Die Wahlkämpfer: Carolin Jenkner engagiert sich für die CDU

Christina Furtwängler

Was bewegen - das wollen Menschen, die sich im Bundestagswahlkampf für die Interessen ihrer Partei einsetzen. Wir stellen euch bis zur Bundestagswahl junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus Freiburg vor. Warum Carolin Jenkner sich für die CDU engagiert:



Noch eine halbe Stunde, dann kann es an diesem Freitagabend mit der Plakatierung los gehen. Vor der Geschäftsstelle der CDU Freiburg gibt Markus Meißner, Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU), letzte Instruktionen. „Wir haben heute wieder klassischen Wahlkampf“, sagt er, als er dem Team die Spielregeln gemäß der Wahlkampfvereinbarung erklärt. Eine Regel besagt, dass alle Parteien in Freiburg erst heute, am 9. August 2013, ab 16 Uhr ihre Wahlplakate anbringen dürfen, damit Wettbewerbsverzerrung vermieden wird. Mit dem Beginn der Plakatierung wird es jetzt ernst im Freiburger Bundestagswahlkampf 2013.


Die JU, die Jugendorganisation der CDU, übernimmt in der Innenstadt das Aufstellen der Dreiecksständer. Zwei LKWs stehen für den Transport bereit, in zwei Gruppen sollen insgesamt 28 Stationen abgefahren und plakatiert werden. Wer nicht mehr in die Fahrerkabine passt, nimmt einfach bei den Plakaten auf der Ladefläche Platz.

Acht JU-Mitglieder plakatieren heute, darunter auch die 27-jährige Carolin Jenkner. Sie ist seit 2012 Mitglied der CDU und aktuell stellvertretende Kreisvorsitzende der Jungen Union Freiburg sowie Geschäftsführerin des Bezirks Südbaden. Ausschlaggebend für ihr politisches Engagement waren ein allgemeines Interesse, mehr in der Politik zu tun – und die bildungspolitischen Veränderungen nach der Landtagswahl 2011.

Carolin studierte Gymnasiallehramt, entschied sich dann aber gegen die Schule und für eine Promotion in der Mathematik, im Bereich Biostatistik. Problematisch beurteilt sie vor allem die Gemeinschaftsschule als Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem. „Ich habe in Neuseeland mal in einer Gesamtschule unterrichtet und finde es eine sehr starke Herausforderung, so ein breites Spektrum an Leistungsständen zu haben“, sagt sie.

Auf Bundesebene sind die Themen Schuldenabbau und Familienpolitik ausschlaggebend für ihre parteiliche Entscheidung – besonders hinsichtlich Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Gerade als Frau ist es für mich und meine weitere Zukunft interessant, dass man alle Wahlfreiheiten offen hat“, sagt Carolin. Sie ist deshalb grundsätzlich für das Betreuungsgeld neben dem Kita-Ausbau – den aktuellen Auszahlungsbetrag von 150 Euro findet sie jedoch auf keinen Fall ausreichend. Alternativ kann sie sich auch eine Erhöhung des Kindergelds oder eine Anrechnung auf die Rente vorstellen.

Das C im Parteinamen hat für Carolin auf jeden Fall eine Bedeutung: „Wichtig für die CDU sind und waren immer die christlichen Grundwerte. Aber ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass Religion und Staat getrennt werden sollten“, sagt sie. „Die CDU ist ja auch keine Partei, die irgendwelche christlichen Ideologien vertreten möchte, es geht einfach um Werte, die für ein gemeinsames Miteinander eine gute Basis sind“.

Die Gruppe mit Carolin und Markus erreicht die erste Station in der Schnewlinstraße. Dort wird ein Baum in Straßennähe für die Anbringung des Dreiecksständers ausgesucht. Von den Plakaten lächelt Direktkandidat Matern von Marschall den Freiburgerinnen und Freiburgern zu – in der rechten Hand hält er einen Apfel. Unter seinem Namen ist der Schriftzug „Für Sie in den Bundestag“ weiß hervorgehoben. Die Dreiecksständer sind gut geeignet für längliche Objekte wie Bäume oder Laternen, wahllos plakatiert werden darf aber nicht. Das Amt für öffentliche Ordnung schreibt in der Wahlkampfvereinbarung vor, woran sich jede Partei zu halten hat. Plakate an Verkehrszeichen, in Fußgängerunterführungen oder an Einrichtungen der VAG sind zum Beispiel verboten.



Die JU trifft sich in der Regel einmal im Monat, dann werden Veranstaltungen diskutiert und die aktuelle politische Lage, auch auf kommunaler Ebene, besprochen. Immer mal wieder stehen inhaltliche Projekte auf dem Programm. Am vergangenen Mittwoch fand beispielsweise ein Gespräch mit Experten des Frauenhofer Institut für Solare Energiesysteme zur geplanten Energiewende 2020 statt. In Freiburg machen derzeit 30 Aktive bei der JU mit, die Altersspanne liegt zwischen 18 und 30 Jahren. Bei der Jugendorganisation geht es um politische Bildung, aber auch um soziale Aktionen – und aktuell natürlich verstärkt um Wahlkampf. „Wir hatten jetzt im Juli die Wahlwanderung von Herrn von Marschall, da ist er alle Bezirke und alle Kreise abgewandert. Wir haben ihn vor Ort unterstützt“, erzählt Carolin.

Die Reaktionen auf die großangelegte Wahlwanderung waren geteilt, überwiegend jedoch positiv – gerade im ländlichen Bereich. „Es gab bisher, glaube ich, noch keinen Kandidaten, der alles abgewandert ist und so auch mit vielen Leuten ins Gespräch kam“, sagt Carolin. In grünen Stadtteilen begegnete man der CDU hingegen weniger freundlich. „Klar, wenn man durch sehr grüne Viertel in Freiburg läuft, dann trifft man viele Leute anderer Meinung“, sagt Carolin. „Ich finde das dann schade, wenn es Protestaktionen oder so was gibt. Ich bin eher jemand, der für eine gute Diskussion oder guten Austausch ist“.

Neben Infoständen soll jetzt im Wahlkampf auch noch eine größere Kneipentour mit Matern von Marschall stattfinden. Damit möchte die CDU Kontakt zu einem jüngeren Publikum herstellen, was über die Infostände nicht immer möglich ist. Eines der Hauptthemen ist hier die Wohnungssituation in Freiburg. „Da gibt es verschiedene Ansätze“, sagt Carolin. Eine Möglichkeit sei zum Beispiel, den ÖPNV weiter in die Vororte zu verbessern, um auch dort bezahlbaren Wohnraum zu finden.

In den Medien ist dieser Tage der NSA-Skandal Thema Nummer eins. Wie schätzt Carolin dessen Bedeutung für die Wahl ein? „Bisher habe ich den Eindruck, dass es nicht so großen Einfluss hat“, sagt sie. „Jeder von uns ist bei Facebook, und man findet es eigentlich auch nicht so schlimm, wenn die Leute viel über einen wissen“. Richtig sei die Überwachung aber auf keinen Fall – Carolin spricht sich für eine Aufklärung aus, auch was etwaige Rechtsverstöße angeht. Bei der Bundestagswahl spielt der NSA-Skandal für sie letztlich eine untergeordnete Rolle. „Ich glaube nicht, dass es momentan das wichtigste Thema für Deutschland ist auf Bundesebene“, sagt sie. „Da gibt es deutlich wichtigere Themen“.

Zur Person

Carolin Jenkner, 27, ist stellvertretende Kreisvorsitzende der Jungen Union Freiburg und Geschäftsführerin des Bezirks Südbaden. Sie promoviert in Mathematik.

Mehr dazu:


fudder-Serie: Die Wahlkämpfer