Die Wahlkämpfer: David Vaulont engagiert sich für Die Grünen

Christina Fortwängler

Was bewegen - das wollen Menschen, die sich im Bundestagswahlkampf für die Interessen ihrer Partei einsetzen. Wir stellen euch bis zur Bundestagswahl junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus Freiburg vor. Warum David Vaulont sich für Die Grünen engagiert:



Ein paar Wahlplakate hängen schon an diesem Freitagabend im Freiburger Stadtteil Vauban. An einem Laternenmast ist das Bild von Grünen-Spitzenkandidatin Kerstin Andreae in einer dunkelgrünen Blouson-Jacke zu sehen, sie lächelt. „Beste Chancen für Kinder und Beruf“, lautet der Wahlslogan. Es ist der 9. August 2013, seit 16 Uhr dürfen die Parteien in Freiburg offiziell für die Bundestagswahl plakatieren und damit für alle sichtbar Wahlkampf betreiben.


Kerstin Andreae (Bild unten) trägt heute keine Parteifarben, dafür aber Turnschuhe und Wahlplakate. Zusammen mit dem Vorsitzenden im Kreisverband Jochen Hefer und dem Stadtrat der Grünen Fraktion Tilo Buchholz bildet sie ein Team für die Stadtteile Vauban, Rieselfeld und St. Georgen. Selbst bei der Plakatierung dabei zu sein, lässt sich die stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion nicht nehmen. „Es gehört total dazu und macht einfach Spaß“, sagt sie.

Insgesamt acht Teams mit je drei Personen sind heute für die Grünen in Freiburg unterwegs  – nach getaner Arbeit geht es mit allen Helferinnen und Helfern zum Pizza essen.  

Zuständig für die Plakate am Innenstadtring und für alles Organisatorische drum herum ist der 25-jährige Rechtsreferendar David Vaulont (Bild oben). Er ist Beisitzer im Kreisvorstand und in der Wahlkampfkommission tätig, seine Parteiarbeit ist entsprechend vielfältig. David organisiert Veranstaltungen oder wie heute die Plakatierung, mobilisiert eigene Mitglieder, steht am Infostand oder hängt selbst Plakate auf.

Bevor er Anfang 2005 bei den Grünen Parteimitglied wurde, war er eine Weile bei Junges Freiburg aktiv. Sich politisch zu beteiligen, hat für ihn nie außer Frage gestanden – er möchte für seine Überzeugung einstehen und was bewegen.

"Wir müssen den Blick auf zukünftige Generationen haben"

Für die Grünen entschied er sich, weil ihre Politik seiner eigenen Einstellung am ehesten entspricht. „Es geht einfach darum, mit welcher Partei man die größten Schnittmengen hat“, sagt er. „Da ist ganz klar, dass ich mich am meisten mit der Politik der Grünen identifizieren kann“. Das liegt besonders an ihrem Nachhaltigkeitskonzept – im ökologischen Sinne, aber auch im Bereich des Wirtschaftens mit Ressourcen: „Es muss möglich sein, dass nachfolgende Generationen politisch selbständig handeln können und nicht von Schulden dazu gezwungen werden, gewisse Dinge nicht zu tun oder irgendwo Einsparungen vorzunehmen“, sagt David. „Von daher müssen wir auch jetzt in allen Bereichen immer diesen Blick auf zukünftige Generationen haben.“
Auf Bundesebene setzt er über die Grünen auf eine Stärkung der Bürgerrechte. „Es wäre wichtig, von einem Staat wegzukommen, der nur auf Sicherheit achtet“. Stattdessen solle gerade hinsichtlich der Kommunikation im Internet, aber auch in anderen Bereichen die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger gewahrt bleiben.



Nicht so ein akutes, für David aber noch ein bedeutungsvolleres Thema ist die Europapolitik. Kritisch sieht er vor allem das Hegemoniebestreben Deutschlands innerhalb der Europäischen Union. „Wir haben als Deutsche eine Verantwortung den anderen Staaten gegenüber, da wir auch massiv vom Euro profitiert haben und nach wie vor profitieren“, sagt David „Wir sollten uns nicht so aufführen und immer nur die nationalen Interessen in den Vordergrund rücken, sondern auch den europäischen Gedanken wieder hochhalten“.

1000 wetterbeständige und recyclebare Plakate hängen die Grünen im Wahlkreis auf, etwa die Hälfte davon sind Themenplakate. In gleicher Typografie und farblicher Gestaltung, aber variantenreichem Design setzen sie verschiedene Schwerpunkte. „Was der Bauer nicht kennt, fress ich nicht“, ist neben dem Foto einer Kuh zu lesen.

Ein anderes Plakat zeigt einen Teenager, der trotzig in die Kamera schaut. Daneben steht: „Eure Schulden will ich nicht. Und Du?“. Das Team um Kerstin Andreae ist mit Kabelbindern, Leiter und dem Sprinter von Jochen Hefer dabei, die Plakate an stark frequentierten Plätzen aufzuhängen – meist da, wo Fußgänger und Fahrradfahrer sie gut sehen können. „Wichtig ist natürlich auch, vor den anderen Parteien da zu sein“, sagt Kerstin Andreae. Sie notiert jeden Standort sorgfältig, denn am 23. September sollen alle Plakate wieder abgehängt werden. 

Er hat auch Freunde bei der CDU

Die Organisation in der Wahlkampfkommission läuft über Zuständigkeitsbereiche – ein bis zwei Personen sind meist für einen Bereich, wie zum Beispiel die Plakatierung oder Infostände, verantwortlich. Die zentrale Aufgabe besteht dann darin, entsprechende Leute zu mobilisieren. „Es geht natürlich auch darum, die vielen neuen Mitglieder, die wir in der letzten Zeit gewonnen haben, einzubinden“, sagt David. Denn das Engagement, gerade auch junger Menschen, steige erfahrungsgemäß im Wahlkampf.

Der Wahlkampfauftakt war bereits vor einigen Wochen, mit der Plakatierung beginnt nun die heiße Phase. Neben Infoständen und Veranstaltungen stehen Besuche grüner Politikerinnen und Politker auf dem Programm. Am 15. August war Jürgen Trittin in Freiburg zu Besuch, am 24. August wird Katrin Göring-Eckardt kommen.

Den Grünen wird oft vorgeworfen, alles verbieten zu wollen. Wie steht David dazu? Er glaubt, dass das vom Bereich abhängig und der Vorwurf so pauschal nicht gerechtfertigt ist. Für ein paar Dinge findet er jedoch auch, dass andere Lösungen gefunden werden müssen. Zum Beispiel im Bereich Flugverkehr. „Das Ziel ist vielleicht das richtige, aber der Weg dahin ist falsch“, sagt er. „Bevor ich den Leuten verbieten will, zu fliegen, muss ich Anreize setzen und gucken, dass andere Angebote attraktiv werden“.

Davids Parteiengagement kommt bei seinem überwiegend grün geprägten Umfeld gut an. Er hat auch Freunde bei der CDU – da bleiben politische Diskussionen nicht aus, was David in den meisten Fällen aber konstruktiv findet. „Nur, weil jemand eine andere politische Meinung hat, ist er kein schlechter Mensch“, sagt er. „Der ist genauso engagiert, will auch was bewegen und ist nicht passiv“. Das gelte natürlich nur für die demokratischen Parteien. Bei manchen Themengebieten, wie beispielsweise Atomkraft, kenne man jedoch die Position des anderen. „Gewisse Themen lässt man dann auch“, sagt David. „Wenn man merkt, man kommt auf keinen gemeinsamen Nenner, trinkt man lieber gemeinsam ein Bier“.

Zur Person

David Vaulont, 25, ist Beisitzer im Kreisvorstand der Grünen in Freiburg und in der Wahlkampfkommission aktiv. Er hat Jura studiert und ist seit Oktober 2012 im Referendariat.

Mehr dazu:

 

fudder-Serie: Die Wahlkämpfer