Die Wahlkämpfer: Philip Kroner engagiert sich für die SPD

Christina Fortwängler

Was bewegen - das wollen Menschen, die sich im Bundestagswahlkampf für die Interessen ihrer Partei einsetzen. Wir stellen euch bis zur Bundestagswahl junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus Freiburg vor. Warum Philip Kroner sich für die SPD engagiert:



Es ist Donnerstagabend und bestes Sommerwetter – aus dem eigentlich geplanten Tür-zu-Tür Wahlkampf der Jusos ist kurzerhand einer von Decke-zu-Decke am Flückiger See geworden.


„Seid ihr im September in Freiburg?“, fragt Philip Kroner unverfänglich, als er sich einer Gruppe junger Leute nähert. „Sonst würde ich euch was zur Briefwahl erzählen“. Die Jusos, die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, sind heute unterwegs, um Flyer zu verteilen und zur Briefwahl zu ermutigen. Einige tragen rote T-Shirts, bedruckt mit „Team für Gernot Erler“ und „Das Wir entscheidet. SPD“. Ein paar sind in normaler Kleidung da.
Zehn junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer machen mit, darunter auch der Jurastudent Philip Kroner. Er ist seit 2011 Parteimitglied bei der SPD, und kam über das Umfeld der Hochschulgruppe zu den Stadt-Jusos. Warum er politisch aktiv ist? Er möchte etwas verändern. „Mein Engagement soll über den Wahlzettel hinausgehen, ich möchte nicht nur alle vier Jahre ein Kreuzchen machen, sondern Anstöße geben und mich selbst einbringen“, sagt Philip. Der 21-Jährige ist ausgebildeter Campaigner und leitet zusammen mit Julian Egervari das sogenannte Junge Team für Spitzenkandidat Gernot Erler.

Für Philip sind es die Themen der SPD, für die es sich lohnt, Wahlkampf zu machen. Besonders Wohnungspolitik: „Es kann nicht angehen, dass die Mietpreise so explodieren“, sagt Philip. Gerade mit Blick auf Freiburg, wo die Menschen etwa 40 Prozent  ihres Nettoeinkommens fürs Wohnen ausgäben, müsse gegengesteuert werden. Auch im Bereich Familienpolitik hat Philip einen klaren Standpunkt. „Statt einer ‚Ich-fessel-die-Frau-an-den-Herd Prämie’ brauchen wir dringend KITA-Ausbau“, sagt er. Außerdem ist ihm auch die Bildungspolitik der SPD wichtig.

Die Reaktionen auf die Aktion am Flückiger See sind unterschiedlich. „Da brauch ich ja nicht Briefwahl. Ich geh selber wählen“ – „Wann ist Bundestagswahl?“ – „SPD, eher nicht so, Danke!“ Insgesamt kommen die Flyer aber gut an. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Jusos unaufdringlich auf die Menschen zugehen. Wer keinen zugeneigten Eindruck macht, wird nicht bedrängt. „Ich will die Leute nicht nerven. Wenn jemand zum Beispiel telefoniert, möchte ich nicht stören“, sagt Philip Kroner. Außer den roten T-Shirts weißt erst einmal nichts darauf hin, dass die Gruppe für die SPD hier ist. Heute soll es in erster Linie um die Wahlbeteiligung gehen – Parteiinhalte werden nicht unbedingt angesprochen.

Auch das Design der Flyer ist auf den ersten Blick unparteiisch gehalten. Das Foto einer Backpackerin ist auf der Vorderseite zu sehen. Sie sitzt am Strand, ihr großer pinker Rucksack nimmt beinahe die ganze linke Bildhälfte ein. Der Schriftzug "Am Wahlsonntag unterwegs?" steht im unteren Drittel, darunter in klein die Embleme der Jusos, der SPD und der Juso-Hochschulgruppe. Ganz ohne Wahlkampf kommen die Flyer jedoch nicht aus. Noch unentschlossene Wählerinnen und Wähler erhalten auf der Rückseite, neben Infos zur Briefwahl, auch eine knappe Zusammenfassung dessen, was die SPD erreichen möchte.

Dann die große Überraschung: Gernot Erler und sein Pressesprecher kommen zur Aktion dazu. „Schön, dass du kommen konntest“, begrüßt Philip ihn, und duzt den langjährigen Bundestagsabgeordneten wie es unter Genossen üblich ist. Erler begleitet sein Team ein Stück und verteilt auch selbst Flyer. „Der Draht ist gut. Es ist ziemlich cool, dass er immer so ansprechbar ist“, sagt Philip.

Alle zwei Wochen treffen sich die Jusos zur Sitzung – im Wahlkampf gilt das ebenso für das Junge Team. Bei den Sitzungen der Jusos und des Jungen Teams gebe es auch personelle Überschneidungen. „Je heißer die Phase wird, desto öfter werden wir uns treffen und ich fürchte, dass wir die letzten drei Wochen die ganze Zeit aufeinander hocken werden, so dass jeder nach dem 22. erst mal eine Woche in Urlaub fährt“, sagt Philip.

Glaubt man den bisherigen Umfragen, dann genießt die SPD gerade nicht den besten Ruf bei den Wählerinnen und Wählern. Wie schätzt Philip die Debatte um Peer Steinbrück ein? Philip setzt auf die Politik hinter der SPD und nicht auf das Parteiimage. „Es ist ja bei Peer Steinbrück immer das Problem gewesen, dass er gleich niedergemacht wurde, obwohl er bei den Bürgerdialogen und bei den Bürgergesprächen vor Ort besser ankam. Man muss jetzt nicht unbedingt mit ihm einverstanden sein, aber die Politik dahinter, das ist die richtige“, sagt er.

Die SPD und ihr Image erst einmal außen vor lassen. So funktioniere das dann auch im Gespräch mit den Menschen. Bei der Mobilisierung der Freiburger Wähler setzt die SPD vor allem auf den persönlichen Dialog. Details der Strategie will Philip aber nicht verraten. „Es wird viele Tage geben, an denen wir an Türen klingeln und mit den Menschen ins Gespräch kommen wollen. Da geht’s ja gar nicht darum, dass ich da hinkomme und sage, sie müssen jetzt unbedingt SPD wählen“, sagt er. Es stehe eher das im Mittelpunkt, was die Menschen bewegt. Fänden sich dann Schnittpunkte mit dem SPD-Regierungsprogramm, könne man natürlich darauf hinweisen.

Auch über Wahlkampfstände oder spezielle Kampagnen, zum Beispiel eine der Jusos zu Wohnen und Studiumsfinanzierung, soll das erreicht werden. „Darüber hinaus, das kann ich vielleicht verraten, wird es eine ziemlich coole Aktion am Seepark geben und man wird sehen, wie gut die ankommt“, sagt Philip.

Seine Prognose für die Bundestagswahl? Nicht so viel auf die Umfragen geben und auf rot-grün hoffen. „Wir wissen, dass die konservativen Wählerschichten eher informiert sind, eher zur Wahl gehen", sagt er. "Sie können jetzt bereits sagen, dass sie CDU wählen, während das eher links wählende Milieu oft dann auch informiert werden muss. Deswegen gibt es ja auch eine große Kampagne."

Zur Person

Philip Kroner ist 21 Jahre alt und studiert im 4. Semester Jura an der Universität Freiburg. Er ist einer der Leiter des Jungen Teams für Gernot Erler.

Mehr dazu:


fudder-Serie: Die Wahlkämpfer