Die Verheiraterin

Philipp Aubreville

Am vergangenen Samstag hätte man den neununddreißigsten Jahrestag der Unabhängigkeit der Salomonen von Großbritannien feiern können. Doch 37 Paare in Freiburg hatten an diesem Tag etwas anderes vor: Nämlich Heiraten, am "Schnapszahl-Datum" 7.7.7. Philip hat bei Friedlinde Stöckle, der Leiterin des Freiburger Standesamts, nachgefragt, wie so viele Hochzeiten an einem Tag zu bewältigen sind und warum Leute ausgerechnet an diesem Tag heiraten wollen.



Am Samstag vor dem Freiburger Rathaus. Es ist nicht irgendein Samstag, nicht irgendein 7. Juli, es ist der 07.07.07, ein Schnapszahldatum par excellence. Und wenn der RTL-Teleshop Hochzeiten als Produkte anbieten würde, hieße es an diesem Tag vermutlich: "Nicht ein, nicht zwei, nein! 37 Paare geben sich heute in Freiburg das Ja-Wort!"




"37 Paare, das sind zwei  Paare weniger als bei den beiden Highlights, denr Schnapszahl-Hochzeiten am 8.8.88 und dem 9.9.99", erklärt Friedlinde Stöckle.

Friedlinde ist Leiterin des Freiburger Standesamts und sieht ihrem Arbeitstag allerdings gelassen entgegen. "Normalerweise sind wir zu zweit, heute müssen fünf Leute ran." Trotz dieser Personalaufstockung, wie man sie mit umgekehrten Vorzeichen zuletzt von der Allianz kannte, werden die Paare heute im zwanzig Minuten-Takt getraut.



Dies scheint der Romantik aber keinen Abbruch zu tun, im Gegenteil: Um die Invasion der Turteltäubchen bewältigen zu können, wird an diesem symbolträchtigen Tag nicht nur, wie gewöhnlich, im Rathaus getraut, sondern auch in der naheliegenden Gerichtslaube – einer optimalem Hochzeits-Location.



"Glück für die Paare" denke ich mir, während ich zwei Brautpaare an einem Ort bestaune. Die Gerichtslaube hat ein besonderes Flair, eine Kapelle fiedelt munter herum und das Kopfsteinpflaster ist mit Rosen bedeckt. Ich muss unwillkürlich an Gülcan denken.

Ist die Aussicht, eventuell an einem schniekeren Ort heiraten zu können, etwa der wahre Grund für diese Datumswahl? Oder stimmt das Klischee, die künftigen Ehegatten wollten sich lediglich eine einfache Gedächtnisstütze für den Hochzeitstag konstruieren?

"Es sind nicht nur die Männer, die an diesem Tag heiraten wollen", vermutet Friedlinde. "Die sieben ist eine beliebte Zahl; dazu kommt, dass der Termin auf einem Samstag liegt. Viele wollen eben ein schönes Datum zum Heiraten."

Neben diesen generellen Gründen gebe es allerdings auch die eine oder andere persönliche Motivation: "Wir haben heute ein Geburtstagskind dabei, ein anderes Paar ist heute seit sieben Jahren zusammen."

Die christliche Symbolik von den sieben Todsünden bis zu den sieben Schöpfungstagen spiele allerdings keine große Rolle.
 



Tatsächlich begegnet mir draußen eine offensichtlich muslimische Hochzeitsgesellschaft. Während meine Nachbarin über die Ethnizität des Paares und ihrer Verwandten spekuliert, denke ich darüber nach, was die Gute sagen würde, wenn jetzt eines der beiden homosexuellen Pärchen, die an diesem Tag, nein, nicht heiraten, sondern sich "verpartnern", so das Beamtendeutsch, dort unten stehen würde. Außerdem frage ich mich, ob man sich einen Standardtext zurecht legt, wenn das Wort "Ja" öfter gesagt wird, als beim Länderspiel Deutschland – San Marino.

"Standard sicher nicht-" Friedlinde Stöckle ist zwar Routinier, aber keine Phrasendrescherin: "Es spielt eine große Rolle, was an Ausstrahlung kommt. Aber natürlich kann man nicht immer vermeiden, dass man Wiederholungen im Text hat oder auch mal den selben verwendet, wenn man schon tausende von Trauungen vollzogen hat. Aber ich hab da verschiedenste Bausteine."



Darum ist ihr einer ihrer Tipps für eine Ehe, die Entwicklungspolitiker vielleicht als "nachhaltig" bezeichnen würden, auch nicht in all ihren Texten zu finden: "Man sollte immer versuchen, seine Persönlichkeit zu wahren."

Wer das erst mal üben, aber seine/n Auserwählte/n dennoch möglichst bedeutungsschwanger ehelichen will, hat ja noch ein bisschen Zeit: Bis zum für längere Zeit letzten Schnapszahlen-Termin am 12.12.12 kann man noch fünf mal an einer Massentrauung teilnehmen. 



Mehr dazu:

Standesamt Freiburg: Website