Die Uni-Theatergruppe "maniacts" spielt John Ford’s "Tis pity she’s a whore"

Brigitte Rohm

Game of Thrones meets Shakespeare: Inzest, Intrigen, Liebe, Rache und Mord. Der Theatersommer feiert mit der neuen Maniacts-Produktion ein fulminantes Finale.

Wer ist so crazy, heutzutage eine englische Rachetragödie aus dem 17. Jahrhundert auf die Bühne zu bringen? Natürlich die Maniacts! Die Theatergruppe des englischen Seminars schafft es, mit Talent und Spielfreude so ziemlich jeden Stoff zu inszenieren. Was man sich unter John Ford’s Stück "Tis pity she’s a whore", das 1630 erstmals aufgeführt wurde, genau vorzustellen hat, haben sie bereits auf ihrer Facebookseite verraten:

  • "Think of Hamlet with more sex"
  • "Think of Romeo and Juliet with dirty talk"
  • "Like Game of Thrones done by Shakespeare"
Und drama is coming: Es geht um urmenschliche Triebe und um den Stellenwert von Liebe und Moral in einer Gesellschaft, in der jeder rücksichtslos nur seine eigenen Interessen verfolgt. Ist eine inzestuöse, aber aufrichtige Liebe ein schlimmeres Verbrechen, eine größere Sünde als ein Mordkomplott?

Man leidet und fiebert mit, wenn die sich Geschwister Giovanni und Annabella verlieben und sich ewige Treue schwören, während ihr Vater Florio bereits plant, seine Tochter zu verheiraten. Die Bewerber – der reiche Adlige Soranzo und der aufbrausende Soldat Grimaldi – sind Todfeinde und schrecken vor nichts zurück, um den anderen auszustechen. Als Annabella schließlich von ihrem Bruder schwanger wird, heiratet sie notgedrungen Soranzo. Der ist jedoch Ziel eines teuflischen Racheplans von seiner ehemaligen Geliebten Hippolita, und die beiden unglücklichen Liebenden geraten in einen Strudel aus Chaos und Grausamkeit.

Faszinierender Figurenreigen

Auch wenn ziemlich schnell klar ist, welche Richtung die Geschichte nehmen wird: Der faszinierende Figurenreigen, der zu Beginn Aufstellung nimmt und fortan in einer temporeichen Inszenierung schmachtend, streitend, intrigierend und mordend über die Bühne fegt, fesselt den Zuschauer, bis der Vorhang fällt. Das gilt auch für kleinere Rollen, wie etwa den leicht begriffsstutzigen Grimaldi oder Annabellas warmherzige "tutoress" Putana, die an eine italienische Mamma erinnert. Etwas ungewohnt klingt ab und an das barocke Englisch ("I blame you not!", "Be you more silent!"), geht aber schnell ins Ohr und gibt den flammenden Reden einen ganz besonderen Touch.

"Tis pity she’s a whore" hat alles: Süße Liebesschwüre, Gewaltexzesse, Gift, Situationskomik und schwarzen Humor, Skandale, einen heißblütigen Spanier, betörende Maskentänzerinnen und eine auf Rache sinnende "Femme Fatale". Die Zuschauer der fast ausverkauften Premiere dachten sich daher wohl Ähnliches wie die verliebte Annabella: "What paradise of joy have I passed over!"
  • Was: "Tis pity she’s a whore", nach John Ford, von der studentischen Theatergruppe Maniacts
  • Wann: 23., 24., 29., 30. und 31. Juli, je 19.30 Uhr