Die Zeit nach der WM: Und was jetzt??

Adrian Hoffmann

Viele Fans sind die nächsten Tage erst Mal niedergeschlagen, am Boden, verzweifelt, gelangweilt, verstört, ahnungslos, traurig, wütend, aggressiv, einfach deprimiert. Die WM ist vorbei. Ja. Vorbei. Wir haben uns von Gunter A. Pilz, Soziologe und bekannter Fanforscher aus Hannover, therapieren lassen. Aber er ist nicht wirklich auf unsere Probleme eingegangen. Ein Interview:



Und was sollen wir jetzt bitteschön tun?

Gunter A. Pilz: Alles, was Sie die letzten vier Wochen nicht getan haben oder was Sie vernachlässigt haben. Nehmen Sie sich Zeit für die Familie, für Freunde. Ich würde die WM in Gedanken Revue passieren lassen und diese Zeit noch einmal genießen.

Ich bin trotzdem sehr traurig. Die WM ist vorbei?

Pilz: Gehen Sie in sich. Und freuen Sie sich auf die Bundesliga. Die beginnt in vier Wochen, und wie heißt es doch so schön: Vorfreue ist die schönste Freude. Man kann ja nicht endlos feiern, dafür reicht die Kondition nicht. Viel wichtiger als das Erleben selbst ist das Nachbereiten, freuen Sie sich an den letzten Wochen. Im übrigen sollten wir vom positiven Denken Klinsmanns etwas lernen, der würde nie in eine solch depressive Stimmung verfallen.

Wie soll ich mich daran freuen? Die Italiener sind Weltmeister. Schlimm, oder?

Pilz: Ach. Ich weiß gar nicht, ob ich das schlimm finden soll. Nach dem, jetzt hätte ich fast gesagt: Attentat von Zidane, war ich für Italien. Das ist unsportlich gewesen. Gestern hat die glücklichere Mannschaft gewonnen, aber Italiens Sieg gegen Deutschland war verdient.

Wird die Bundesliga von der WM-Euphorie profitieren?

Pilz: Mit Sicherheit kann sie davon profitieren. Inwiefern sie das positive Image des Fußballs nutzt, wird man dann sehen. Vor der WM haben die Ultras gesagt, dass sie sich ihr versagten, wegen der Kommerzes und weil sie sich darin nicht wiederfänden. Wenn sie das auch getan haben, dann müssen sie lernen zu akzeptieren, dass sie nicht das Monopol für positive Stimmung und Atmosphäre im Stadion haben und wenn sich dies im Bundesligaalltag fortsetzt, dann können wir uns auf eine tolle begeisternde Bundesligasaison freuen.

Zu welcher Gruppe zählen Sie sich?

Pilz: Nicht zu den Ultras. Ich bin ein ganz normaler Fußballanhänger.

Wie gehen Sie dann selbst damit um, dass die WM schon vorbei ist?

Pilz: Um ehrlich zu sein, habe ich mir schon vorher den 10. Juli herbeigesehnt. Weil ich so viel Arbeit hatte in den letzten Wochen. Aber im Laufe der WM bin auch ich immer begeisterter geworden?

Und trotzdem: Die WM ist vorbei. Das ist Fakt, und das ist ein schlimmer Fakt.

Pilz: Ich gehe jetzt erst mal sechs Wochen nach Norwegen und zehre von den vielen positiven Eindrücken und es gibt auch noch was anderes als Fußball. Wirklich wahr. So öde ist der Alltag doch gar nicht und er wird uns schneller wiederhaben, als manch einem lieb ist.