Die Wahlkämpfer: Erik Gundlach engagiert sich für die FDP

Christina Fortwängler

Etwas bewegen - das wollen Menschen, die sich im Bundestagswahlkampf für die Interessen ihrer Partei einsetzen. Wir stellen euch bis zur Bundestagswahl junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus Freiburg vor. Warum Erik Gundlach sich für die FDP engagiert:



Ein wolkenverhangener Samstagmittag in der Freiburger Innenstadt. Zwischen Juwelier Christ und Bertoldsbrunnen steht eine blaue Regentonne, die bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist. Daneben ein Stuhl. Ein junger Mann in Badehose steigt darauf, taucht langsam ins Wasser ein, lässt nur noch Kopf und Arme hinausschauen und verharrt in seiner Position.


„Mir stehen die Schulden bis zum Hals“, sagt er, als ihn Passanten verwundert ansprechen. Der Mann in der Regentonne heißt Erik Gundlach, ist 24 Jahre alt und Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen (Julis) in Freiburg – der Jugendorganisation der FDP. Eine Woche vor der Bundestagswahl 2013 möchten die Julis mit ihrer Aktion symbolisch ein Zeichen für Schuldenabbau und Generationengerechtigkeit setzen – denn die Bundesrepublik versinkt in Schulden wie Erik im Wasserfass. 

„Schluss mit Schulden! Nur mit uns. FDP“ heißt es auf dem Plakatständer Richtung Straßenbahnschienen, auf dem Direktkandidat Sascha Fiek abgebildet ist. Am Wahlinfostand der FDP gleich nebenan ist er heute auch in persona anwesend, um Wählerinnen und Wähler für die nahende Bundestagswahl zu gewinnen.

So kurz vor der Wahlentscheidung geht es in der Kaiser-Joseph-Straße ohnehin sehr politisch zu. Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aller größeren Parteien sind mit ihren Infoständen vertreten, um noch einmal den Endspurt anzutreten und Freiburg von sich zu überzeugen.

Mit seinem Einsatz heute möchte das auch Erik Gundlach für seine Partei. Seit Oktober 2009 ist er bei der FDP Mitglied und vor allem bei den Jungen Liberalen aktiv, wo er 2012 zum Kreisvorsitzenden gewählt und damit auch kooptiertes Mitglied im Kreisvorstand der FDP Freiburg wurde. In dieser Funktion ist er für die Mitgliederverwaltung, Organisation von Aktionen oder Veranstaltungen zuständig, und besonders jetzt während des Wahlkampfs verstärkt tätig.



Seine Entscheidung für die FDP fiel 2009, sein politisches Interesse geht weiter zurück. Schon während der Schulzeit hat sich Erik mit Politik beschäftigt, belegte dann auch den Politik-Leistungskurs und entschied sich für das Lehramtsstudium Politik und Französisch. Dass aus seiner Neigung mehr wurde, ergab sich mit der Parteiwahl zu Beginn seines Studiums. „Weil mich das politische Geschehen interessiert und es mir Spaß macht, mit anderen zu diskutieren“, sagt Erik. An der FDP gefällt ihm besonders ihr Freiheitsgedanke. „Die FDP ist die einzige Partei, die sich im Zweifelsfalle für die Freiheit des Individuums entscheidet“, sagt er. 

Weil er Lehrer werden möchte, geht er vor allem in Sachen Bildungspolitik mit der FDP konform und ist für ein möglichst vielfältiges Bildungssystem. „Im Idealfall heißt das, dass die Kommunen selbst entscheiden können, welche Schulform sie haben“, sagt er. Sollte eine Kommune eine Gesamtschule wollen, sei die FDP nicht dagegen, aber prinzipiell für ein breites Angebot. „Also Realschulen, Hauptschulen, Gymnasien und berufliche Gymnasien“, sagt Erik. In Freiburg interessieren ihn besonders Themen wie das Alkoholverbot oder die Sperrstunde. „Das sind Geschichten, wo gerade wir Julis dagegen sind. Wir empfinden das als Eingriff in die Freiheit“, sagt er.

Mit ihrer Aktion im Wasserfass ist den Julis die Aufmerksamkeit heute sicher. Es ist Hauptgeschäftszeit und viele Menschen bleiben stehen, machen Fotos oder fragen, was es damit auf sich hat. Von 12 bis 14 Uhr soll die Aktion dauern, Erik übernimmt die erste Schicht, dann wird er abgelöst.

Weitere Junge Liberale sind im Einzugsgebiet der Regentonne unterwegs, um Passanten, die interessiert stehen bleiben, über die Hintergründe der Aktion zu informieren. Dennoch herrscht bei etlichen erstmal Unverständnis, manche verstehen die Aktion auch falsch. „Die FDP geht freiwillig baden“, lautet ein Interpretationsansatz. Die Resonanz ist durchwachsen, ein paar äußern Lob und bleiben am FDP-Stand stehen, um sich zu informieren, aber die Julis müssen sich auch negative Reaktionen gefallen lassen. „Lieber Schulden bis zum Hals als FDP wählen“, sagt etwa eine Frau. 



Im Gegensatz zu den Jugendorganisationen anderer Parteien sind die Julis rechtlich von der FDP getrennt. Die Altersspanne in Freiburg liegt zwischen 18 und 35 Jahren bei 80 Mitgliedern insgesamt. Neben dem Aufhängen der Plakate und den üblichen Wahlkampfständen, wo sie auch stark eingebunden sind, verfolgen die Jungen Liberalen einen etwas ausgefalleneren Ansatz im Wahlkampf für die FDP. Gerade auch junge Leute soll das ansprechen.

Nächste Woche geht es in die heiße Phase, ein 24-Stunden-Wahlkampf findet statt, wo die Julis den ganzen Tag und auch nachts auf der Kaiser-Joseph-Straße stehen. Am Mittwoch kommt der Vorsitzende des Landesverbands der Jungen Liberalen zu Besuch und eine größere Aktion zum Thema Überwachung soll veranstaltet werden. Hier möchten die Julis in der Innenstadt zeigen, wo Videokameras die Menschen aufzeichnen und Überwachung unbewusst stattfindet.

Bei seinem Umfeld hat es Erik nicht immer leicht, was seine Parteientscheidung angeht. „Man muss sich oft rechtfertigen“ erzählt er. Schlechte Erfahrungen habe er aber noch nie gemacht. „Im Großen und Ganzen sind es immer nette Gespräche, auch wenn ich mit Freunden diskutiere, die wahrscheinlich nie im Leben die FDP wählen würden“, sagt er.

Bei aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl schafft es die FDP nicht oder gerade so über die Fünf-Prozent-Hürde, in Bayern hat es nach der Wahl am Sonntag nicht mehr in den Landtag gereicht. Erik ist dennoch optimistisch und hofft auf einen Niedersachsen-Effekt, also die Zweitstimme vieler Unions-Wähler. Zweistellig hält er für unwahrscheinlich, 8 Prozent seien jedoch vorstellbar. „Es werden sich mehrere Leute noch spontan entscheiden uns zu wählen. Es ist auf keinen Fall aussichtslos“, sagt er. Dass es knapp wird, sei jedoch klar. „Wir geben noch mal Gas“, sagt er.

Seine Arbeit für die FDP steht außer Frage – auch falls die FDP es nicht in den Bundestag schafft. „Ich mache das aus Überzeugung und nicht, um an der Regierung zu sein“, sagt er.

Zur Person

Erik Gundlach, 24, ist seit 2009 bei der FDP Mitglied und vor allem bei den Jungen Liberalen aktiv, wo er 2012 zum Kreisvorsitzenden gewählt wurde. Er studiert Französisch und Politik auf Lehramt und macht gerade sein Staatsexamen.

Mehr dazu:


fudder-Serie: Die Wahlkämpfer