Dienerinnen Gottes

Helena Häußler

Das sind die Schwestern Melissa (links, 19) und Anna Schlenker (16). Sie sind Messdienerinnen in der Gemeinde St. Peter und Paul in St. Georgen. Bei fudder erzählen sie die ganze Wahrheit: über einen kotzenden Kollegen, der zuviel Weihrauch abbekam, ihr Verhältnis zum Pfarrer und die Blicke der Mitschüler beim Thema Messdienst.



Melissa besucht die 13. Klasse der Merianschule, Anna geht in die 11. Klasse des Walter-Eucken-Gymnasiums.

Melissa, Anna, warum seid ihr Messdienerinnen geworden?

Melissa: Nach der Kommunionvorbereitung haben die Gemeindevertreter versucht, uns das Ministrieren schmackhaft zu machen. Wir waren ein relativ großer Jahrgang und dann beschlossen wir alle zusammen, Ministrant zu werden. Ich ministriere jetzt seit acht Jahren.

Anna: Und ich seit fünf Jahren. Ich fand auch wichtig, dass man dann mitkommen darf aufs Mini-Lager.



Welche Aufgaben habt ihr im Messdienst?

Melissa: Wir sind verantwortlich für die Kollekte, also den Klingelbeutel. Den müssen wir einsammeln. Außerdem müssen wir dem Pfarrer das Buch halten, wenn er das Gebet spricht. Das nennt man Libroferar, kurz Libro. Außerdem müssen wir den Kelch zum Altar bringen und klingeln. Wir klingeln vor den Wandlungsworten und zur Elevation. Und dann gibt’s noch den Akkulut. Da bringt man Wein, Wasser und die Brotschalen an den Altar.



Sind euch bei diesen Aufgaben auch mal Fehler unterlaufen?

Melissa: Ja, das waren schon einige dabei. Es war einmal der Fall, dass ich Wein und Wasser verwechselt habe und der Ministrant dem Pfarrer bei der Händewaschung den Wein über die Hände gegossen hat. Zweites Beispiel:  An einem Gründonnerstag war es absolut still in der Kirche, weil jeder für sich gebetet hat. Dann musste einer sehr laut pupsen und es hat wirklich jeder gehört. Die ersten Reihen haben sich das Lachen sehr krampfhaft verkneifen müssen. Oder ein anderes Mal...

Whow, das hört ja gar nicht mehr auf...

...hatten wir so kleine Hocker, die man zusammenstecken muss. Dann ist einer mit dem Hocker eingeklappt. Ein anderes Mal ist hinten am Gewand des Pfarrers eine Spinne hochgekrabbelt. Er merkte es nicht. Da er gerade das Gebet sprach, konnten wir ihn auch nicht darauf aufmerksam machen.

Anna: An Weihnachten hat ein Ministrant mal in den Leuchter gekotzt, weil ihm vom vielen Weihrauch schlecht wurde.

Melissa: Umgekippt sind auch schon einige. Zum Beispiel in der Osternacht, frühmorgens. Der hat auch zu viel Weihrauch abgekriegt. Ihm wurde schwindelig und dann kippte er um.



Wie viele Ministranten seid ihr in eurer Gemeinde?

Melissa: Zwischen 40 und 50.

Wieviele davon sind Mädels?

Melissa: Mehr als die Hälfte.

Inwiefern arbeitet ihr mit dem Pfarrer zusammen?

Melissa: Die Zusammenarbeit ist nicht besonders intensiv, da viel über unseren Jugendreferenten Jörg Winter läuft. Ansonsten sind es eher die Oberministranten, die ab und zu mit dem Pfarrer sprechen. Bei uns ist das eher seltener der Fall.



Wie ist euer Verhältnis zum Pfarrer?

Melissa: Nicht unbedingt das allerbeste. Oft hat man das Gefühl, man ist eher der Diener vom Pfarrer anstatt der Diener Gottes. Ich möchte nicht sagen, dass er  uns von oben herab behandelt. Aber manchmal ist seine Behandlung von uns nicht ganz angebracht, finde ich.

Gibt euch der Pfarrer nach dem Gottesdienst ein Feedback?

Melissa: Seit kurzem bedankt er sich manchmal nach dem Gottesdienst bei uns. Wenn es gut lief, meint er: "Es war toll und schön, dass ihr da wart." Wenn mal jemand falsch geklingelt hat, dann kommt hinterher der Oberministrant und zeigt einem den richtigen Einsatz.



Bekommt ihr Geld fürs Ministrieren?

Melissa: Nein.

Anna: Doch, bei Hochzeiten.

Melissa: Ja, vom Brautpaar, aber da ist es auch relativ selten geworden. Manchmal kriegen wir auch bei einer Taufe etwas. Früher haben wir mehr bekommen.

Wie reagieren eure Mitschüler, wenn ihr erzählt, dass ihr ministriert?

Melissa: Die meisten wissen gar nicht, was das ist. Viele gucken dich auch etwas komisch an, wenn sie erfahren, dass du immer noch ministrierst. Und sie sagen: "Früher habe ich das auch gemacht, aber schon längst aufgehört. Wieso bist du denn da immer noch dabei?"



Was hat der Oberministrant bei euch zu sagen?

Melissa: Der OMI übernimmt die Einführung der neuen Minis. Außerdem sind sie bei uns im Jugendausschuss tätig leiten meist die Minilager. Bei Festgottesdiensten, an Weihnachten oder Ostern, leiten sie dann die Probe und sind dafür verantwortlich, dass alles gut läuft.

Melissa, du leitest eine KJG-Gruppe für Mädchen um die 14. Warum?

Melissa: Weil ich früher auch in einer KJG- Gruppe war und damals eine super Gruppenleiterin hatte. Ich besuchte einen Grundkurs und bekam dort zusätzliche Motivation, eine Gruppe zu übernehmen; um für Jugendliche einfach da zu sein und ihnen etwas zu bieten in ihrer Freizeit.

Ist das nicht stressig neben der Schule? Du machst ja bald Abitur.

Melissa: Schon. Aber es bietet auch einen Ausgleich zur Schule und ich habe es eigentlich immer genossen, in der KJG zu sein.

Anna: Genauso geht es mir auch.

Kommen auch Jugendliche in euren Gottesdienst?

Melissa: Die einzigen jungen Leute, die sonntags ab und zu da sind, sind Kleinkinder. Zum Jugendgottesdienst kommen auch mal ein paar Jugendliche. Aber es  stimmt schon, dass immer weniger Jugendliche in die Kirche gehen.

Anna: Vor allem freitags und samstags.

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