Die Wahlkämpfer: Angelina Bühler engagiert sich für Die Linke

Christina Furtwängler

Was bewegen - das wollen Menschen, die sich im Bundestagswahlkampf für die Interessen ihrer Partei einsetzen. Wir stellen euch bis zur Bundestagswahl junge Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus Freiburg vor. Warum Angelina Bühler sich für Die Linke engagiert:

An diesem Donnerstagabend ist das Linke Zentrum in der Wiehre gut besucht. „Von NSU bis NSA – warum wir Geheimdienste abschaffen sollten“ heißt die Veranstaltung, die der Linke Kreisverband zusammen mit der Linken Liste, der Fraktion des Gemeinderats, für heute organisiert hat. Eine Stehlampe spendet gedämpftes Licht, der Raum ist bestuhlt und bis zum letzten Platz besetzt. „100 % Sozial. Die Linke“ ist links an der Wand auf einem Plakat mit Tobias Pflüger zu lesen, der Bundestagskandidat sitzt heute selbst im Publikum.


Auf dem Programm stehen Vorträge von Ulla Jelpke, der innenpolitischen Sprecherin der Linken im Bundestag, und des Stadtrats der Linken Liste Michael Moos. Sie werfen die Frage auf, inwieweit Geheimdiensten angesichts jüngster Entwicklungen überhaupt noch demokratische Legitimation zukommen kann. Dabei geht es um Edward Snowdens Enthüllungen, die rechte Unterwanderung des Verfassungsschutzes in Thüringen und die Anknüpfungspunkte zwischen NSU und NSA. Nach den Vorträgen soll im Plenum diskutiert werden.

Der Wahlkampf ist in vollem Gange und mit Veranstaltungen wie der heutigen möchten die Linken Stimmen für die Bundestagswahl gewinnen. Dafür setzt sich auch die 19-jährige Angelina Bühler ein. Die Studentin der Germanistik und Geschichte ist seit November 2011 Parteimitglied bei den Linken, in der Linksjugend aktiv und im Vorstand des Ring politischer Jugend Freiburg (RPJ) – dem Zusammenschluss der Jugendorganisationen für parteiübergreifende politische Bildung. „Der RPJ soll eine Art Vermittlung zwischen Jugend und Gemeinderat sein“, sagt sie. Als Stellvertreterin im RPJ-Vorstand hat Angelina automatisch auch in der Linken Liste zu tun. Eine breitgefächerte Tätigkeit ist ihr wichtig: „So hat man die Möglichkeit, sich in verschiedene Themen einzuarbeiten“, sagt sie.

Bereits in der Oberstufe wurde aus ihrem politischen Interesse konkretes Engagement, als sie gesellschaftliche Ungerechtigkeiten nicht mehr einfach hinnehmen wollte. Etwa Hartz IV, aber auch soziale Missstände im Ausland. „Ich wollte dagegen was tun oder mich zumindest irgendwie einbringen“, sagt Angelina. „Als ich dann gemerkt habe, dass Organisationen wie Occupy nicht das sind, wonach ich suchte, habe ich mich entschlossen, zur Linken zu gehen.“

Vor allem der Gerechtigkeitsbegriff der Linken war für ihre Parteiwahl ausschlaggebend. Angelina liegen die Themen Migrations- und Asylpolitik besonders am Herzen. Neben der Parteiarbeit in diesem Bereich setzt sie sich bei der Initiative „Zeit für Kinder“ ein, und hat dort eine Patenschaft für ein Kind von Asylbewerbern übernommen. Auch Problemfelder wie Wohnraum und Mietpreise sind für sie bei den Linken wichtig. „Das ist eine unzumutbare Situation in Freiburg“, sagt Angelina.



Im Linken Zentrum beendet Ulla Jelpke ihr Plädoyer gegen Verfassungsschutz und Geheimdienste: „Strukturell bleibt der Verfassungsschutz demokratieunfähig. Er kann die Demokratie nicht schützen“. Die Alternative seien unabhängige Beobachtungsstellen. Tobias Pflüger teilt diese Ansicht. Alles andere als Förderung der Abschaffung sei Verharmlosung, sagt er. Die Empörung im Publikum zum Thema ist groß, die Vorträge werden durch eigene Hintergrundkenntnisse ergänzt. „Das BKA hat eine Nazi-Vergangenheit, die ist unter aller Linie“, sagt ein Mann.

Ein anderer will über die Bestandsaufnahme hinaus kommen und nicht in Verschwörungstheorien verfallen. „Was können politische Strategien der Linken sein?“, fragt er. Die Annahme, der Verfassungsschutz bestehe größtenteils aus Nazis und die Amerikaner müssten sich nur raushalten, dann würde alles gut, findet Julia aus dem Kreisvorstand der Linken zu kurz gegriffen. Es liege in der Natur kapitalistischer Staaten, ihre Bevölkerung zu überwachen. Sie fordert, jetzt trotzdem auf die Straße zu gehen und keine Angst vor Überwachung zu haben. „Am Ende sind wir doch mehr“, sagt sie.

Neben den Vorträgen heute möchten die Linken auch über verschiedene andere Projekte Wählerinnen und Wähler erreichen. Dazu gehört das bundesweite Projekt "linksaktiv", welches auch Nicht-Mitgliedern ermöglichen möchte, die Linke im Wahlkampf aktiv zu unterstützen und sich für ihre Belange einzusetzen. Im Juli fand das erste Mal ein Sommerfest in Weingarten statt, wo Infostände, Essen und Musik zum Dialog einluden. Im September soll eine Fahrradtour aktuelle politische Brennpunkte zeigen, einige große Podiumsdiskussionen mit Direktkandidat Tobias Pflüger stehen ebenfalls noch aus. Am 14. September 2013 wird außerdem Oskar Lafontaine auf dem Rathausplatz sprechen.

Ansonsten läuft klassischer Wahlkampf über Plakate und Infostände – teilweise sehen die aber etwas anders aus als gewohnt. „Wir haben die Infostände ein bisschen aufgepeppt, weil dieses typische Prinzip zwar schon produktiv, aber meistens nicht besonders ansprechend ist“, sagt Angelina. Stattdessen setzen die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer auf Veranschaulichung, so wie bei einem Infostand der Linksjugend am Bertoldsbrunnen, bei dem es um Asylpolitik ging. „Wir haben auf dem Boden mit Sprühkreide aufgezeichnet, wie viel Platz ein Asylbewerber momentan hat“, erzählt Angelina. „Das sind 4,5 qm. Das wurde jetzt zwar geändert, realisieren kann man es aber noch nicht“.

Für die kommende Bundestagswahl schließt die SPD eine rot-rot-grüne Koalition aus –damit bleibt die Linke in der Rolle der Opposition hängen. Was würde Angelina vor diesem Hintergrund ändern wollen? „Ich denke, dass sich in letzter Zeit vor allem die Linke kompromissbereiter gezeigt hat. Jetzt sind die SPD und die Grünen am Zug“, sagt sie. Man müsse gemeinsam einen Schritt nach vorne machen, sich auch mal einigen, um etwas zu verbessern. Bei Themenfeldern wie Rentenpolitik oder Hartz IV, was sie komplett misslungen findet, würde sie jedoch nur bedingt von Parteiforderungen abweichen. Eine Einigung fände sie lediglich vorstellbar, wenn „zumindest ein bisschen was für die Menschen besser wird“, sagt sie.

Ihr Umfeld reagierte zunächst irritiert auf ihr Engagement bei den Linken. „Am Anfang haben alle gedacht, das ist so ne Phase“, sagt Angelina. Mittlerweile erfahre sie aber Zuspruch für ihre Parteiarbeit. „Man hat immer ein ziemlich falsches Bild von der Linken“, sagt sie. „Wenn man dann mal miterlebt, was man da so machen kann und wie miteinander umgegangen wird, sind die ganzen Vorurteile schnell beiseite geräumt.“

Zur Person

  Angelina Bühler ist 19 Jahre alt und studiert Germanistik und Geschichte. Sie ist seit November 2011 Parteimitglied bei den Linken, in der Linksjugend aktiv und im Vorstand des Ring politischer Jugend Freiburg (RPJ).

Mehr dazu:

 

fudder-Serie: Die Wahlkämpfer