräusch aus ihrem Schönheitsschlaf aufschrecken. "Pssst", zischt sie dann mit einem Kopfschütteln. Weckt man sie versehentlich, folgt eine Reihe von Beschimpfungen: "Können Sie nicht endlich leise sein! Ich versuche schon die ganze Zeit zu schlafen!"

4. Die Vornesitzer

Kaum hat der Busfahrer das Ticket am Eingang kontrolliert, drängeln sie sich durch die Tür, als gäbe es kein Morgen mehr: die Vornesitzer. Sie brechen in Schnappatmung aus, wenn die erste Reihe belegt ist und stammeln nervös Sätze wie "Hinten wird mir schlecht" oder "Ich muss meine Beine während der vierstündigen Fahrt ausstrecken". Haben sie dann den begehrten Platz ergattert, rühren sie sich nicht mehr von der Stelle und schauen erschrocken um sich, wenn sich jemand ihrem Terrain nähert.



5. Die ältere Dame

Leicht verdattert steigt die ältere Dame in den Fernbus ein, im Schlepptau gerne einen Einkaufstrolley. Mit ihrer etwas zu groß geratenen, beigen Jacke setzt sie sich neben dich: "Hach, ich mach des jetzt zum erschde Mol mit dem Bus, aber des funktioniert jo super", beginnt sie zu erzählen. Zu den Enkeln soll es gehen, oder sie kommt von den Enkeln, irgendwas hast du durch deine Kopfhörer gerade noch verstanden. Irgendwie süß, aber auch nervenaufreibend: Dass du lieber deine Ruhe haben möchtest, scheint sie nicht zu bemerken und erzählt weiter. Ja, mit so einer Mitfahrgelegenheit, das habe sie auch schon gemacht, wirklich nette Leute, ein echtes Abenteuer sei das gewesen.

6. Der Privatsphäre-Missachter

Der Bus ist proppenvoll und so gut wie alle Plätze sind besetzt. Einzelsitzplatz? Fehlanzeige. Der Doppelsitz muss mit einem anderen Mitfahrer geteilt werden. Nun sollte im Idealfall der Anstand einsetzen. Also: Die Sachen nach unten an die Füße stellen, dem Sitznachbarn genügend Platz lassen und ihn vor allem möglichst nicht zu Nahe kommen. Dieser Typ kennt aber keine Privatsphäre. Er rückt einem auf die Pelle, nimmt anderthalb Sitzplätze ein und lehnt sich im besten Fall noch am Nachbarn an. Zudem ist er ein sehr aktiver Mensch, kann nicht still sitzen und stößt einen bei seinen Bewegungen ständig mit dem Ellenbogen an - er selbst bekommt von alledem nichts mit.



7. Die Jungs von der letzten Reihe

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Auwärtssieeeg!" Wer mit solchem Gegröle in den Fernbus steigt, kennt zwei Ziele: Die letzte Reihe im Bus und das Fußballstadion. Die Jungs von der letzten Reihe zischen Dosenbier, proleten herum oder schnarchen im Alkoholdelirium. Egal was, sie nerven ungemein alle anderen. Im Zug würde man das Abteil fluchtartig verlassen, im Bus ist das schwierig.

8. Die Klima-Freaks

Draußen herrscht eine Bullenhitze, da freut man sich doch in den klimatisierten Fernbus einzusteigen und für ein paar Stunden entspannen zu können. Nicht aber mit einem Klima-Freak als Sitznachbarn. Er stellt den Regler auf gefühlte minus zehn Grad ein und positioniert ihn natürlich genauso, dass das Ausweichen vor dem frostigen Luftstrom unmöglich ist. Die Klima-Freaks halten aber auch keinen Winterschlaf. Wenn draußen sowieso schon eine Eiseskälte herrscht, vergnügen sie sich trotzdem munter an der Klima. Da hilft auch die Winterjacke nicht ...

9. Die Sitz-Blockiererin

Nichts spricht eine deutlichere Sprache als eine Tasche auf einem leeren Sitz: Ich möchte hier ALLEINE sitzen! Die Sitz-Blockiererin will ihre Ruhe und ihrem Platz. Mit passiv-aggressiver Langsamkeit macht sie den Platz erst auf laute Nachfrage frei. Besonders dreiste Blockiererinnen antworten aber mit einem "da kommt noch jemand". Es kommt dann aber niemand. Nie.



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