Die Zukunftspläne fünf Freiburger Abiturienten

Sonja Kättner

In Freiburg haben dieses Jahr gleich zwei Jahrgänge die Abiturprüfungen hinter sich gebracht – insgesamt 1606 Schülerinnen und Schüler an Freiburgs privaten und öffentlichen allgemeinbildenden Gymnasien, dazu 658 an den beruflichen. Aber wie geht es nach offizieller Entlassung und Abiball für die Jugendlichen weiter? Fünf Abiturienten erzählen von ihren Zukunftsplänen.

 

Philipp Ebert


18 Jahre, Rotteck-Gymnasium

"Direkt nach dem Abi habe ich angefangen, im Waldrestaurant St. Valentin zu kellnern. Das macht echt Spaß und so kann ich mir ein bisschen Geld für meine Reise zusammensparen. Im September fliege ich nämlich nach Australien, um dort „work and travel“ zu machen, also zu reisen und zu arbeiten.

Ich freue mich schon total darauf, aber bis es soweit ist, muss ich noch viele Dinge organisieren: Ich muss ein Visum beantragen, mich um eine Krankenversicherung kümmern, den Flug buchen und für die ersten Nächte eine Jugendherberge finden. Außerdem will ich schon einen englischen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben vorbereiten, die kann ich dann später bei Arbeitsvermittlungen oder Arbeitgebern direkt abgeben.

Da ich schon Erfahrung im Gastronomie-Bereich habe, habe ich da vielleicht ganz gute Chancen, aber ich kann mir auch gut vorstellen, „typische“ Backpacker-Jobs wie Feldarbeit oder Erntehelfer anzunehmen. Das Reisen sollte natürlich auch nicht zu kurz kommen! Ich will unbedingt noch was von der Welt sehen und mein Englisch verbessern, bevor ich dann zum Wintersemester 2013 ein Jura-Studium anfangen möchte."

Meike Beelitz


18 Jahre, Kepler-Gymnasium

"Ab September mache ich ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Südafrika, in der Nähe von Kapstadt. Ob es in einem Kindergarten oder an einer Schule sein wird, weiß ich noch nicht genau, aber auf jeden Fall mit Kindern. Da ich total gerne was mit Kindern mache und Südafrika mich fasziniert, ist dieser Freiwilligendienst perfekt für mich – unterstützt werde ich dabei von der Trägerorganisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“.

Ich war zwar selber nicht auf einer Waldorf-Schule, aber im August haben wir ein zehntägiges Vorbereitungs-Seminar, wo wir viel über die Waldorf-Pädagogik, aber auch über das Land und die Kultur lernen. Bevor es losgeht, muss ich mir noch einen Förderkreis aufbauen, also Spender finden, die mich während des Jahres finanziell unterstützen. Es ist gar nicht so einfach, 1800 Euro zusammenzukriegen!

Außerdem kellnere ich im Restaurant Zum Tuniberg und will ansonsten die restliche Zeit hier dafür nutzen, meine Familie, meine Freunde und meinen Freund so viel wie möglich zu sehen. Es gibt noch so viel, was ich in den nächsten zwei Monaten mit ihnen unternehmen möchte, dass es oft schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen."

Nadja Schmidt


19 Jahre, Theodor-Heuss-Gymnasium

"Diese Woche fahre ich mit 80 Leuten aus der Stufe auf Abifahrt nach Korfu. Da werden wir zehn Tage lang ausspannen und feiern, dass wir den ganzen Lernstress hinter uns haben! Wenn ich wieder zurück bin, werde ich für ein halbes Jahr im Europa-Park arbeiten und mich um die Gästebetreuung, also Anfragen, Tischreservierungen und so weiter kümmern.

Ich wurde vor Kurzem eingearbeitet und Mitte Juli wird ein neues Hotel im Europa-Park eröffnet, in dem ich dann fünf Tage die Woche arbeiten werde. Da dort viele internationale Gäste sind, kann ich gleichzeitig meine Englisch- und Französischkenntnisse trainieren. Wenn ich im Januar fertig bin mit arbeiten, möchte ich drei Monate lang durch Australien und Asien reisen. In Australien würde ich außerdem gerne ein Praktikum im Sprachenbereich machen, zum Beispiel in einem Übersetzerbüro.

Denn ich will später auf jeden Fall was mit Sprachen machen und wenn es klappt, zum Wintersemester 2013 in Germersheim Übersetzen und Dolmetschen studieren. Vielleicht kann ich ja damit eines Tages in einer EU-Institution arbeiten"

Leon Alan


18 Jahre, Kepler-Gymnasium

"Im Moment habe ich mehrere Nebenjobs, um Geld zu verdienen. Ich arbeite für ein paar Tage in der Arzt-Praxis meines Vaters am Empfang und helfe einem Landschaftsgärtner bei der Gartenarbeit, also beim Beete anlegen, Mauern ziehen und so weiter.

Die Arbeitszeiten sind sehr flexibel, sodass ich zwischendurch auch einfach ein bisschen das Leben nach der Schule genießen kann. Anfang November fliege ich mit einem Freund nach Neuseeland, wo wir sechs Wochen lang reisen werden. Von dort aus fliegen wir dann nach Australien und wollen fünf Monate „work and travel“ machen. Danach geht es noch weiter nach Asien, so lange, wie das Geld reicht. Ich bewerbe mich aber jetzt schon für Medizin, damit ich mir das Auslandsjahr als Wartesemester anrechnen lassen kann. Mein Abischnitt reicht nicht aus, um direkt einen Studienplatz zu bekommen, aber durch die Wartesemester wird er angehoben.

Wenn es danach immer noch nicht klappt, mache ich vielleicht noch ein FSJ. Sollte ich wider Erwarten doch schon eher einen Studienplatz bekommen, würde ich ihn auf jeden Fall annehmen und eben doch nicht reisen oder schon eher zurückkommen. Denn da ich schon immer eine Vorliebe für Bio und Naturwissenschaften hatte, aber gleichzeitig was mit Menschen machen möchte, ist Medizin einfach optimal für mich."

Lea Torcelli


18 Jahre, Rotteck-Gymnasium

"Meine Leidenschaft ist das Theater, das auch jetzt schon einen Großteil meiner Freizeit einnimmt. Ich habe mich für das Theater-Projekt „Theater Total“ in Bochum beworben, da lernt man ein Jahr lang Theaterarbeit von A bis Z: Schauspiel, Regie, Bühnentechnik, Kostüm, Kunst, Musik.

Das hört sich perfekt für mich an, da ich zwar auf jeden Fall am Theater arbeiten möchte, aber noch nicht ganz genau weiß, in welchem spezifischen Bereich. Dort bekommt man von allem was mit und arbeitet von vorne bis hinten an einem Stück, mit dem man danach zwei Monate durch ganz Deutschland tourt. Aber ich weiß leider noch nicht, ob es klappt, denn der Aufnahmeworkshop ist erst im Juli.

Meine Alternative ist, nach Berlin zu gehen und dort ein Jahr ein Praktikum an einem kleinen Theater zu machen. Die Stadt fasziniert mich irgendwie total und da ist kulturell einfach so viel los, dass sich dort bestimmt was findet. Falls alle Stricke reißen, traue ich mir sogar zu, einfach jetzt schon mein eigenes Ding zu machen und selbst ein Projekt ins Leben zu rufen. Danach will ich mich für den Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ in Hildesheim bewerben, der ist sehr vielseitig und als Nebenfach könnte ich Kunst wählen, meine zweitgrößte Leidenschaft."

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  [Fotos: Thomas Kunz]