Die Wilden Engel: Stimmungsmacher in St. Märgen

Katharina Wenzelis

Die Wilden Engel, das ist eine Live-Coverband aus dem Schwarzwald. Fast jedes Wochenende sind sie unterwegs, um ihr meist ländliches Publikum zum Feiern zu bewegen. Vergangenes Wochenende haben sie in der Schwarzwaldhalle in St. Märgen gespielt. Katharina war beim Partyspektakel auf dem Land dabei.



Am Samstag Abend gegen 22 Uhr ist nicht viel los auf der Landstraße Richtung St. Märgen. Im Schnitt kommt einem nur alle fünf Minuten ein Auto entgegen, ansonst gibt es hier nur Wiesen und Bäume. Aber in St. Märgen herrscht dann doch ein reges Verkehrsaufkommen, der Parkplatz vor der urigen Schwarzwaldhalle ist gerammelt voll und vor dem Eingang steht eine lange Menschenschlange.




Die Halle ist gut gefüllt, als die Wilden Engel gegen 22.30 Uhr mit dem Song "Rockstar" von Pink die Bühne stürmen und ihr vierstündiges Live-Konzert beginnen. Die Band besteht aus insgesamt acht Mitgliedern; fünf Musikern, einem DJ und zwei Sängerinnen. Alle sind zwischen 28 und 40 Jahren alt.

Das Outfit ist eher locker-rockig: zerrissene Jeans, große Glitzergürtel und bunt bedruckte T-Shirts. Die Musiker tragen gegelte Frisuren, Sonnenbrillen, Ohrringe und Lederarmbänder. Der Schlagzeuger sieht ein bisschen aus wie DJ Ötzi. "Wir sind alle Vollblutmusiker und mit Herz und Seele dabei", sagt Sebastian, der 28-jährige Sänger, Gitarrist und Manager der Band.



Mit 90 Auftritten im Jahr, Tendenz steigend, ist die Coverband erfolgreich. "Unser Konzept kam von Anfang an gut an", sagt Sebastian. "Beim Weltcup Skispringen in Titisee-Neustadt hatten wir vor sechs Jahren unseren ersten Auftritt." Trotz eines Stromausfalls und einer durch eine Nebelmaschine verursachten vorübergehenden Blindheit hatten die Wilden Engel nach diesem Auftritt eine Menge Booking-Anfragen.



Zum Zeitpunkt des Skispringens gab es die Band gerade seit ein paar Wochen. Sebastian hat die Wilden Engel gegründet, nachdem er mehrere Jahre in der Volksmusikbranche tätig war und seiner Plattenfirma seine Musikwünsche zu rockig und modern wurden.

Am treffendsten ist wohl die Bezeichnung Querbeet, um die Musikrichtung der acht Musiker zu beschreiben. Punk, Rock, Pop, Deutsch oder Englisch, von allem ist etwas dabei.



Genauso gemischt wie die Musik ist auch das Publikum in St. Märgen. Von Teenies, die, so wie es scheint, ihre ersten Disko-Erfahrungen sammeln, über Jugendliche bis hin zu einigen älteren Leuten ist alles vertreten. Leute stehen an der runden Holzbar, trinken ein Bier und schauen sich den Auftritt erstmal aus sicherer Entfernung an. Vorne an der Bühne stehen einige meist jüngere Besucher und tanzen schüchtern zur Musik.

Die Wilden Engel scheinen ihr Handwerk als Stimmungsmacher zu verstehen. Die Temperatur in der Holzhalle steigt mit jeder Minute an, genauso wie die anfangs noch etwas schläfrige Stimmung. Sie animieren ihr Publikum zum Klatschen, Springen, Schunkeln und Mitsingen. Gegen Mitternacht schwingt fast jeder Besucher das Tanzbein.



Nach Pink's "Rockstar" folgen Songs von Nena, Green Day, Madonna und Kid Rock. Bei diesem turbulenten Musik-Mix scheinen einige Besucher ein wenig aus ihrem Tanzkonzept zu kommen. Oder ist der zunehmende Promillegehalt schuld daran?

Spätestens beim Neue-Deutsche-Welle-Hit "Skandal um Rosi" ist der Knoten auch bei den Letzten geplatzt.



In der Mitte der Halle thront der Wilde-Engel-DJ auf einem Podest, umringt von jeder Menge Technik. Ein weiterer Mann dreht dort an Hebeln und Knöpfen, kümmert sich um die aufwendige Bühnen- und Lichtshow. Zu jedem Song gibt es die passenden Effekte. Mal fliegen Flugzeuge über die drei Leinwände, beim nächsten Song ist alles in einen blauen Sternenhimmel verwandelt, dann erscheint die Bühne in einem Bacardi-Palmen-Strandstyle.



Die Show der Wilden Engel wirkt routiniert, jeder weiß, wann er wo zu stehen hat, wie er zu tanzen hat und welche Mimik und Gestik zu welchem Song gehört. Man merkt, dass die Wilden Engel diese Show nicht zum ersten Mal aufführen, und spürt, dass hinter der lockeren Show eine ganze Menge Arbeit steckt. Die Bandmitglieder scheinen konzentriert, aber auch mit viel Spaß bei der Sache zu sein.

Sebastian erklärt, dass es nicht immer einfach ist große Menschenmengen in Stimmung zu bringen. "Die Leute in der Schweiz wollen was anderes hören als die in Bayern und man muss unterscheiden, ob man in einer Halle oder einem Bierzelt spielt. Die Bayern mögen es beispielsweise rockig, dort spielen wir viel Metallica und dergleichen. In Bierzelten gilt das Motto: "Tassen hoch!" dort spielen wir Schlager, Ballermann und Apres-Ski-Musik."



Die Band steht voll dazu eine Coverband zu sein. "Wir haben nicht die Absicht eigene Songs zu schreiben. Das Wichtigste ist für uns der Spaßfaktor", sagt der Bandgründer. Aus diesem Grund gibt es auch noch keine CD der Engel. "Wenn wir mal etwas aufnehmen, dann eine Live-CD, eine Studioaufnahme macht für uns keinen Sinn, denn wir sind eine Coverband, die Originalaufnahme gibt es ja schon."



Die Wilden Engel sind jedes Wochenende in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihrer Show "Lebe leichter" unterwegs, dabei spielen sie meist in der Provinz, gelegentlich in kleinen Städten. "Es macht keinen Unterschied, ob man auf dem Land oder in der Stadt spielt. Rock`n`Roll ist überall! Es ist egal ,ob wir vor 50 oder 5000 Leuten spielen, die Hauptsache ist, dass das Publikum abgeht", sagt Sebi.

Wahrscheinlich ist es für eine Coverband leichter auf dem Land erfolgreich zu sein, denn vermutlich haben die Engel dort mehr Zuschauer, als es in der Stadt der Fall wäre. Zu welchem Erfolg eine Coverband kommen kann, zeigt das Beispiel der niederländischen Cover- und Partycombo Hermes House Band, die schon seit über 20 Jahren und mehrfach wechselnder Besetzung besteht.



Jedes Wochenende unterwegs zu sein, das ist sicher auch nicht immer einfach, was motiviert die Wilden Engel? "Wenn alle singen, tanzen und Party machen, dann haben wir unseren Job gut gemacht. Das ist auch unsere größte Motivation, denn es ist nicht immer einfach die Band und das Privatleben unter einen Hut zu bekommen", sagt Sebi. "Unsere Zeit ist sehr knapp, denn einige von uns arbeiten nebenher noch zu 50 bis 70 Prozent in anderen Jobs und proben müssen wir auch noch mehrmals die Woche."

Der neue Schlagzeuger der Engel eröffnet beispielsweise demnächst eine Schlagzeugschule in Waldkirch. Sängerin Alexandra unterrichtet Gesang und andere Bandmitglieder sind in anderen Berufssparten tätig.
"Unser Leben weicht stark von dem Leben anderer ab, denn wenn für andere Wochenende ist, heißt es für uns Wilde Engel", sagt Sebastian. Aber trotzdem denken die Engel gar nicht daran aufzuhören. "Wir hören erst auf, wenn der erste auf der Bühne tot umfällt oder uns keiner mehr sehen und hören möchte."



Daran ist in St. Märgen nicht zu denken. Bei "I kissed a girl" von Katy Perry animiert Sänger Sebastian die Mädels vor der Bühne zum knutschen und die männlichen Partygäste johlen und klatschen. Doch trotz eines gründlichen Kontrollgangs waren keine knutschenden Girls zu finden.



Mehr dazu:


Web:
Wilde Engel - Offizielle Website

Wilde Engel - Schlaflos-Tour 2007

Quelle: Clipfish

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