Die Wahlkämpfer: Severin Bang engagiert sich für die Piratenpartei

Christina Fortwängler

Was bewegen - das wollen Menschen, die sich im Bundestagswahlkampf für die Interessen ihrer Partei einsetzen. Wir stellen euch bis zur Bundestagswahl junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus Freiburg vor. Warum Severin Bang sich für die Piratenpartei engagiert:



30 Menschen sind an diesem Donnerstagabend zur Krypto-Party „PRISM Break“ gekommen, um sich über Datenspuren im Netz und Verschlüsselungstechniken zu informieren. George Orwell ist auch gegenwärtig – zumindest auf dem Papier. „Big Brother is watching“, mahnt ein Schild neben der Beamerleinwand und weist auf die Anti-Überwachungs-Demo nächsten Samstag hin. Gleich soll es mit dem Vortrag von Direktkandidat André Martens los gehen.


Im Publikum sitzt auch Severin Bang, 22 Jahre alt und seit Februar 2012 Mitglied bei den Piraten Freiburg. Sein parteiliches Engagement hat mit der Veranstaltung heute viel zu tun. „Mein Themengebiet ist das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, sagt der Physikstudent. „Das betrifft die großen Themen wie Vorratsdatenspeicherung oder was jetzt aktuell ist, PRISM und den NSA-Skandal“. Dazu gehöre auf der anderen Seite auch die Möglichkeit, frei zu wählen, wo man sich informiert. Severin Bang ist außerdem Vorsitzender des Bezirksverbands Freiburg, in dieser Funktion aber vor allem für Verwaltungangelegenheiten zuständig. „Ich regle da Orga-Kram. Der Vorstand ist bei den Piraten ein rein organisatorisches Amt und hat keine besonderen politischen Kompetenzen“, sagt Severin.

Was hat ihn dazu bewogen, politisch Stellung zu beziehen? Für Severin war das zunächst eine parteiunabhängige Sache: „Nach meinem Zivildienst habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mich politisch zu engagieren, und das auch wirklich in der Parteienlandschaft“. Für die Piraten entschied er sich dann aufgrund ihrer Themen. Ihn reizt die neuartige Struktur der Piratenpartei, zum Beispiel das horizontal organisierte Parteienmitgliedschaftssystem. „Sobald man Mitglied ist, hat man alle Rechte. Und als Nicht-Parteienmitglied hat man alle Rechte, außer an Parteitagen mit abzustimmen“, sagt Severin. Politische Teilhabe zu ermöglichen, sieht er als Kernidee und Innovation der Piraten. Problematisch könne das aber auch werden – gerade an Parteitagen. „Jeder hat Rederecht, jeder hat das Recht, Anträge zu stellen. Manche missbrauchen das, zwar weit unter 1%, aber dennoch einige“, sagt Bang.

Die Empörung über den NSA-Skandal ist bei der Krypto-Party deutlich spürbar. „Die überwachen doch alles“, sagt ein Mann im Publikum. Dagegen soll heute etwas unternommen werden: Die Piraten schulen in digitaler Selbstverteidigung, es geht um den den Schutz der eigenen Daten im Internet. Für alle Gäste gibt es kostenloses WLan, eine Theke mit Ausschank und kleinen Snacks. Flyer-Auslagen und der Vortrag lassen keine Zweifel offen, dass die Piraten Helfer in der Not sein wollen – mit Blick auf die kommende Bundestagswahl.

Veranstaltungen wie die Krypto-Partys gehören zur Parteiarbeit und aktuell auch zum Wahlkampf. Ab August dürfen die Piraten in Freiburg plakatieren, thematische Info-Stände gibt es durchgehend. Zum Beispiel, als die Bestandsdatenauskunft beschlossen wurde. Wenn es dann auf den Wahlkampf zugeht, wird die Arbeit intensiver. „Wir haben einen festen Infostandplatz wie die anderen Parteien auch. Wo wir jetzt vermehrt Aktionen machen, zum Teil spontan, zum Teil längerfristig geplant“, sagt Severin.

Organisiert sind die Piraten in Freiburg als Piratentreff, der einmal die Woche stattfindet. Die Treffen sind öffentlich und haben im wöchentlichen Wechsel eine Tagesordnung. Die anderen Treffen stehen zur Diskussion und zum Kennenlernen offen. Und wie viele Leute machen mit? „Das ist unregelmäßig. Wir waren zeitweise sogar 30 Leute am Stammtisch. Es schwingt alles um einen harten Kern, der immer da ist.“ Sonst sei es aktionsbedingt, wie eben jetzt zur Bundestagswahl. „Wir werden aus finanziellen Gründen die Plakatierung alleine erledigen. Das macht der Kandidat und das machen die, die Zeit, Lust und Energie dazu haben“, sagt Severin.

Krypto-Partys, Anti-Überwachung-Demos und Netzpolitk – die Piraten müssen sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen. Severin Bang sieht das anders. „Wir sind thematisch wesentlich breiter aufgestellt, als man das in den Medien erzählt“. Die Netzpolitik sei nach wie vor eines der wichtigsten Themen. Trotzdem verstehe er die Piraten als Bürgerrechtspartei mit fortschrittlicher Programmatik in den Bereichen Asyl, Erneuerbare Energien und Schulsysteme – nicht nur für eine junge Zielgruppe. 

Bei seinem Umfeld kommt die Parteiarbeit gut an. Mehr noch, teilweise scheinen sich politische Frustrationen zu lösen, wenn Severin von seinen Eindrücken berichtet. „Ich kriege immer wieder Informationen zugetragen, was mir zeigt, dass Leute sich plötzlich damit beschäftigen, Initiative ergreifen, sich informieren, sich eine Meinung bilden und diese diskutieren“, erzählt er.

Können die Piraten bei der Bundestagswahl die Fünf-Prozent-Hürde knacken? Severin glaubt ja. Weiter spekuliert er aber nicht: „So rational denke ich, dass es keinerlei Relevanz hat, sich über eine Regierungsbeteiligung Gedanken zu machen. Geschweige denn, in führender Position. Wir sind in dem Moment definitiv Opposition. Da sollen wir hin, da gehören wir im Moment hin“.

Zur Person

Severin Bang ist 22 Jahre alt und studiert im 4. Semester Physik auf Bachelor. Er ist Vorsitzender des Bezirksverbands der Piraten Freiburg.

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