Die WTF-Demo: Eine Innenansicht

Friederike Grasshoff

Reichlich internationale Presse und Polizei begleiteten am Freitagabend die "What the fuck?!"-Demo durch die Innenstadt. Friederike ist für fudder mitgelaufen. Eine Momentaufnahme.



Kurz vor 20 Uhr, Hauptbahnhof.
Vor dem Hauptbahnhof tanzen zwei weiße Engel auf Stelzen zu „Highway to Hell“; wild gestikulierend werfen sie sich für die Fotografen in Pose, winken den anderen Demonstranten zu. Nicht alle sind so öffentlichkeitswirksam verkleidet: Zwar schreit ein Mädchen im selbstgemachten Ganzkörperkondom „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“, die meisten Papst-Gegner sind aber in Alltagsmontur angerückt.


Mehr als 400 Menschen protestieren am Freitagabend friedlich gegen den Papstbesuch in Freiburg; begleitet werden sie von einem großen Polizeiaufgebot und einem Schwarm von Journalisten. Organisiert wurde die unangemeldete Demo vom „What the fuck?!“-Bündnis Freiburg, das beim Protestlauf vom Siegesdenkmal bis in die Belfortstraße unter anderem die Sexualmoral der katholischen Kirche und die hohen Kosten des Papst-Besuches anprangert.

Nicht nur über eine überforderte Autoanlage äußert sich die Kritik („Wir sind gekommen, um zu stören“) der Papstgegner – selbst kleine Kinder laufen mit Umhängeschildern herum, auf denen „Mein Vater mordet nicht“ steht.



Von solcher Feierstimmung ist zu Beginn der Demo noch keine Spur: Eine recht überschaubare Menschenmenge wartet über eine Stunde am Siegesdenkmal darauf, dass es losgeht. Dazwischen auch Nico Schilhabel (Bild unten), der sich über den hohen Besuch wie folgt empört: „Jeder soll leben wie er möchte!“.

Er sei vor allem auf die Demo gekommen, um gegen die Diskriminierung von Homosexuellen zu protestieren, so der 14-Jährige. Später sieht man ihn am Kopf der Menschenschlange. Der Anführertrupp skandiert „Hättʼ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“