Die Uniwahl 2013: Historisch und absurd

Konstantin Görlich

Völlig unbemerkt geht auch der diesjährige Wahlkampf an der Uni Freiburg nicht an den Studierenden vorbei. Dafür ziert viel zu viel viel zu buntes Papier sämtliche Unigebäude. Und doch ist diese Wahl ebenso historisch wie absurd. Warum, erklärt Konstantin. Fast ohne sich aufzuregen:



Historisch ist die Uniwahl, weil es die erste Wahl seit der Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft (VS) ist. „Verfasst“ kommt hier von Verfassung – eine solche haben sich die Studierenden im Sommer nach zwei Urabstimmungen gegeben. In der Stichwahl hatte sich das schon zuvor auf Rang eins gelandete „Neue Mischmodell – der Kompromiss“ mit dramatischen 66 Prozent als Siegerentwurf durchgesetzt.


Absurd ist sie, weil ein kleines, aber entscheidendes Detail in der Satzung des Neuen Mischmodells die Wahlen zum neuen Studierendenrat (StuRa) zur Farce degradieren. Dem StuRa gehören 33 Vertreter der 33 neuen Fachbereichsvertretungen an, deren Wahl aus den bisher bekannten Fachschaften heraus bislang reine Formsache ist. Dazu gesellen sich ganze 10 Abgeordnete von universitäts- und nicht nur fachbereichsweit antretenden Listen, also beispielsweise von Hochschulgruppen der Parteien.

Genau hierbei kommt ein völlig zu Recht völlig unbekanntes Wahlverfahren zum Einsatz: das Adams-Verfahren. Sein wichtigster Effekt: Keine Liste bekommt einen zweiten Sitz, bevor nicht jede andere Liste, die mindestens eine Stimme bekommen hat, nicht auch einen Sitz bekommen hat. Klingt komisch, ist aber so. Jede Liste, die mindestens eine Stimme bekommt, bekommt auch einen Sitz.



Nun ist es in diesem Jahr zu allem Überfluss auch noch so, dass die Politszene an der Uni mit schlafwandlerischer Sicherheit auf genau zehn Listen gekommen ist, die sich um die zehn Sitze bewerben. Das bedeutet – ernsthaft – dass jede Liste genau einen Sitz erhalten wird. Und es gibt nichts, was die Wählerinnen und Wähler dagegen tun können. Damit ist es völlig egal, ob die „Jusos“ drei Prozent oder 93 Prozent erhalten, ob die „Alternative gegen Deutschland“ zehnmal so viele Stimmen erhält wie die „Liberale Hochschulgruppe“ oder ob (außer den Listenkandidaten, wegen der einen Mindeststimme) überhaupt irgendjemand zur Wahl geht.

Bei der letztgenannten Konsequenz hört der Spaß jedoch auf: Es ist nur eine der insgesamt vier Abstimmungen, der die eigene Satzung auf diese absonderliche Weise selbst ein Bein stellt! Neben den Organen der VS, also Fachbereichsvertretung und StuRa-Listen, werden nämlich, wie bisher auch, die studentischen Vertreter in die Fakultätsräte der elf Fakultäten sowie die vier studentischen Mitglieder des Senats der Universität gewählt.



Es ist schlimm genug, dass sich die VS zu ihrem Start auf diese Weise selbst lächerlich macht. Die Vertretung der Studierenden in den Gremien der Universität dabei gleich mit durch den Kakao zu ziehen ist jedoch unverantwortlich. Es sei denn, man betrachtet das Ganze als gezielte Ablehnung der im StuRa ohnehin systematisch an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängten Parteipolitik zu Gunsten der Fachschaften, in denen ja ohnehin alle Studierenden vertreten sein sollten. Dann wäre aber alles so wie früher, so wie in Zeiten des U-Asta, als die VS in Baden-Württemberg verboten war. Die Chance zur Neuordnung wäre vertan.

Aber das habt ihr natürlich alle bedacht, als ihr für das „Neue Mischmodell“ gestimmt habt.

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