"Die Uni hat ein massives Finanzierungsproblem", Leon Grünig vom Stura über die Nachtschließung der UB

Fabian Thomas

fudder hat sich mit dem Vorstand der Studierendenvertretung Leon Grünig über die geplante Schließung der UB ab Oktober unterhalten. Er hätte sich gewünscht, dass der Stura in die Entscheidung mehr eingebunden worden wäre.

fudder: Leon, wie habt ihr von der Nachtschließung der UB erfahren?

Leon Grünig: Auch wir haben von der endgültigen Entscheidung über die Nachtschließung der UB aus der Mail des Rektors erfahren, obwohl genügend offizielle und inoffizielle Wege vorhanden gewesen wären, dies der Studierendenvertretung vorab mitzuteilen. Da es sich bei der UB-Schließung um eine Verwaltungsentscheidung handelt ist das grundsätzlich erlaubt, aber wir halten das nicht für den sauberen Weg, gerade mit Blick auf die Tragweite dieser Entscheidung.

Was hältst du von der Nachtschließung?

Es sind sicherlich keine schlechten Gründe, dass die Auslastung zu gering ist und die Kosten für Personal, Sauberkeit und Klimaanlage zu hoch sind. Dennoch hätten wir uns als Vertretung der größten Statusgruppe der Universität gewünscht, intensiver eingebunden zu werden.

Die Nachtschließung betrifft vorrangig Studierenden, die es ohnehin schon schwer haben, die sich tagsüber um Angehörige oder Kinder kümmern müssen, oder arbeiten gehen. Das sind diejenigen, die auf die Nachtöffnungszeiten angewiesen sind. Es sind ja nicht nur die, die tagsüber verkatert sind.

Prof. Schiewer hat bei der UB-Eröffnung die 24-Stunden-Öffnung als Leuchtturmprojekt für Deutschland angepriesen. Jetzt so zurückzurudern ohne das mit der Vertretung der Betroffenen zu diskutieren, das finden wir angesichts des demokratischen Anspruches der Uni merkwürdig.

Außerdem sind wir der Ansicht, dass die angekündigte Wochenendöffnung der Verbundbibliothek im KG IV an 16 Wochenenden nichts mit der Nachtschließung der UB zu tun hat. Eine Vorabvereinbarung zu diesem Thema zwischen Studierendenvertretung und Rektorat gab es bereits, bevor das Thema Nachtschließung aufgekommen ist.

Wieso gibt es eigentlich nicht genügend Geld für den nächtlichen Betrieb der UB?

Da müssen wir jetzt relativ tief in das Schauderthema Uni-Finanzierung reingehen. Durch die Abschaffung der Studiengebühren unter der ersten Regierung von Winfried Kretschmann sind Gelder weggefallen, was die Universitäten vor ein großes Problem gestellt hätte. Land und Hochschulen haben sich daher darauf geeinigt, die sogenannten Qualitätssicherungsmittel (QSM) als Ausgleich einzuführen.

Diese waren anfangs zweckgebunden für Studium und Lehre. Die Zweckgebundenheit wurde dann für etwa 88 Prozent dieser Mittel aufgehoben. Dieser Großteil fließt jetzt direkt in den Grundhaushalt der Universität. Die Gelder werden von da verteilt auf die Fakultäten und die zentralen Einrichtungen, wie Bibliothek, Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS), Rechenzentrum und auf die Fakultäten.

Die Fakultäten bekommen allerdings deutlich mehr als die zentralen Einrichtungen. Der restliche Teil, etwa 11 Prozent des Geldes, wird auf Vorschlag der Studierenden vergeben, das sind in Freiburg etwa 1,4 Millionen Euro. Die Zweckgebundenheit der 88 Prozent ist aber weggefallen, und es wurde dann entsprechend immer mehr an die Fakultäten gegeben und immer weniger an die zentralen Einrichtungen.

Denn mit reiner Lehre, wie sie in den zentralen Einrichtungen stattfindet, wirbst du keine Drittmittel ein. Das ist ein Problem. Die Drittmittelabhängigkeit steigt durch sinkende Grundfinanzierung immer weiter, und Drittmittel wirbst du mit guter Forschung ein. Da wird also entsprechend Geld reingesteckt um die Finanzierung weiter zu sichern und dann befinden wir uns in einer schönen Spirale.

Die Uni hat ein massives Finanzierungsproblem, da müssen wir uns nichts vormachen. Das merken wir nicht nur bei der UB, sondern eben auch beim Zentrum für Schlüsselqualifikationen. Der Blick muss also auf die Unterfinanzierung des Bildungswesens gerichtet werden.

Wie steht ihr zu den baulichen Pannen der UB?

Von außen sieht man es gerade relativ gut. Es ist eine Farce was da regelmäßig passiert. Sei es die Spiegelung der Fassade vor ein paar Jahren, sei es die Tür zum Cafe Libresso, die gerade gemacht werden musste, seien es jetzt die runterfallenden Teile. Dieses Ding hat so viel gekostet, soviel Bauzeit verschlungen - es kann eigentlich nicht sein, dass es nach drei Jahren auseinander fällt.

Liegen diese Pannen in der Verantwortung der Universität?

Die Verantwortung liegt bei Vermögen und Bau, das ehemalige Universitätsbauamt, die unterstehen dem Finanzministerium in Stuttgart, also die haben mit der Uni nichts zu tun. Hier wäre es wünschenswert, eine bessere Zusammenarbeit zwischen diesem Amt, dem Rektorat und der Studierendenvertretung zu schaffen.
Leon Grünig ist Vorstand der Studierendenvertretung. Der Vorstand wird jährlich durch den Stura gewählt und vertritt die Entschlüsse des Stura gegenüber dem Rektorat.

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